Schweinepreise sind im Keller

Immer mehr Sauenhalter in Waldeck-Frankenberg sehen Existenz ihres Betriebes bedroht

Ferkel im Stall von Familie Monstadt auf dem Gershäuser Hof bei Bad Wildungen-Braunau.
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Ferkel im Stall von Familie Monstadt auf dem Gershäuser Hof bei Bad Wildungen-Braunau.

Die Schweinepreise sind im Sinkflug. Immer mehr Sauenhalter in Waldeck-Frankenberg geben auf.

Waldeck-Frankenberg – Schweinehalter schlagen Alarm: Der Preis pro Kilo Schweinefleisch ist seit Jahresanfang von knapp 2 Euro auf aktuell 1,20 Euro gefallen. Betroffen sind insbesondere Ferkelerzeuger, die nach Auskunft von Heiko Kieweg vom Kreisbauernverband Waldeck derzeit bei jedem verkauften Tier mehr als 20 Euro Verlust einfahren. Viele fürchteten daher um die Existenz ihres Betriebes, sagt der Vorsitzende.

Grund für den Preisverfall sei ein Überangebot an Schlachtschweinen, erklärt Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg. „Wegen der Corona-Krise ist der Außer-Haus-Verbrauch in Gastronomie und Kantinen zurückgegangen“, sagt der Geschäftsführer. Zudem sei die Grillsaison in diesem Jahr ins Wasser gefallen und der Fleischkonsum sei generell leicht rückläufig. Auch die Afrikanische Schweinepest spiele eine Rolle: „Die Abnehmerländer für Teile, die hier niemand isst, wie Füße, Köpfe und Schweinebauch, haben den Import wegen der Afrikanischen Schweinepest gestoppt“, sagt Eckel. Heiko Kieweg kritisiert in dem Zusammenhang auch die Politik: „Nach mehr als einem Jahr ist es nicht gelungen, ein tragfähiges Konzept zur Bekämpfung der Schweinepest in Ostdeutschland zu etablieren, geschweige denn ein gemeinsames Vorgehen mit dem Nachbarland Polen voranzutreiben“, sagt er.

Zu den schwierigen Marktverhältnissen kämen in diesem Jahr noch stark gestiegene Kosten in der Erzeugung hinzu, so Kieweg weiter. „30 Prozent höhere Futterkosten, höhere Gaspreise, Strom und Wasserkosten verteuern die Produktion. Außerdem machen unseren Betrieben steigende Auflagen zu schaffen, die in anderen EU-Ländern nicht gelten.“ Auch Matthias Eckel verweist auf immer komplexer werdende rechtliche Vorgaben im Bereich des Tierwohls. „Meist sind sie mit Umbauten verbunden. Für diese Umbauten fehlt den Betrieben aber das Geld.“

Für den Verbraucher sei der Preis für Schweinefleisch allerdings nicht gefallen, er liege immer noch bei zirka 8,50 Euro pro Kilo, sagt Eckel. „Der Handel nutzt die Preisschwäche gnadenlos aus und macht sich die Taschen voll“, kritisiert er.

„Wichtig wäre für uns, dass sich Gastronomie und Handel zu fünfmal ,D’ bekennen. Das heißt: geboren, gemästet, geschlachtet, zerlegt und verarbeitet in Deutschland“, fordert der Geschäftsführer.

Zahl der Betrieb nimmt drastisch ab

Im Landkreis gibt es nach Auskunft von Heiko Kieweg noch zirka 30 Betriebe, die Schweinehaltung im Vollerwerb betreiben. Derzeit fragten sich einige, ob sie lieber sofort aufhören oder weitermachen sollten. „Bei zwei Betrieben ist die Entscheidung gefallen, sie stellen die Schweinehaltung ein“, so Kieweg. Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge, gab es bei den Sauenhaltern in Deutschland zwischen 2010 und 2021 einen Rückgang um 58,4 Prozent. lea/ sub

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