Schauspieler Mario Adorf las aus Memoiren

Schwere Kindheit, erfolgreiches Leben

Im Gespräch: Christiane Kohl, Journalistin und Mitveranstalterin des Literaturfestivals, befragte den Schauspieler Mario Adorf zu seinem Leben. Foto: Katharina Jaeger

Frankenberg. Als wahrer Glücksgriff zum Finale des Literarischen Frühlings erwies sich die Lesung mit Mario Adorf und Auszügen aus seinen Memoiren „Unordentliche Erinnerungen“.

Weit über 100 Gäste genossen zunächst den Brunch im Hotel Die Sonne Frankenberg, bevor ein Potpourri mit kurzen Filmausschnitten den bekannten Schauspieler in seinen erfolgreichsten Rollen zeigte. Danach erklomm der Autor zusammen mit Christiane Kohl das Podium. „Die Geschichte eines großen Schauspielers beginnt wie alles im Kleinen“, erklärte die Journalistin und Moderatorin zur Eröffnung ihres Gesprächs.

Ausgrenzung erlebt

In Mario Adorfs Fall war dies die Kindheit in einem Mayener Kinderheim, in dem ihn seine ledige Mutter unterbringen musste, um selber arbeiten zu gehen. Noch sehr genau sind bittere Erinnerungen an grausame Streiche und an die Ausgrenzung durch die selbstgerechten Mitbürger („Da kommt der Bankert von der Alice“), aber auch an die geliebten, wenn auch zu kleinen Schaftstiefel und die wunderbare rotbraune Ledertasche zum Schuleintritt, ein Geschenk der Mutter, das ihn bis zum Abitur begleitete.

Die ersten Studienjahre in Mainz waren nur mit Galgenhumor zu ertragen, denn das Hauptfach hieß eigentlich „Hungerbekämpfung“. Dann aber entstanden bereits erste Kontakte zum Theater, denen ein Ortswechsel nach Zürich und schließlich die Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München folgten.

Mit viel Witz erzählte Adorf, wie er die Hauptrolle in dem viel gelobten Streifen „Nachts, wenn der Teufel kam“ aus dem Jahr 1957 ergatterte, verhehlte jedoch nicht seinen Ärger darüber, dass eine entscheidende Szene mit der Entlarvung der SS-Schergen als den wahren Teufeln herausgeschnitten wurde.

Romy Schneider und Faust

Ein ganzes Kapitel widmete Mario Adorf seiner Bekanntschaft mit Romy Schneider, ihrem unruhigen privaten Leben mit Alain Delon und ihrer Sehnsucht nach Anerkennung als Bühnenschauspielerin. Nach einer ausschweifenden Nacht in Rom habe sie ihm im Morgengrauen plötzlich das sehnsüchtige Liebeslied Gretchens aus Goethes Faust deklamiert, sodass ihm vor Rührung die Tränen in die Augen stiegen, erzählte er.

Im spanischen Almería lernte Adorf Brigitte Bardot kennen, dazu ihre Freundin Monique Faye, die später seine Frau wurde.

Welche von seinen vielen Rollen ihm denn am meisten Spaß gemacht habe, wollte Christiane Kohl wissen. Das seien einige, aber nicht unbedingt die bekanntesten, war die Antwort, dann nannte er aber doch die des skrupellosen Großindustriellen Heinrich Haffenloher in „Kir Royal“.

Von Marise Monica

Quelle: HNA

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