Frankenberg

Schönheitsfehler in der Kommunikation

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- Frankenberg (jos). Nach der umstrittenen Übernahme der Privatklinik Aesthetik Med durch den Landkreis haben führende Politiker der SPD ihren Frieden mit dem von Ex-Landrat Eichenlaub eingefädelten Geschäft gefunden. Das wurde bei einer Stippvisite des Bundestagsabgeordneten Edgar Franke deutlich.

Im großzügigen Empfangsbereich der Klinik liegen neben schicken Ledersesseln Informationsbroschüren und Flyer aus. Darin wird das Haus als „Privatklinik Aesthetik Med“ vorgestellt. Als Klinikinhaber werden die Doktores Steger und Luderer genannt. Die vorgestellten Angebote reichen von Brustkorrekturen über Fettabsaugung bis hin zur Faltenbehandlung mit Botox. „Um ein attraktives, jugendliches Aussehen zu erreichen, stehen heute eine Vielzahl effektiver Methoden zur Faltenbehandlung zur Verfügung“, heißt es in der Info-Mappe. Fragen drängen sich auf: Gehören diese Angebote zur kommunalen Daseinsvorsorge? Und wem gehört jetzt die Klinik tatsächlich: dem Landkreis oder den Ärzten Steger und Luderer?„MVZ refinanziert sich“

Im ebenso wohnlich wie stilvoll eingerichteten Konferenzraum tagen derweil führende SPD-Politiker aus der Region mit Ilona Steger und Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Hans-Dieter Segschneider. Am Tisch sitzen der Bundestagsabgeordnete Edgar Franke, der Landtagsabgeordnete und Chef der Kreistagsfraktion, Reinhard Kahl, sowie Landrat Reinhard Kubat. Es geht um Zahlen, so viel verrät der Bundestagsabgeordnete Edgar Franke später. Doch Details zu den wirtschaftlichen Rahmendaten sollen nicht öffentlich werden. „Wir sind im Wettbewerb mit niedergelassenen Ärzten“, erklärt Segschneider. Aus diesem Grund werde er keine konkreten Zahlen nennen. Auf wiederholte Nachfrage verrät der Krankenhaus-Chef nur so viel: „Das Medizinische Versorgungszentrum refinanziert sich.“ Aber mit welchen medizinischen Angeboten versorgt denn dieses Zentrum die Menschen im Frankenberger Land? „Wir müssen endlich mit dem Vorurteil aufräumen, das hier sei eine Schönheitsklinik“, sagt Landrat Kubat. Ilona Steger ergänzt: Nur 5 bis 7 Prozent der Patienten würden ästhetische Eingriffe vornehmen lassen.

Zu der Infomappe und den Flyern im Eingangsbereich erklärt Steger: „Die sind veraltet, genau wie die Homepage.“ Auch im Internet firmiert die Klinik weiterhin als „Privatklinik Aesthetik Med GbR Dres. med. Ilona Steger und Ralph Luderer“. Geschäftsführer Segschneider hat dafür eine zusätzliche Erklärung parat: Die Patienten in diesem Bereich seien „sehr empfindlich“. Deshalb gebe es aktuell Überlegungen, den Bereich der ästhetischem Medizin aus dem MVZ auszugliedern und eine weitere Tochtergesellschaft zu gründen.

Offenbar soll der Verkauf der Privatklinik an den Landkreis gegenüber den überregionalen Schönheits-Kunden also verschleiert werden. Doch die damit verbundenen Schönheitsfehler in der Kommunikation sorgen dafür, dass die Öffentlichkeit in Waldeck-Frankenberg irritiert ist: Was passiert denn jetzt in dieser schicken Immobilie im Bockental wirklich? Und wem gehört sie? Das Kreiskrankenhaus hat die Privatklinik für 1,19 Millionen Euro gekauft und die MVZ gGmbH gegründet. MVZ steht für Medizinisches Versorgungszentrum. Zusätzlich kaufte das Krankenhaus die Vertragsarztsitze der beiden Ex-Inhaber Dr. Ilona Steger und Dr. Ralph Luderer für 260 000 Euro. Beide sind jetzt im MVZ angestellt, Steger als ärztliche Leiterin. Laut ihren Angaben werden pro Jahr ungefähr 7000 Patienten in dem Haus behandelt. Der Schwerpunkt seien ambulante Behandlungen, die Palette der medizinischen Versorgung reiche von Venen-Diagnostik über Fuß-Chirurgie bis hin zur Behandlung von Erkrankungen der Lymphgefäße.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 13. Januar

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