Am Gymnasium Edertalschule hat die zehnte Orchesterklasse ihren Unterricht begonnen

Schnuppertag als Einstieg in Musikwelt

Die neue Orchesterklasse fünf der Edertalschule, die im Mittelpunkt einer neuen Serie der Frankenberger Zeitung steht.

Frankenberg - Sie interessieren sich für Musik, wollen ein Instrument lernen, träumen vielleicht davon, in einigen Jahren selber einmal mit dem Jugendsinfonieorchester der Edertalschule vor vielen, vielen Menschen aufzutreten: Mit einem Schnuppertag hat die musikalische Ausbildung der Schüler der Orchesterklasse des Gymnasiums begonnen.

Neugier, Aufregung, Unruhe, Nervosität: Mit erwartungsvollen Blicken versammeln sich die Mädchen und Jungen der neuen Orchesterklasse fünf in der Aula des Gymnasiums. Nachdem sie Stefan Hermes drei Tage zuvor in der Kulturhalle offiziell als Edertalschüler begrüßt hat, steht der Schulleiter nun beim „Schnuppertag“ erneut vor ihn - um den Startschuss zur musikalischen Ausbildung zu geben. In seiner Begleitung: Martin J. Fischer, der Leiter der Orchesterklasse, Markus Wagener, der Dirigent des Jugendsinfonieorchesters, und Eva-Maria Scholze, die Leiterin der Musikschule Frankenberg. „Vor Euch steht der wohl unmusikalischste Mensch an diesem Morgen“, sagt der Schulleiter mit einem Augenzwinkern. Er versichert den Kindern, dass sie ein außerordentlich „tolles Angebot“ der Schule nutzen werden und einen aufregenden Tag vor sich haben. „Ich hoffe, wir sehen uns oft, und spätestens in vier Jahren im Jugendsinfonieorchester“, sagt Wagener zu den 22 Schülerinnen und Schülern. Und er blickt kurz zurück in die Geschichte dieses musikalischen Angebots an der Edertalschule: Eine große Schwester einer der neuen Schülerinnen habe die erste Orchesterklasse besucht, berichtet er. „Und die hat gerade ihr Abitur bestanden“.

250 Kinder ausgebildet

Die neue Orchesterklasse ist der zehnte Jahrgang. Mehr als 250 Kinder haben diese zusätzliche Ausbildung an der Edertalschule durchlaufen, viele von ihnen spielen heute im Jugendsinfonieorchester. „Ihr werdet von unglaublich netten Leuten unterrichtet und werdet erfolgreich sein“, verspricht Wagener den Kindern. Doch damit dann genug der Rede. Die Musik und die Musikinstrumente sollen im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Die Schüler teilen sich in sechs Gruppen auf. Jeweils eine halbe Stunde lang haben sie Zeit, die Instrumente zu beschnuppern. Zur Auswahl stehen Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass, Trompete, Euphonium und Horn. Und die Scheu vor dem Ausprobieren ist schnell abgelegt.

Trompeten-Lehrer Rinaldo Blechschmidt gibt den Kindern die erste Trompetenstunde. Er zeigt ihnen, wie sie richtig atmen und wie sie die Lippen formen müssen, um die Trompete zum Klingen zu bringen. Und er wirbt auch ein bisschen für „sein“ Instrument: „Mit der Geige kann man ,nur‘ in einem Orchester spielen, mit der Trompete zusätzlich aber auch in der Big Band, der Blaskapelle, in einer Band oder auch zur Orgel in der Kirche. Und wenn ich in den Urlaub fahre, brauche ich zum Üben nur mein Mundstück in die Hosentasche zu stecken“. Und mit einer spielerischen Übung testet er, wer besonders geeignet für ein Blechblasinstrument ist. „Wer kann am längsten einen Ton blasen?“, fragt er in die Runde und es entwickelt sich ein Wettstreit, der einigen Schülern bei den sommerlichen Temperaturen in den Räumen direkt unter dem Dach des Gymnasiums die Röte ins Gesicht treibt.

