"stark bewegt" an Grundschulen

Mit "Schokofluss" zum Team werden

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Die kombinierte Klasse aus Erstklässlern und Zweitklässlern der Ernsthäuser Grundschule macht beim Projekt „stark bewegt“ mit. Mit gegenseitiger Unterstützung und „Keksplatten“ ausgerüstet, müssen die Kinder einen reißenden „Schokofluss“ meistern.

Burgwald-Ernsthausen - Soziale Kompetenzen, die Kindern durch die Veränderung der Gesellschaft verloren gehen, will der Landkreis mit dem Projekt "stark bewegt" in die Schulen bringen. Spielerisch lernen die Schüler im Team zu arbeiten und Konflikte zu lösen.

„Ich finde es schlecht, dass mich keiner gefragt hat“, sagt einer der Erstklässler. Er sitzt mit seinen Klassenkameraden im Kreis auf der sonnigen Wiese. „Ich fand es gut, dass mir die anderen geholfen haben“, lobt seine Mitschülerin. Die Klasse hat gerade ein Teamspiel hinter sich - sie sollten über einen Schokofluss kommen. Dafür haben sie nur „Kekse“ als Hilfsmittel. Mit diesen Keksen aus PVC sollen sie sich Steine bauen, um über den Fluss zu kommen. Allerdings muss ein Keks immer mit der Hand oder dem Fuß berührt werden - sonst ist er weg.

Zum Start bekam jedes Kind einen solchen Keks. Schnell fiel ihnen auf, dass sie alleine nicht über den Fluss kommen. Weil aber die Abstimmung nicht geklappt hat, haben die Kinder das Spiel verloren. Jetzt sitzen sie zusammen und sprechen darüber, warum sie die Aufgabe nicht geschafft haben. Ihre Lehrerinnen lenken das Gespräch nur - die Kinder sollen selbst darauf kommen, wie sie die Aufgabe lösen können und zusammen haben sie die Idee entwickelt, dass es nur gemeinsam geht - und wollen es unbedingt nochmal versuchen.

In Zweierteams soll es diesmal klappen: Die meisten Kinder schaffen es über den reißenden Schokostrom. Sie springen zu zweit auf einen Keks und legen den zweiten auf den Boden vor sich - und klettern zu zweit weiter auf den nächsten Keks. So manches Mal vergisst allerdings eines der Kinder, den ersten Keks festzuhalten und springt auf den zweiten. Plötzlich steht ein Team weit entfernt vom rettenden Ufer auf nur einem Keks - und kommt nicht mehr voran.

Felix ist schon auf der anderen Seite. Er schnappt sich dennoch ein paar PVC-Platten und hüpft zurück, um den beiden Kindern zu helfen. Und dann macht sich die Kleinste auch noch mal auf den Weg: Lucy klemmt sich zwei Platten unter die Arme und nimmt zwei weitere, um wieder an den Startpunkt zu kommen. Da sitzen nämlich Philipp und Aaron.

Sie sind in den Fluss gefallen und mussten zurück. „Wir sitzen hier und warten bis uns jemand holt. Aber das schaffen sie schon“, sind die beiden zuversichtlich - und da naht auch schon Lucy zur Rettung. Angefeuert von den Mitschülern, die Ratschläge zurufen. „Wir helfen uns gegenseitig. Das Spiel macht richtig Spaß“, sagt Felix.

Beim zweiten Versuch haben die Kinder also verstanden, wie sie das Spiel schaffen: Nur gemeinsam geht es. Und so gibt es beim Gespräch nach dem zweiten Spiel auch viel mehr positive Worte: „Toll, dass ich helfen konnte“, findet Lucy.

Das Spiel gehört zu dem landkreisweiten Projekt „stark bewegt“, das vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Andreas Greif vom Jugendbildungswerk des Landkreises und Matthias Schäfer vom Fachdienst Sport bilden seit Januar Lehrer, Eltern und Übungsleiter aus Vereinen aus. Sie sollen mit Schulklassen verschiedene Übungen - wie die mit dem Schokofluss - machen können. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt laut Greif aber nicht auf den pädagogischen Spielen, sondern auf die Gesprächsführung nach den Spielen - darauf, die Ergebnisse zu reflektieren und die Kinder überlegen zu lassen, was sie richtig oder falsch gemacht haben und wie sie das Gelernte im Alltag anwenden können.

Durch die Veränderung der Gesellschaft würden viele Kinder in der Familie keine Teamfähigkeit, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit lernen. Das Projekt „stark bewegt“ fördere diese Kompetenzen - und die Bewegung.

In verschiedenen Gruppen bilden Greif und Schäfer derzeit 45 Lehrer und 25 Eltern und Vereinsmitglieder zu „Teamern“ aus. Die „Teamer“ aus den Gruppen, die im Januar gestartet sind, seien bereits ausgebildet und üben jetzt mit den Klassen in der Praxis. Zunächst noch unter Aufsicht der beiden Ausbilder.

46 Schulen aus dem Landkreis sind an dem Projekt beteiligt. „Damit erreichen wir fast alle Kinder, die ab diesem Jahr in die Schule kommen“, sagt Schäfer. Jedes Jahr solle jedes Schulkind mindestens einmal an einem solchen Outdoor-Training mitmachen, damit sie das Gelernte auch wiederholen können.

„Wir haben eine sehr positive Rückmeldung aus den Grundschulen“, sagt Landrat Reinhard Kubat. „Wir haben schon Wartelisten für die Ausbildung der Trainer. Finanziert wird das Projekt durch den Landkreis, Hauptsponsor ist die Sparkasse.

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