Frankenberg

Ein Schlussstrich und ein Neubeginn

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- Frankenberg (gl). Am 26. Februar gibt es letztmalig frische Bio-
Produkte im Kleeblatt-
Laden – die Mitarbeiter haben allesamt neue 
Arbeitsplätze bekommen.

Traurig sind sie alle, einige weinen zu Hause, andere freuen sich auf die neue Aufgabe: Die Mitarbeiter schauen dem Ende ihrer Bäckerei „Brotgarten“ und dem angeschlossenen Verkauf von Bio-Produkten im Kleeblatt-Laden in der Marburger Straße mit gemischten Gefühlen entgegen.

Das Lebenshilfe-Werk backt in der Marburger Straße seit mehr als 20 Jahren Bio-Vollkornbrote. „Es gab einen Kreislauf vom Anbau bis zum Endkunden, der wird nun leider unterbrochen“, sagt der Werkstattleiter Rainer Neugebauer. Mit seinen Mitarbeitern, betreute wie hauptamtliche, bot er jahrelang Nahrungsmittel an, die sich an die Bio-Richtlinien halten. Zugleich bot der „Brotgarten“ eine Möglichkeit für Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, ihre Zeit mit einer sinnvollen Tätigkeit zu füllen – einem echten Beruf eben.

Bereits seit Ende Januar steht die Bäckerei still. Laut Auskunft der Lebenshilfe habe sich der Betrieb schlicht nicht gerechnet. Nun muss ein Laden mit den Ambitionen des Kleeblatts keinen Gewinn abwerfen – doch die Bäckerei hat offenbar viel Geld verschlungen, das die Lebenshilfe für andere Projekte sinnvoller angelegt sieht. Das Bio-Brot backt daher seit einer knappen Woche eine Kasseler Vertragsbäckerei – mit dem Mehl der Lebenshilfe.

Da der kleine Laden in der Marburger Straße ursprünglich als Verkaufsstation für die Bäckerei eingerichtet worden war, schließt auch er am 26. Februar seine Pforten. Die betreuten Mitarbeiter sehen der Zukunft mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Einerseits herrscht Freude darüber, etwas Neues machen zu können – die Mitarbeiter dürfen ihre künftigen Arbeitsräume so weit möglich selbst gestalten. Andererseits herrscht Trauer darüber, dass die Bäckerei ihre Pforten schließt.

„Die Mitarbeiter haben es sich ja ausgesucht, hier zu arbeiten – sie haben das gerne gemacht“, sagt Neugebauer. „Ein bisschen komisch ist das schon, wir wissen ja noch nicht, was wir bekommen“, sagt Christoph Höhl, während er ein Backregal putzt: „Das ist eine schwierige Situation.“

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 5. Februar.

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