Dorfjubiläum

Schiffelbach lebt die Tradition - Video

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Eine der vielen Gruppen, die während des stehenden Festzugs immer wieder für Aufsehen auf den Schiffelbacher Straßen sorgen, ist die Kindertanzgruppe „Radieschen“ aus dem Jubiläumsdorf.

Gemünden-Schiffelbach - Einen Frühsommertag wie aus dem Bilderbuch haben Tausende Menschen dazu genutzt, in Schiffelbach einen Einblick in altes Handwerk, in mittelalterliche Bräuche und in die moderne Landwirtschaft zu gewinnen.

Wenn ein Dorf mit seinem Jubiläumsfest genau den richtigen Treffer gelandet hat, dann Schiffelbach: In einem Frühling, der eher dem Spätherbst gleicht, erwischt der Jubiläum feiernde Gemündener Stadtteil den gefühlt einzigen Tag mit Sonnenschein. Und das nutzen Tausende Menschen aus dem Landkreis, aus der Schwalm, aus dem Marburger Land: Die rechtzeitig halbwegs getrockneten Wiesen rund um das Dorf stehen voller Autos, auf der schmalen Straße zum Ort herrscht Dauerstau. Die Menschen strömen in den Sonnenschein und an die frische Luft - und die riecht überall nach Bratwurst, Waffeln, Ofenplätzen.

„Mehr Glück als wir kann man eigentlich gar nicht haben“, ruft Jens Berkenkopf. Als Teil des Autorenteams der Chronik - die ist schon seit Tagen vergriffen - gehört er zu den Organisatoren des Festes. Schon am Donnerstag beim Festkommers sei es zwar kühl, aber trocken gewesen, freut er sich. Auch die Trenkwalder hätten für gute Stimmung gesorgt. Und dann dieser Sonntag: ein Hauch von Sommer, ein Hauch von Mittelalter.

Handwerk im Fokus

Im Mittelpunkt des Festzugs steht das Handwerk, gleich ob neu oder alt. Schreiner, Drechsler, Stukkateure, Zimmerer oder Gartenbauer: Schiffelbach zeigt mit breiter Brust, was es kann - und wenn es etwas nicht kann, dann gibt es sicher jemanden aus den Nachbardörfern, der es kann. Zwischen die Stände der Handwerker, die immer wieder Kostproben ihrer Kunst darbieten, mischen sich Damen mit Stickereien oder der Hausapotheke, Bildhauer, Glaser, aber auch Sportangebote.

Immer wenn es ums Mitmachen geht, sind besonders die kleinen Gäste dabei. Bei der Feuerwehr dürfen sie mithilfe der Brandschützer den Schlauch halten, sie töpfern, drechseln, sägen - machen all das, was ihnen daheim niemals Spaß machen würde. Selbstverständlich, dass bei strahlendem Sonnenschein auch die „Spielsachen wie zu Großmutters Zeiten“ ziehen: Hinkelkästchen, Gummitwist, Kinderschminken sind Publikumsmagnete. Und eine ordentliche Sandlandschaft gewinnt noch immer gegen jede Playstation.

Als wenn es nicht schon genug zu schauen gäbe, haben die Schiffelbacher auch auf den drei Aktionsbühnen für ein niemals endendes Programm gesorgt: Immer wieder treten Trachten- und Kindergruppen auf. Der Posaunenchor aus Lischeid, Winterscheid und Heimbach begeistert, besonders aber auch die heimischen Bläser der Gemündener Feuerwehr. Im Verlauf des Nachmittags sind es dann die Posaunenchöre aus Grüsen und Mohnhausen, aus Hatzbach und aus Erksdorf, die Akzente­ setzen. Eine große Bühne gibt es dabei nur im alten Dorfkern, die übrigen „Aktionsbühnen“ befinden sich mitten auf der Straße - wie bei einem Platzkonzert scharen sich umgehend Dutzende Menschen um die Musiker oder Tänzer und sorgen für Stau auf den Straßen des Dorfes. Doch der ist gut zu verkraften, denn es gibt überall etwas zu sehen. Wenn es nicht die Schiffelbacher sind, dann spielen andere den Blickfang: Die Hauberner Landjugend wirbt in Tracht auffällig für ihr Geburtstagsfest am nächsten Wochenende. Und die Hatzbacher Dorfgemeinschaft, die ihr 750-jähriges Jubiläum Anfang August feiert, hat eine kleine Version ihres stehenden Festzugs aufgebaut und schafft so ein kleines „Dorf im Dorfe“.

Blick in die Kirche

Auch die Kirche zieht Menschen an: Der Gottesdienst auf Schiffelbacher Platt ist für Außenstehende ein Mysterium, doch Orgel- und Kirchenkonzerte sind Ruhepole im quirligen Treiben auf den Straßen des 300-Seelen-Dorfes. Eine Kirchenführung lässt in die Historie des Hauses eintauchen.

Als sich die Straßen am Abend leeren, bleiben die Schiffelbacher an Bier- und Weinständen, bei Wurst, Flammkuchen, Ofenplätzen zurück und können sicher sein: Ihr Dorf hat sich von der besten Seite gezeigt - und Petrus ist ein Schiffelbacher.

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