30 Jahre Mauerfall

Schüler der Frankenberger Edertalschule diskutieren: Ist die Teilung Geschichte?

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Für sie sind die Unterschiede zwischen Ost und West nicht mehr präsent: Der Geschichts-Leistungskurs der 12. Klasse an der Edertalschule mit Geschichtslehrer Burkhard Wick (rechts).

Vor 30 Jahren führte die friedliche Revolution in der DDR zum Mauerfall. Wir haben Schüler der Edertalschule getroffen und mit ihnen darüber geredet, wie stark die Unterschiede zwischen Ost und West heute noch spürbar sind.

„Die Einteilung in Ost und West ist bei uns nicht mehr präsent. Ich habe erst in der Schule davon erfahren, dass es zwei deutsche Staaten gab, vorher gab es für mich nur ein Deutschland“, sagt ein Schüler des Geschichts-Leistungskurses der Frankenberger Edertalschule. Die 12. Klasse spricht anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls im Geschichtsunterricht über die historischen Ereignisse des 9. November.

    „Die DDR ist für viele Schüler sehr weit weg, außer sie haben persönliche Kontaktpunkte durch Verwandte“, erklärt Geschichtslehrer Burkhard Wick.

Die „Einheits-Kinder“, die nach 1989 geboren wurden, sind in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. Der Mauerfall ist für sie Teil des Geschichtsunterrichts. Deutsche Schüler wissen nur wenig über die Geschichte der DDR, ist das Ergebnis einer Studie der Freien Universität Berlin von 2012. Rund 30 Prozent der befragten Schüler hielten die DDR nicht für eine Diktatur.

Die Schüler des Geschichts-Leistungskurses haben sich bereits auf verschiedene Weise mit der DDR auseinandergesetzt und kennen die Daten und Fakten. Vor Kurzem hat der 12. Jahrgang der Edertalschule eine Studienreise nach Berlin gemacht. Dort haben die Schüler unter anderem die East-Side-Gallery, die Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße und das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen besucht.

Von der ehemaligen deutschen Teilung und dem Mauerfall haben einige Schüler in der Schule erfahren, andere durch Erzählungen von Familienmitgliedern. „Mein Opa hat in der DDR gewohnt. Er hat uns erzählt, wie er von dort geflüchtet ist“, erzählt eine Schülerin. Auch eine andere Schülerin hat einen familiären Bezug zur DDR, ihre Mutter ist dort aufgewachsen. Sie habe erzählt, wie es war, in der DDR zur Schule zu gehen, und wie das Leben in der Nähe der polnischen Grenze war.

Wer kein Vorwissen durch die Familie hat, behandelt die deutsche Teilung in Hessen meist erst in der 9. oder 10. Klasse. Die DDR sollte im Unterricht intensiver behandelt werden, findet Wick. Das gelte jedoch auch für andere Themen. „Der Lehrplan ist immer ein Kompromiss.“

Generell sei die DDR ein Thema, zu dem die Schüler nicht sehr viel Vorwissen mitbrächten, sagt Wick. Daraus dürfe jedoch kein generelles Desinteresse geschlussfolgert werden. Die Unterschiede zwischen Ost und West würden von den Schülern nicht mehr wahrgenommen. „Sie sind nicht in einem geteilten Deutschland aufgewachsen und bekommen das nur über die Medien mit“, sagt Wick.

Die Schüler des Geschichts-Leistungskurses sind sich einig: „Zwischen dem Osten und dem Westen gibt es eigentlich keinen Unterschied mehr“, sagt eine Schülerin.

Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2015 ist die Generation der „Einheits-Kinder“ in dieser Hinsicht gespalten. Fast die Hälfte ist der Meinung, dass sich die Einstellungen im Osten und Westen Deutschlands immer noch unterscheiden.

Die gängigen Vorurteile sind den Schülern der Edertalschule bekannt: Im Osten gab es keine Bananen, auf einen Trabi musste man 18 Jahre warten und alles war heruntergekommener.

„Es gibt auch hier Städte, die heruntergekommen sind“, sagt eine Schülerin. Daher sei es mittlerweile überflüssig, zwischen Ost und West zu unterscheiden. Und sie glaube nicht, dass der Solidaritätszuschlag noch nötig sei. „Eigentlich sollte die Diskussion zu Ende sein,“ findet auch eine andere Schülerin. 

In den Medien werden aber immer noch Unterschiede thematisiert, stellten einige Schüler fest. Zum Beispiel werde in Nachrichtensendungen gesagt, dass die Menschen in Ostdeutschland weniger verdienten.

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