Verhandlung fortgesetzt

Schlagstock-Prozess: Zeugen entlasten Frankenberger Polizisten

Frankenberger Land. Das Berufungsverfahren gegen einen 35-jährien Beamten der Polizeistation Frankenberg wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt ist mit der Vernehmung mehrerer Polizisten fortgesetzt worden.

Kollegen beschrieben den Angeklagten als ruhig und korrekt.

Der Polizist wehrt sich vor dem Marburger Landgericht gegen eine Verurteilung durch das Amtsgericht Frankenberg zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Er bestreitet bei einem Einsatz im Oktober 2012 gegen randalierende Jugendliche in Röddenau einen wehrlosen 16-Jährigen mit einem Teleskopschlagstock verletzt zu haben.

Der Kollege, mit dem er meistens Streife fuhr, berichtete, dass es immer wieder zu Widerstandshandlungen bei Einsätzen gekommen sei. „Es lief aber immer alles qualifiziert ab, ich war froh dass er dabei war, denn es hatte alles immer Hand und Fuß.“ Auf die Frage des Vorsitzenden, Landgerichtspräsident Frank Oehm, ob der Kollege eher aufbrausend sei, betonte der Zeuge, „auch sowas gab es bei uns im Haus, aber nie bei ihm.“

Am fraglichen Abend war der Angeklagte mit einem anderen Beamten auf Streife. Ihm gegenüber habe er nach den Vorfällen berichtet, dass er den Jugendlichen, der sich mit Tritten der Festnahme entziehen wollte, mit der Faust zur Raison gebracht habe, sagte der Zeuge. Von einem Schlagstock sei weder von ihm, oder einem anderen Beteiligten zu diesem Zeitpunkt die Rede gewesen.

„Ich hatte nie Zweifel an den Kollegen“, sagte der Polizeistationsleiter. Über den 35-Jährigen seien ihm nie dienstliche Beschwerden zu Ohren gekommen. Er beklagte, dass der Polizei immer weniger Respekt entgegengebracht werde. „Es ist daher nicht vermeidbar, dass es auch mal eskaliert.“ Er sei aber sicher, dass sich der Polizist korrekt verhalten hat.

Am letzten Verhandlungstag hatte eine interne Ermittlerin gemutmaßt, gleichwohl es nur Indizien gebe, dass in Frankenberg der Bericht zu Gunsten des Angeklagten, bevor sie ihn erhielt, verändert wurde. Dass der Streifenkollege diesen, obwohl er aus der Freizeit kommen musste, noch in Formulierungen verbessert hat, sei ein völlig normaler Vorgang, betonte ein anderer Polizist. „Inhaltlich ist nichts verändert worden“, sagte er, „es ging nur um die Qualität.“

Zwei Kriminalbeamte bestätigten, die Verletzungen des Jugendlichen dokumentiert zu haben. Ein Arzt gab an, eine etwa einen Zentimeter lange Platzwunde an der Augenbraue genäht zu haben. Auf die Frage der Verteidigung, ob diese von einem Faustschlag stammen könne antwortete er, dass wisse er nicht, „aber ich bin ja auch kein Ringarzt.“

Die Verhandlung wird am 25. April fortgesetzt. (kse)

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Quelle: HNA

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