Historische Stadtführung durch Frankenberg

Schwankend in die alte Zeit

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Die rote Barbara muss brennen: Es ist eine der bekanntesten Szenen der Frankenberger Geschichte, mit der die Komödie die Wanderung durch die historische Altstadt beginnt.

Frankenberg - Frankenberg ist klein und doch reich an Geschichte. Die Stadtführer wissen vieles aus den vergangenen Jahrhunderten zu berichten - und mithilfe der Komödie Frankenberg erwachen jetzt prägende Szenen zum Leben.

Verzweifelt wehrt sich die rote Barbara. Doch gegen die starken Hände ihrer Häscher kommt sie nicht an. Die Anklage wird verlesen: Hexerei, Alchemie, Mord. Unter Folter gibt sie alles zu - und der Frankenberger Pöbel registriert jedes Wort ganz genau. Barbara muss brennen!

Es ist eine der bekanntesten Szenen der Frankenberger Geschichte: Die heimischen Stadtführer wissen sie eindrucksvoll zu schildern, wenn sie Touristen am Hexenturm, dem ehemaligen Stadtmauerturm am Friedhof, vorbeiführen. Jetzt aber erwacht die bedrückende Szene nicht nur vor dem inneren Auge der Zuhörer zum Leben, sondern wird Realität. Zumindest fast: Ins Feuer muss die rote Barbara alias Julia Balz zu ihrem Glück nicht.

Die Komödie Frankenberg widmet sich in ihrem neuen Projekt zum zweiten Mal der Geschichte ihrer Heimatstadt. Nach „Die Bürger von Frankenberg“ im Jahre 2009 auf dem Burgberg spielen die Laiendarsteller erneut Szenen aus 750 Jahren Frankenberger Historie. Naturgemäß ergibt sich dabei keine konsistente Geschichte: Die Frankenberger wollen Barbara verbrennen, die Frankenberger wollen ihren Amtmann hängen, die Frankenberger erfahren von ihren neuen Rechten - die vielmehr Pflichten sind: Es sind Schlaglichter, die die bewährte Truppe unter der Regie von Harald Hörl vor den Wahrzeichen der Ederstadt auf die Straße bringt.

Die Rahmenhandlung ist daher fiktiv und höchst unterhaltsam: Dem roten - oder eher blauen - Faden bietet der Nachtwächter. Wo auch immer die geführte Gruppe mit Stadtführer auftaucht, lehnt der Wächter bereits an einer Wand oder sitzt auf einer Stufe und kann sich nur schwer von der Flasche losreißen, um vom Leben in Frankenberg zu berichten. Sowohl bei den Stadtführern, als auch bei den Darstellern wechseln die Akteure: Bei der inoffiziellen Premiere am Montag übernahm Helmi Baltz die Stadtführung, Karl-Heinz Balz spielte den Nachtwächter.

Er glänzt in dieser Rolle. Er spielt seinen Nachtwächter so sturzbesoffen, dass man sich nur wünschen kann, die wahren Wächter waren dazumal etwas mehr ihrer Arbeit und etwas weniger dem Wein zugetan. Balz wankt durch die Straßen, pöbelt auch mal das Publikum an, wirft mit launischen Kommentaren um sich und fährt dabei eine Mimik auf, als habe er sich für die Rolle tatsächlich eine Leberzirrhose angetrunken.

Das ist das Besondere: Publikum und Darsteller trennen nur wenige Meter. Die Schminke ist dünn aufgetragen, die Mimik zählt. Die Texte sind zwar deutlich kürzer als bei den Stücken der Komödie üblich, dafür müssen die Emotionen sitzen. Und das tun sie.

Die bekannte Riege - teils in ebenso bekannten Charakeren - wird bei diesen Aufführungen nicht nur von den Stadtführern, sondern auch von den Landfrauen unterstützt. Die geben nicht nur hervorragende mittelalterliche Zeter-Weiber, sondern sorgen auch für das Happy End: In der Schirn erwartet die Gäste eine Frankenberger Jause.

von Malte Glotz

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