Auch Eugen Kushinchanov beginnt nach den ersten Streichversuchen auf dem Kontrabass mit dem Musizieren. Während die Kinder zwei Bass-Saiten zupfen, spielt der Lehrer auf dem Klavier ein paar Takte von den Rolling Stones. „Cool, wir können ja schon zusammen Musik machen“, sagt ein Schüler. Beim Anblick des Instrumentes, das viel größer ist als er selbst, leuchten seine Augen. Er lässt den Kontrabass erst wieder los, als für ihn der Wechsel des Probenraumes und des Instrumentes ansteht: Für Kushinchanov steht fest: Dass ist Liebe auf den ersten Blick, und der Traum des Schülers, Kontrabass zu spielen, wird später wahr werden.

Geigenlehrerin Marion Linse ermittelt zunächst die richtige Größe des Instruments. Während sie den Kindern die Geige und das korrekte Halten erklärt, zupfen und streichen die Mädchen und Jungen die Saiten. Bratschenlehrer Jan Oracko testet als erstes das Gehör der Schüler, indem die Kinder Töne nachsingen oder einen Rhythmus nachklatschen sollen. „Die Kinder müssen gut hören können, ob sie einen bestimmten Ton spielen, und sie brauchen Rhythmusgefühl“, erklärt der Pädagoge.

Ideales Instrument finden

Ganz behutsam ermitteln die Instrumentallehrer der Orchesterklasse die musikalischen Stärken der Schüler, um für jedes Kind das ideale Instrument zu finden. So geht auch Hornlehrerin Kathy Freiboth vor: Sie lässt die Kinder selber sagen, wie leicht es ihnen fällt, einen ersten Ton auf dem Horn zu spielen. Nachdem eines der Kinder zum großen Erstaunen gleich ein kleines Lied zustande bringt, ist auch sie sicher, „dass sich hier soeben zwei gefunden haben.

Galina Nachkova hilft unterdessen Schülern, den Bogen des Cellos zu führen und beruhigt die nervöseren Kinder. Sie nimmt sie einfach in den Arm. Vertrauen schaffen, Neugier und Begeisterung wecken, das ist das Ziel der Schnupperstunde, in der die ersten Weichen für die Ausbildung der Orchesterklasse gestellt werden.

Der Unterricht endet mit einem kleinen „Wunschkonzert“: Die Kinder geben ihren Erst-, Zweit- und Drittwunsch für ein Instrument ab, denn nicht immer können alle Erstwünsche erfüllt werden. Schließlich soll sich die Orchesterklasse schon schnell zu einem „kleinen Orchester“ mit unterschiedlichen Stimmen formieren. Nach kurzer Beratung legen die Lehrer unter Berücksichtigung der Wünsche, der Eignung und der Verfügbarkeit des Instruments die Zuordnung fest. Die Kinder freuen sich, denn mehrheitlich erfüllen sich die Hoffnungen, für alle anderen gibt es eine gute Zweitlösung. Erleichterung und Zufriedenheit ist nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern nach den aufregenden Stunden ins Gesicht geschrieben: In der Schnupperstunde sind entscheidende Weichen für die musikalische Ausbildung gestellt worden.

In drei Monaten werden schon erste Kostproben beim Adventsvorspiel zu hören sein. (dwa)

Hintergrund:

„Wir wollen die Ausbildung unseres Nachwuchses für das Schulorchester breit anlegen“, erläutert Markus Wagener, der Leiter des Jugendsinfonieorchesters der Edertalschule. Erfahrungsgemäß bleiben nicht alle Orchesterklassenkinder auf dem eingeschlagenen Weg und spielen später auch im Jugendorchester oder im Jugendsinfonieorchester mit. „Um eine symphonische Besetzung aufrecht zu erhalten, bilden wir deshalb bedarfsgerecht aus.“ Im vergangenen Jahr haben in der Orchesterklasse einige Holzbläser (Klarinette, Oboe und Fagott) ihre Ausbildung begonnen. In dieser Orchesterklasse liegt der Fokus vor allem auf den Streichern und den Blechbläsern, wobei sich Wagener um die Bläser weniger Gedanken macht. „Blechbläser und Flöten werden oft auch außerhalb der Schule ausgebildet, etwa von den Musikzügen.“ Die Frankenberger Zeitung begleitet in einer neuen Serie die Orchesterklassenkinder während der Ausbildung und berichtet in unregelmäßigen Abständen aus dem Unterricht, über die Lernerfolge, die ersten Auftritte ? und den langen Weg über das Jugendorchester bis ins Jugendsinfonieorchester. (dwa)

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