Waldbegang der Gemeinde Burgwald

Schneller, wirtschaftlicher und sicherer

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Burgwald-Bottendorf - Zwei Schwerpunkte hatten Revierleiter Matthias Hupfeld und Forstamtsleiter Eberhard Leicht ausgewählt: die Aufarbeitung von Holz mit dem Vollernter und die Entwicklung der Waldgenerationen unter verschiedenen Voraussetzungen.

An der Schutzhecke, die schon zum Revier Rosenthal gehört, ist derzeit ein Kranvollernter – ein sogenannter Harvester – im Einsatz. Dort startete der Waldbegang für die knapp 20 Burgwalder Kommunalpolitiker. Etwa 45 Prozent des Holzes im Burgwald würden bereits auf diese Weise hochmechanisiert gefällt – „und der Trend ist ungebrochen“, betonte Forstamtsleiter Eberhard Leicht. Diese Entwicklung betrachte er „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“. Denn einerseits verdrängten die Harvester die klassische Arbeit des Waldarbeiters: er ersetzt zehn bis zwanzig Männer. Auf der anderen Seite werde die Holzernte sicherer, ergonomischer und auch wirtschaftlicher – obwohl sie Subunternehmern in Auftrag gegeben werde. Das Fällen von Menschenhand dauert nicht nur deutlich länger, sondern „ist auch nicht mehr bezahlbar“, sagte Leicht. Der Ernsthäuser Revierleiter Matthias Hupfeld ergänzte, dass sich der Einsatz eines Harvesters ab einer Einsatzfläche von etwa 50 Hektar lohne. Das schwere Gerät wird mit dem Tieflader in den Wald gebracht.

Rund 400 Stämme pro Tag

An der Schutzhecke im Burgwald erntet der Harvester derzeit sowohl Laub- als auch Nadelbäume – pro Tag etwa 400 Stämme. Bei krummen Laubbäumen mit Verästelungen schafft der Harvester etwa zehn Festmeter, unter besten Bedingungen kann er sogar 60 Festmeter Holz pro Stunde verarbeiten. Wie schnell das Aufarbeiten eines Baumes geht, erlebten die Kommunalpolitiker vor Ort: Fahrzeugführer Benjamin Hofmann demonstrierte, wie der Harvester den Stamm am unteren Ende absägt, aus dem Wald herauszieht, entastet und sofort in Stücke sägt. Je nach Holzart und Qualität wird das Holz sofort auf verschiedene Sortimente verteilt, um den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen – und zwar vollautomatisch. Der Fahrzeugführer gibt lediglich die Holzart und die gewünschte Länge ein.

Kosten: 500 000 Euro

Bei einem genauen Blick auf das große Fahrzeug hatten die Burgwalder die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Sie erfuhren, dass ein solcher Harvester etwa eine halbe Million Euro kostet, der Kran zwölf Meter lang ist und sich rund 600 Liter biologisch abbaubares Öl für die Hydraulik in den Rädern, in den Leitungen und im Tank befinden. Der Harvester verbraucht 15 bis 18 Liter Diesel pro Stunde und arbeitet mit einem Betriebsdruck von 300 Bar.Damit nachwächst, was geerntet wird, müssen die Forstleute immer auch die nächsten Waldgenerationen im Blick behalten. Darüber informierten Matthias Hupfeld und Eberhard Leicht am Kleinen Linnerberg.

Dabei setzen die Fachleute auf die Kraft der Natur: „95 Prozent von dem was im gesamten Burgwald nachwächst, geschieht über Naturverjüngung“, erläuterte der Forstamtsleiter. „Die Erneuerung des Waldes ist fast ein Selbstläufer.“ Die Pflanzung habe bei Weitem nicht mehr den Stellenwert wie noch vor 20 Jahren, auch, weil die Forstfachleute die Erfahrung gemacht haben, dass natürlich verbreitete Pflanzen sich günstiger entwickeln als das, was der Mensch pflanze. Im Burgwald werden laut Leicht im Durchschnitt neun Festmeter pro Hektar Fläche eingeschlagen und damit weniger als nachwachse. Zudem liege der Holzvorrat im Burgwald über dem Bundesdurchschnitt. Leicht und Hupfeld verwiesen am Kleinen Linnerberg auf das Problem der Insellagen – also Waldflächen, die von allen Seiten von Feldern umgeben sind. Sie sind besonders nach der Erntezeit beliebt beim Wild, weil sie Schutz und Futter bieten.

Hupfeld nutzte eine 3000 Quadratmeter voller Haselsträucher, in dem auch 33 Eichen, 30 Fichten, eine Buche, eine Kirsche und ein Bergahorn wachsen, um die verschiedenen Möglichkeiten der Weichenstellung zu erklären – vom kostenlosen Nicht-Eingreifen bis hin zur kompletten Räumung der Fläche mit Bepflanzung mit anderen Baumarten und einem Schutz vor Wildverbiss. Diese Maximalversion würde bis zu 9500 Euro kosten. Hupfeld empfahl, jene Bäume, die „Hilfe“ brauchen, immer wieder freizustellen und den Hasel herunterschneiden. Mittelfristig würden die gewachsenen Bäume den Hasel ausdunkeln. Die Kosten dafür liegen bei 200 Euro jährlich. Wie das Ergebnis aussehen würde, sahen die Kommunalpolitiker wenige Schritte weiter, wo der Hasel nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.Bürgermeister Lothar Koch dankte den beiden Forstleuten für den informativen Waldbegang und betonte, dass solche künftig regelmäßig stattfinden sollen.

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