Todenhausen

Schüler zählen 271 Autos in einer Stunde

- Wetter-Todenhausen (r). Gesamtschüler aus Battenberg haben sich hautnah über die Verkehrsbelastung an der Bundesstraße 252 informiert.

Ob Twiste, Berndorf, Itter, Bottendorf, Ernstausen oder die Kommunen von Münchhausen bis Lahntal-Göttingen: Die Anwohner klagen über die enorme Verkehrsbelastung an der Bundesstraße 252. Endlos ziehen Blechkolonnen durch die Dörfer, Lastwagen lassen das Porzellan im Schrank klirren, Abgase liegen in der Luft, Hausfassaden sind verrust. Wiederholt haben Anwohner in den vorigen Wochen gegen Lärm, Dreck und Gestank demonstriert. Schüler der Klasse G9a an der Battenberger Gesamtschule haben sich bei einem Unterrichtsprojekt im Hugenottendorf Todenhausen umgeschaut und Anwohner befragt. Ihr Ergebnis: „Die Medienberichte sind noch untertrieben.“

Ordentlich durchgefroren kehrten die Schüler am Freitagmorgen in ihr „Basislager“ zurück: das Dorfgemeinschaftshaus. In zehn Dreiergruppen waren sie durch das Dorf gezogen, um Einwohner und Autofahrer zur Lage im Dorf zu befragen und eine eigene kurze Verkehrszählung vorzunehmen. in dem von 12.800 Fahrzeugen täglich durchfahrenen

Die Erwartungen, die die Jugendlichen mit Blick auf die Belastungen gehabt hatten, wurden durch die Erfahrungen bei diesem Unterrichtsprojekt übertroffen. Das machten die kurzen Zusammenfassungen der Ergebnisse deutlich, die die Jugendlichen nach der Erkundungsphase vortrugen.

„Ich finde eher untertrieben, was in den Medien berichtet wurde, nach dem, was wir hier erlebt haben, es war ja nicht mal Feierabendverkehr“, sagte ein Junge. „Wenn man selber durchfährt, merkt man es nicht so, aber wenn man hier auf der Straße steht, erkennt man, wie laut es ist,“ ergänzte ein Mädchen. „Wenn man in der Zeitung vom Stau liest, kann man sich gar nicht richtig vorstellen, wie schlimm das ist.“

Gut nachvollziehen konnten die Schüler auch die Berichte von Einwohnern über die Gefahren, die von dem Verkehr vor allem für Kinder ausgehen,. „Ich will nicht nochmal über die Straße gehen, ich bin eben fast überfahren worden“, hatte bereits draußen Anika zu ihren Mitschülerinnen gesagt, die ihr zustimmten. An der Fußgängerampel hatte sie bei Grün die Straße betreten, ein rasch herannahendes Auto hatte gerade noch gestoppt – schon hinter der Haltelinie und knapp vor ihr.

In den Interviews hatten mehrere Anwohner den Schülern erzählt, dass sie nachts nicht schlafen könnten. Besonders schlimm sei es sonntags, hatte ein 60-jähriger Landwirt gesagt, weil ab 22 Uhr die Lastwagen durchfahren. 271 Autos und 53 Lastwagen zählten die Schüler an diesem Vormittag in einer halben Stunde.

Herbert Allié, der in Todenhausen Landmaschinen verkauft und repariert, berichtete den drei Jugendlichen, die ihn befragten, dass er für manche Kunden die Fußgängerampel drücken müsse, damit sie sich trauten, mit ihrem Trecker auf die Hauptstraße auszufahren. Zwar kämen mittlerweile während der „Herbstputz“-Aktionen keine Kunden mehr zu ihm, aber dennoch erklärte er:

„Es muss auf alle Fälle etwas passieren. Die Planungen kosten einen Haufen Geld und werden dann immer wieder verworfen. Schreibt dem Minister, dass die Todenhäuser kurz vorm Verzweifeln sind“, bat er die Schüler.

Zunächst einmal werden diese ihre Ergebnisse im Unterricht aufarbeiten und zusammenfassen. Diese wollen sie auch Ortsvorsteher Ralf Funk zukommen lassen, der die Jugendlichen gemeinsam mit Helmut Naumann, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße, im DGH begrüßt und ihnen kurz die 40-jährige Vorgeschichte der Planungen geschildert hatte – auch die neuerliche Verschiebung aufgrund veränderter Naturschutzregelungen der EU im vergangen Jahr. Dies hatte zum Beginn der „Herbstputz“-Aktionen am 22. Oktober geführt, mit denen mittlerweile fünf Dörfer entlang der B 252 freitags für Staus und mittlerweile bundesweite Medienberichte sorgen.

Lehrer Thomas Krane, der jeden Tag auf dem Weg nach Battenberg durch Todenhausen fährt, hatte die Idee, die Initiative im Politikunterricht zu behandeln. Die Schüler sollten dabei der Frage nachgehen: „Was machen Bürger, wenn sie glauben, der Staat lässt sie im Stich“, erläuterte Krane.

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