Verein zahlt acht Euro Kreisumlage nicht, weil er sie für unrechtmäßig hält

Schützenkreis setzt den SV Berghofen vor die Tür

Battenberg-Berghofen - Dem Schützenverein Berghofen droht der Ausschluss aus dem Hessischen Schützenverband. Einen entsprechenden Beschluss fassten am Freitagabend die Vertreter der Frankenberger Vereine beim Kreisschützentag im Vereinslokal des SV Allendorf/Hardtberg.

Das Tischtuch ist zerschnitten – nicht nur zwischen den Berghofener Schützen und dem Vorstand des Kreisgremiums. Auch die allermeisten Vereine im Schützenkreis Frankenberg scheinen das Gebaren des kleinsten heimischen Schützenvereins satt zu haben. Das machte zum einen die Abstimmung deutlich, mit der am Freitag beim Treffen der Delegierten die Diskussion um den Antrag von Reiner Etzel endete. Der SV Berghofen möge aus dem Schützenkreis 24 ausgeschlossen werden, wenn er weiterhin die Kreisumlage nicht zahle, so der Antrag Etzels. Neben dem betroffenen Verein, der einen Stimmberechtigten stellen darf, gab es nur einen Delegierten, der beim „Nein“ die Hand hob. Der Rest stimmte dem Antrag zu und freundete sich damit an, eine der unpopulärsten Entscheidungen in der Geschichte des Schützenkreises zu fällen. Rund zwei Jahre besteht mittlerweile eine große Meinungsverschiedenheit zwischen dem Vorstand des Berghofener Schützenvereins und dem Kreisvorstand. Die Gemüter entzündeten sich an der Erhebung der Kreisumlage – 50 Cent pro Mitglied zahlt jeder Schützenverein aus dem Kreis Frankenberg jährlich in die Kreiskasse. Im Falle Berghofen – der im Jahr 2000 gegründete Verein, der noch nicht aktiv an sportlichen Wettbewerben teilnahm, zählt derzeit 16 Mitglieder – sind dies acht Euro bzw. 16 Euro, die er dem Kreis seit zwei Jahren schuldet. Damit verstoße er gegen die Satzung und behindere den Kreis bei der Arbeit um die Belange des Sports, so die Begründung im Antrag des Schmittlotheimers Etzel, der auch stellvertretender Kreissportleiter ist. Den Berghofenern scheint es aber nicht um die acht Euro zu gehen, sondern vielmehr um die rechtliche Grundlage für eine Kreisumlage, deren Entstehung Ehrenkreisschützenmeister Helmut Engel zuvor erläutert hatte. Darauf ging Horst Wolf ein, der schon vor knapp zwei Jahren erstmals diese Meinung vertrat, aber unter den meisten anderen Vereinsvertretern keinen Fürsprecher fand. Schon damals habe er gefordert, zu klären, ob die Umlage satzungsgemäß ist. Dies sei nicht getan worden, monierte Wolf, der Unverständnis über den Antrag äußerte. „Umlage nicht notwendig“ „Diese Umlage ist nicht notwendig, weil der Schützenkreis nachweislich genug Geld hat“, sagte Wolf. Der Berghofener machte deutlich, dass sein Verein die Finanzierung von Festen nicht zu den Aufgaben des Kreises zähle und dass ohnehin der entgangene Betrag durch Mitglieder, die von heimischen Vereinen nicht dem Verband gemeldet werden, größer sei als der des SV Berghofen. Die meisten anderen Schützenvereine schienen das nicht so zu sehen; zumindest – das war einigen Wortmeldungen zu entnehmen – sind sie der Auffassung, dass sich alle – ob dafür oder dagegen – an geltende Beschlüsse zu halten haben. Einzelne Delegierte fühlten sich durch die Wortwahl und einzelne Anschuldigungen der Berghofener auch persönlich beleidigt. Das Ergebnis – ein mit nur zwei Gegenstimmen angenommener Antrag – überraschte deshalb wenig, zumal der SV Berghofen keine Bereitschaft zeigte, noch einzulenken.Er hat nun 14 Tage Zeit, die den Umlagebetrag für die fehlenden zwei Jahre zu zahlen. Erfolgt dies nicht, richtet der Schützenkreis Frankenberg einen entsprechenden Antrag auf Ausschluss an den Hessischen Schützenverband (HSV). Dessen Gremien entscheiden dann, ob Berghofen aus dem HSV ausgeschlossen wird, also zum Beispiel nicht mehr am sportlichen Betrieb teilnehmen oder unter Umständen auch interne Veranstaltungen wie Königsschießen austragen darf. Konsequenzen könnte der Ausschluss auch für einzelne Mitglieder haben, die eventuell ihre Berechtigung verlieren, Sportwaffen zu besitzen.

Hintergrund:

1973 wurde im Schützenkreis Frankenberg, der in weiten Teilen den Grenzen des Altkreises Frankenberg entspricht, eine so genannte Kreisumlage eingeführt, vom Kreisschützentag verabschiedet – zwei Mark pro Mitglied musste jeder Verein einmal im Jahr zahlen. Die Satzung, laut der der Schützenkreis die Organisation und Abwicklung des sportlichen Betriebes (Ligawettkämpfe, Meisterschaften etc) zur Aufgabe hat, erlaubt die Erhebung dieser Sonderabgabe zur Deckung des Finanzbedarfs, auch andere Sportverbände und politische Gremien wie auch der Landkreis erheben eine Umlage. 1995 hatte der damalige Kreisschützenmeister Helmut Engel beantragt, aufgrund der guten Finanzlage im Schützenkreis die Umlage zunächst für ein Jahr auszusetzen. Die Delegierten lehnten dies ab, beschlossen stattdessen eine Halbierung der Umlage auf eine Mark, was nach der Euro-Umstellung auf 50 Cent angepasst wurde. Dieser Betrag gilt bis heute.Verändert hat sich seitdem die Bankpraxis. Der Hessische Schützenverband hat vor sechs Jahren alle Kreise verpflichtet, ihr Konto bei der Sparkasse zu führen, damit der Verband besser regelmäßig Einblick erhält. Denn unter anderem dürfen die Kreise nur noch über finanzielle Mittel von 900 Euro verfügen. Im Kreis Frankenberg reagierte man darauf mit der Gründung eines Fördervereins, der weitere Gelder des Schützenkreises seitdem verwaltet, damit das große breitensportliche Engagement und die weithin gelobte Jugendarbeit weiter geleistet werden können.

Von Dirk Schäfer

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