Hainaer betreibt Marburgs erstes Hostel

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Alles fest im Griff hat der Jungunternehmer Ulrich Pfingst in seinem neu eröffneten Hostel im Obergeschoss des Marburger Bahnhofs. Der Hainaer hat dafür seinen Job aufgegeben und sich selbstständig gemacht. Foto: Frank Seumer

Haina (Kloster)/Marburg - Vom Großhandelskaufmann zum Gastronom: Ulrich Pfingst aus Haina hat Marburgs erstes Hostel eröffnet. Nach knapp zwei Monaten schmiedet er bereits Pläne für eine Erweiterung.

Das Konzept ist einfach, funktioniert aber mit Erfolg auf der ganzen Welt: Wer kurzfristig einen günstigen Platz zum Übernachten sucht, kann im Hostel schlafen. Anders als Jugendherbergen sind Hostels nicht auf große Gruppen wie Schulklassen ausgerichtet, sondern auf einzelne Reisende oder kleine Grüppchen, vor allem junge Menschen mit kleinem Geldbeutel. Auch eine Mitgliedschaft in einem Verband ist nicht nötig.

In Marburg gibt es nun auch eine solche Schlafmöglichkeit: Der Hainaer Ulrich Pfingst und sein Geschäftspartner Stephan Sammy Garbeje haben sich zusammengetan und betreiben seit dem 3. Oktober im Obergeschoss des Bahnhofs ein Hostel. Ulrich Pfingst hat nach fast 20 Jahren als Angestellter den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, nachdem er die Marktlücke in der Universitätsstadt entdeckt hatte. Der Hainaer war zuvor im Außendienst eines Lebensmittel-Großhandels tätig und betreute Hotels und andere Gastronomie-Betriebe. Darüber hat er auch seinen Geschäftspartner kennengelernt: Garbeje war sein Kunde.

Aber auch seine eigenen Erfahrungen spielten eine Rolle: „Ich war immer viel in Marburg unterwegs und dabei ist mir aufgefallen, dass es keine günstige Übernachtungsmöglichkeiten gab. Das geht erst ab 70 Euro los.“ Er selbst habe schon oft Hostels genutzt. „Ich fand das Konzept gut und dachte, dass so was in Marburg fehlt.“

Wohnungsbau-Gesellschaft finanzierte den Umbau

Die Kosten für die neue Nutzung der Räume im Bahnhof haben Pfingst und Garbeje nicht allein getragen: Den auf ein Hostel angepassten Umbau hat die Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH (GeWoBau) finanziert, die Vermieter der Immobilie ist. Die Einrichtung haben die Betreiber bezahlt. „Sonst wäre das für mich unmöglich gewesen“, betont Pfingst. Auf der Suche nach passenden Immobilien hatte sich der 36-Jährige auch bei privaten Vermietern rund um den Bahnhof umgeschaut - doch dort hätte er sein Raumkonzept nicht umsetzen können. „Die richtige Raumaufteilung ist in einem Hostel aber sehr wichtig.“

Die Idee ist etwa ein Jahr alt. Bevor er seinen Businessplan und das Konzept erstellte, fuhr Ulrich Pfingst in ganz Deutschland herum, besuchte verschiedene Hostels und holte sich praktische Tipps bei den Betreibern, um beispielsweise die Räume optimal auszulegen.

Pläne für zusätzliche Zimmer im nächsten Jahr

Seit März gab es ganz konkrete Pläne, im Juni unterzeichneten die Betreiber den Mietvertrag für den Bahnhof. „Da waren wir sehr euphorisch“, erinnert sich Pfingst. Aber die Bauarbeiten waren der Wahnsinn.“ Denn die knapp 180 Quadratmeter große Fläche war anfangs ein großer Raum, in den noch Wände eingezogen werden mussten. Der erste angepeilte Eröffnungstermin im August war nicht zu schaffen. Doch rechtzeitig vor dem Semesterbeginn war das Hostel bezugsbereit.

Seither läuft das Hostel nach Angaben des 36-Jährigen gut: Anfangs hätten vor allem Studenten die Räume genutzt, die zu Semesterbeginn noch keine Wohnung hatten. Aber auch Monteure nutzen das Hostel bereits. „Es spricht sich herum“, freut sich Pfingst. Wenn es so weiter gehe, gehe er ab Mitte nächsten Jahres von einer Auslastung von 80 Prozent aus.

Sollte es so laufen wie gewünscht, plant Ulrich Pfingst schon jetzt eine Erweiterung des Hostels in einem anderen Teil des Bahnhofes auf 50 Betten. Dann würde er einige Doppel- und Einzelzimmer einrichten.

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