Frankenberg

Mit schlechter Perücke das Stück gerettet

- Frankenberg (mba). Eine überaus gelungene Premiere feierten die Schauspieler der „Komödie Frankenberg“ mit ihrem aktuellen Bühnenstück "Später Frühling" in der ausverkauften Aula der Ortenbergschule – und das trotz des plötzlichen Ausfalls eines Hauptdarstellers.

Gut möglich, dass Harald Hörl in die Theatergeschichte eingehen wird: Als der Darsteller mit dem am schlechtesten sitzenden Haarteils aller Zeiten. Wäre ein Zuschauer mitten im zweiten Akt der Boulevardkomödie „Später Frühling“ in die Vorstellung gekommen, er hätte Hörl vielleicht auch für den miserabelsten Schauspieler gehalten. Denn Hörl musste die Rolle des ergrauten Kunsthändlers Ford Baxter aus dem Textbuch ablesen, was seine Ausdrucksmöglichkeiten stark einschränkte. Tatsächlich leistete Hörl auf der Bühne der Ortenbergschule durchaus Außergewöhnliches, wie das Publikum in der ausverkauften Vorstellung sehen konnte: Denn er musste ohne jede Vorbereitung Baxters Rolle übernehmen, die eigentlich Peter Höhl hätte spielen sollen. Der war aber kurzfristig wegen gesundheitlichen Problemen ausgefallen. Hörl bat also die Zuschauer um Verzeihung, setzte sich die graue Perücke auf und sprang für den erkrankten Kollegen ein – und lieferte eine beachtliche Improvisation ab. Die zweite Darstellerin, die besonders hervorzuheben ist – ganz unbeachtet der Tatsache, dass das ganze Ensemble mit großer Freude am Spiel und sehr mitreißend agierte – ist Conny Buß als Joy Lucas, die flippige Freundin der Hauptfigur Sally Seymour. Buß hatte von Anfang an die stärkste Bühnenpräsenz unter allen Charakteren, was nicht zuletzt auch an ihren schrillen Kostümen lag, die sich von extravagant bis völlig geschmacklos steigerten. Jedenfalls war Buß alias Joy in jeder Szene ein Hingucker und spielte ihre Rolle mit sichtlicher Hingabe. Die interessanteste Wandlung durchlebte allerdings die Hauptfigur Sally Seymour, eine Entwicklung, die Sabine Eckel sehr glaubhaft darstellte. Mit deutlichen Änderungen in Ausdruck und Körperhaltung und mit parallel zum Verlauf der Handlung wechselnden Kostümen schaffte Eckel es, die Verwandlung von der steifen, verklemmten Geschäftsfrau über die völlig von der Rolle geratenen Liebesabenteurerin zur sich nach wahrer Liebe sehenden Romantikerin für das Publikum nachzuvollziehen. Zur Handlung: Die erfolgreiche Londoner Geschäftsfrau Sally Seymour gerät an ihrem 35.  Geburtstag in eine schwere Depression. Der Grund: Sie droht eine alte Jungfer zu werden, was sie sichtlich frustriert. Mit Hilfe ihrer verrückten Freundin Joy will Sally ihrem langweiligen Leben eine neue Wendung geben – hin zum anderen Geschlecht.

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