Dodenau

Schubsen, Schlagen, Spucken: Gewalt-Spektakel Wrestling

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- Battenberg-Dodenau (jos). Derbe Beschimpfungen, animalische Laute und körperliche Gewalt in allen möglichen und unmöglichen Facetten wurden den Besuchern einer Wrestling-Veranstaltung am Samstag in Dodenau vorgeführt.

Harte Gitarrenriffs dröhnen aus den Lautsprecherboxen. Doch verglichen mit dem, was im Ring geschieht, klingt die lärmende Rockmusik so harmlos wie die Melodie zum Sandmännchen. Eine junge Frau posiert vor dem überwiegend jungen Publikum in der Dodenauer Mehrzweckhalle. Plötzlich fangen die Beschimpfungen an. Gesten wie der „Stinkefinger“ und Aufforderungen á la „Schnauze!“ sind noch die netteren Formen der Kommunikation zwischen der Schaukämpferin und dem Publikum.

Als die Frau in ihrem blauen Wrestling-Kostüm schließlich ihr Kaugummi auf die Jungs in der dritten Reihe spuckt, ist der ein oder andere Zuschauer dann doch für einen Moment etwas perplex. Doch offenbar fühlen sich die rund 200 Menschen nach wie vor bestens unterhalten.

Nachdem die Provokationen zwischen den Zuschauern und der Frau in blau ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht haben, steigt eine zweite Schaukämpferin in den Ring. Mit ihren wasserstoff-blond gefärbten Haaren, dick aufgetragener Schminke und gebräunter Haut behauptet sie, dass sie schön sei. Damit liegt sie ungefähr genauso richtig wie ein männlicher Schaukämpfer, der kurz darauf sagt, er sei der Sohn Gottes.

Um Körperkult geht es beim Wrestling allemal. Aber von Schönheit kann man wohl kaum sprechen, wenn sich zwei Frauen erst ohrfeigen, dann an den Haaren ziehen und schließlich in alle Köperregionen treten. Gekonnt mag der „Auftritt“ der Akteure durchaus sein. Doch bei aller „schauspielerischer Leistung“ wirkt diese Show schlicht und ergreifend gewaltverherrlichend und geschmacklos.

Die Akteure im Ring stöhnen und verziehen ihre Gesichter vor Schmerzen. Prinzipiell mag das gespielt sein. Doch die Holzbühne unter dem Ring kracht ziemlich heftig, wenn ein Körper mit Karacho darauf fliegt. Ohne Schmerzen kann so ein Kampf mit Sicherheit nicht abgehen.

Andy und Murat sind die nächsten Akteure, die sich einen Kampf liefern. Immer wieder werfen die beiden Kraftprotze ihre Körper durch die Luft so wie andere einen Handball auf die Tore in der Dodenauer Mehrzweckhalle. Liegt der eine Kämpfer am Boden, schmeißt der andere sich mit aller Gewalt auf ihn drauf. Der „Ringrichter“ zählt meistens nur bis zwei, dann geht es weiter. Zählt er bis drei, ist der Kampf vorbei. Ansonsten scheint es kaum Regeln zu geben.

Mehrere Stunden lang dauert die Show in der Dodenauer Mehrzweckhalle. Die Zuschauer feiern die Schaukämpfer wie Stars. Unter den Besuchern ist auch Bürgermeister Heinfried Horsel, Schirmherr des Gewalt-Spektakels.

Das Publikum ist zweigeteilt: Den einen sieht und merkt man an ihren Zwischrufen an, dass sie regelmäßig Wrestling-Veranstaltungen besuchen und nicht aus dem Frankenberger Land kommen. Bei den anderen handelt es sich um Kinder, die mit ihren Vätern hergekommen sind.

Mädchen und Frauen sind so gut wie keine im Publikum. Die kleinsten der Jungs dürften um die sechs Jahre alt sein, die meisten sind im Teenager-Alter. Dass Wrestling-Kämpfe im Fernsehen nur zu später Stunde gezeigt werden, wundert wenig und dürfte mit Jugendschutz zu tun haben.

Gewalt als Form von Unterhaltung gibt es seit Jahrhunderten. Gladiatoren-Kämpfe im alten Rom mit Wrestling im Jahr 2010 in Dodenau zu vergleichen scheint nur auf den ersten Blick weit hergeholt. Was den Menschen damals wie heute vor Augen geführt wurde, ist der unmenschliche Spaß am Schmerz anderer und die Freude darüber, selber von Qualen verschont zu bleiben.

Schubsen, Schlagen, Spucken: Schaukämpfe wie die am Samstag in Dodenau holen brutale Gewalt vom Computerspiel ins wahre Leben.

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