Unwetter am Dienstagabend: Straßen und Keller liefen voll

Schlamm und Wasser überschwemmen Wildunger Stadtteil Mandern

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Unwetter in Ungedanken: Die Erde und die Kanalisation konnten die Wassermassen nicht aufnehmen. Straßen und Keller waren überschwemmt.

Mandern/Ungedanken. Ein Unwetter hat am Dienstagabend in Mandern und dem benachbarten Ungedanken Sachschäden angerichtet, deren finanzielles Ausmaß noch nicht abzuschätzen ist.

Binnen etwa einer halben Stunde fielen 30 Liter Regen und Hagel pro Quadratmeter, erzählten Anwohner in Mandern.

Jugendfeuerwehrmann Marius Weinert ist mit einem Freund im oberen Teil des Bad Wildunger Stadtteils unterwegs, als das Gewitter einsetzt: „Es regnete und wir dachten, das hört sicher gleich wieder auf.“ Doch dann beobachten die beiden Jugendlichen, wie eine bräunliche Flutwelle durch den fünf Meter tiefen Graben schießt, in dem sonst der Dorfbach großteils verrohrt der Eder zuplätschert. „Innerhalb weniger Augenblicke stand das Wasser in dem Graben plötzlich auf vier Metern Höhe“, schildert Marius am Morgen danach. 

Er und sein Freund hätten gesehen, wie verschlammte Ströme sich von den Äckern über die Straßen wälzen, dem Gefälle Richtung Eder folgend. Marius ruft zu Hause an, um seine Familie zu warnen, denn ihr Haus steht unten, an den tiefsten Stelle des Dorfes, nahe dem Sportplatz. Zu dem Zeitpunkt ahnt dort noch niemand etwas von dem Verhängnis. Aufzuhalten ist es nicht. 

An Engstellen staut sich die Flutwelle bis zu zwei Meter hoch auf, schildern mehrere Bewohner später. Seitlich ergießt sich die Brühe in Keller und Erdgeschossräume. Sie reißt alles Mögliche mit sich von Baumstämmen bis zu Gasflaschen. Geröll und Schutt verstopfen Ab- oder Durchläufe. 

16 Notrufe gehen ab kurz vor 19 Uhr bei der Feuerwehr ein. „Wie viele Menschen sich selbst halfen, wissen wir nicht einmal“, berichtet Stadtbrandinspektor Ralf Blümer. Als Leiter des Bauhofes ist er mit seinem Team auch am Tag nach dem Wolkenbruch im Einsatz. Straßen und Kanäle werden gespült, während die Manderner mit Schaufeln, Hochdruckreinigern und Maschinen halbwegs Ordnung in das Chaos zu bringen suchen, das die Wassermassen in ihren Häusern, Garagen, Lagerräumen oder Betriebsgebäuden hinterlassen haben. 

60 Feuerwehrleute aus Mandern selbst, Braunau, Wega und Bad Wildungen eilen am Abend zuvor zu Hilfe. Pumpen laufen über Stunden, richten zunächst aber wenig aus. Manchen ist das Glück im Unglück hold, etwa Lothar Hermann, dessen Haus an der tiefsten Stelle liegt. Ein Erdwall verhindert, dass die Flut in sein Wohnzimmer vordringt. Allein der geschotterte Hof läuft voll. Von dort fließt das Wasser weiter Richtung Eder ab. „Ich habe ja noch nicht mal etwas gemerkt und war am Fernsehen schauen. Ein Nachbar klopfte plötzlich an die Tür und fragte, ob ich nichts mitbekäme“, erzählt Hermann.

Quelle: HNA

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