Schlagstock-Prozess gegen Polizisten: Anwalt will neue Beweise liefern

Vermeintlicher Tatort in Röddenau: Vor einigen Wochen fand bereits ein Gerichts-Ortstermin in Röddenau an der Ecke Mühlenstraße/Am Mühlrain statt. Noch ist aber immer noch nicht klar, wo sich die mögliche Tat genau abgespielt hat. Archivfoto: Biedenbach

Frankenberger Land. Um den Standort der vermeintlichen Tat ging es auch wieder am Montag im Amtsgericht Frankenberg.

Dort muss sich seit Januar dieses Jahres ein 34-jähriger Polizeibeamter verantworten, der 2012 einen damals 16-jährigen Jugendlichen mit einem Teleskop-Schlagstock mehrfach ins Gesicht geschlagen und ihn so verletzt haben soll.

Derzeit geht es vor allem um die Frage, wo sich in Röddenau die angebliche Tat abgespielt h

Aktualisiert um 16.10 Uhr

at und wie glaubwürdig diesbezüglich die Aussagen der Zeugen und des Angeklagten sind. Bis zum fünften Verhandlungstag – acht hat es bislang gegeben – war das Gericht unter anderem aufgrund von Einträgen in der Ermittlungsakte und Zeugenaussagen davon ausgegangen, dass sich die vermeintliche Tat in Röddenau im Bereich Mühlenstraße/Am Mühlrain zugetragen hatte. Am fünften Verhandlungstag sagte der Angeklagte dann, dass sich die Auseinandersetzung und Verhaftung, bei der er keinen Schlagstock benutzt habe, in den Straßen Am Mühlrain/Am Niederfeld abgespielt habe.

Am Montag hat nun ein weiterer Zeuge ausgesagt. Er war zusammen mit der Gruppe von Jugendlichen in Röddenau. Teile dieser Gruppe hatten angefangen, zu randalieren und so einen Polizeieinsatz ausgelöst. „Ich habe das Polizeiauto gesehen und bin weg gerannt. Ein Polizist hat mich verfolgt. Ich bin den Wiesenweg hoch gelaufen, über Zäune gesprungen und über Grundstücke gelaufen. Dann habe ich mich versteckt“, sagte der 19-Jährige. Anhand eines Stadtplanes versicherte er, dass der Einsatzwagen der Polizei im Bereich Mühlenstraße/Am Mühlrain gestanden habe und nicht an der Stelle, die vom angeklagten Polizisten genannt worden sei.

Der 19-Jährige bestätigte damit die Aussagen anderer Zeugen aus den Reihen der Jugendlichen. Der Anwalt des Angeklagten machte keinen Hehl daraus, dass er die Aussagen der Zeugen anzweifele. Er behauptete noch einmal, dass sie durch die Berichterstattung in der Presse beeinflusst worden seien. Dass sein Mandant von Anfang an den richtigen Standort der vermeintlichen Tat genannt habe, soll jetzt mit Hilfe eines Beweisantrags darglegt werden. „Mein Mandant hat in der ersten Anzeige ins EDV-System der Polizeidienststelle den Standort Mühlrain/Am Niederfeld eingegeben.“ Weil er sich in dem Ort nicht auskenne, habe er die durch das System ausgespuckte, falsche Straßenangabe ,Am Mühlrain 1’ nicht bemerkt.

Erst später sei ihm der Fehler aufgefallen. „Dieser erste Eintrag muss jetzt überprüft werden“, sagte der Anwalt. Danach müsse noch einmal über die Glaubwürdigkeit der Zeugen gesprochen werden. Mit einem weiteren Beweisantrag will der Anwalt zudem erreichen, dass überprüft wird, ob neben dem einen genannten Polizeiwagen noch weitere am vermeintlichen Tatort waren. „Zeugen haben ausgesagt, dass der Streifenwagen an der Ecke Mühlenstraße/Am Mühlrain gestanden hat. Das schließt aber nicht aus, dass, wenn mehrere Fahrzeuge im Einsatz waren, der Einsatzwagen meines Mandanten an der Ecke Am Mühlrain/Niederfeld stand“, sagte der Anwalt. (dau)

Quelle: HNA

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