Diskussion um Preispolitik: „Jahreskarte“ für Frankenberger Bad kostet 575 Euro mehr als in Battenberg

Schwimmen als Frage des Geldbeutels

„An Tagen wie diesen“, wenn auch Kinder und Jugendliche das Frankenberger Schwimmbad besuchen, sieht die Bilanz einigermaßen erträglich aus. Doch es gibt zu viele Tage, an denen nur die „Vielschwimmer“ morgens ihre Bahnen ziehen. Die Konsequenz ist ein jä

Frankenberg - „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer“, heißt es in einem Lied der Ärzte. Auch EGF-Geschäftsführer Schleiter stellt sich in diesem Jahr mal wieder diese Frage - seit der Eröffnung des Freibades an Pfingsten gab es noch keinen richtig tollen „Freibad“-Tag. Die Vielschwimmer stört der bislang mäßige Sommer jedoch weniger als die Preispolitik.

Gaby Winter ist Vielschwimmerin. In den vergangenen drei Jahren besuchte die Frankenbergerin fast täglich das Bad, um ihre Bahnen zu ziehen: sowohl im Winter im Hallen- als auch im Sommer im Freibad. Und eigentlich ist sie von den beiden Einrichtungen auch überzeugt. „Das Personal ist freundlich, und vor allem das Hallenbad ist so picobello sauber, dass man dort vom Fußboden essen könnte.“

735 Euro Eintritt im Jahr

Dennoch will sie ihrem Hobby fortan im Schwimmbad in Battenberg nachgehen. Der Grund: die Preispolitik der Stadtwerke. „Wer täglich in Frankenberg schwimmen will, bezahlt ein Vielfaches dessen, was es in Battenberg kostet.“ Nicht nur sie, sondern etliche Vielschwimmer hätten nach jahrelangen Diskussionen mit dem Betreiber ihre Konsequenzen gezogen. „Es werden sogar Fahrgemeinschaften nach Battenberg gebildet.“ Ihre Kritik kann Gaby Winter mit Zahlen belegen: Erwachsene bezahlen für den Besuch des Frankenberger Bades drei Euro. Jahreskarten werden nicht angeboten, stattdessen sogenannte Geldwertkarten. Die größte, die 105 Euro kostet, berechtigt zu 45 Eintritten. Sie hat also einen Wert von 135 Euro. An rund 320 Tagen im Jahr hat das Bad geöffnet. Um an 315 Tagen schwimmen zu gehen, benötigt ein Vielschwimmer exakt sieben Geldwertkarten zum Preis von je 105 Euro. „735 Euro pro Jahr sind viel Geld“, sagt Gaby Winter. „Viele können sich das tägliche Schwimmer nicht leisten.“ Zum Vergleich die Battenberger Preise: Der einmalige Eintritt kostet 3,60 Euro im Hallen- und drei Euro im Freibad. Eine Jahreskarte für Hallen- und Freibad ist für 160 Euro zu erwerben. „Eine Differenz von 575 Euro, das ist unglaublich und auch nicht zu begründen“, sagt Winter und verweist auf die „Battenberger“ Angebote für Ehepaare: Die Jahreskarte für zwei Erwachsene kostet 260 Euro, in Frankenberg müssen Ehepaare 1470 Euro bezahlen. „Und mich wundert es auch nicht, dass kaum noch Familien regelmäßig ins Frankenberger Schwimmbad gehen. Das ist einfach unbezahlbar.“ In Battenberg bezahlt ein Jugendlicher für eine Jahreskarte exakt 80 Euro, in Frankenberg muss er eine Geldwertkarte erwerben.

Ab Juli neue Wertkarten

Die Kritik an den Preisen ist Karl-Heinz Schleiter nicht neu. Der Geschäftsführer der Energie-Gesellschaft Frankenberg verantwortet auch die Stadtwerke, die Betreiber der Frankenberger Bäder sind. „Es tut sich etwas“, sagt er auf Anfrage von WLZ-FZ. In der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrats sei mit Bürgermeister Rüdiger Heß eine neue Staffelung der Wertkarten vereinbart worden. Ab Anfang Juli, also nächster Woche, werde es auch „größere“ Karten geben, unter anderem eine für 280 Euro, die einen Wert von 400 Euro hat. Damit werde auf die Bedürfnisse der Vielschwimmer reagiert, betont Schleiter.

Gaby Winter lässt sich von den neuen Tarifen allerdings nicht umstimmen. „Ein Schnäppchen ist das immer noch nicht.“ Sie hat nachgerechnet und ist zum Ergebnis gekommen, dass sie bei den neuen Preisen noch 691 Euro pro Jahr zahlen muss. „Eine Ersparnis von 44 Euro, das ist doch nicht der Rede wert.“

Defizit von 800 000 Euro

Dass die Stadt als Eigentümerin der Stadtwerke die Vielschwimmer auch mit den neuen Tarifen nicht restlos zufriedenstellen wird, dessen ist sich Schleiter durchaus bewusst. Er sieht jedoch keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Denn die Einnahmen werden dringend benötigt. Das jährliche Defizit der beiden Frankenberger Bäder beträgt schon jetzt 800 000 bis 850 000 Euro. „Bäder sind einfach geborene Verlustbetriebe.“ Die Fixkosten seien kaum veränderbar, sagt er und verweist auf die Kostenblöcke Energie, Personal und Abschreibung. „In Sachen Energie haben wir einiges gemacht, um die Ausgaben zu reduzieren.“ Doch unter dem Strich bleibe das Minus.

Kostendeckung unmöglich

Auf der Einnahmenseite sind nur die Eintritte zu verbuchen. Diese Erlöse sind zudem stark schwankend. „Wir sind vom Wetter abhängig.“ 2010 besuchten 61 000 Schwimmer das Freibad, im vergangenen Jahr wurden 47 000 Gäste gezählt. „Und für dieses Jahr sieht es wieder schlecht aus.“ Seit der Eröffnung des Bades an Pfingsten habe es noch keinen „Spitzentag“ gegeben. Mehr als 200, 300 Gäste seien an keinem Tag gezählt worden. „So ist eine Kostendeckung nicht zu erreichen.“

Wobei die bei der Kalkulation der Eintrittspreise auch nicht der Maßstab sei, betont Schleiter. „Wir orientieren uns am Marktpreis“, sagt der Geschäftsführer. In Korbach, einem Bad mit Rutsche, kostet die Einzelkarte 3,60 Euro, in Marburg, „wo auch für Kinder viel geboten wird“, kostet der Eintritt sechs Euro. „Es gibt einfach attraktivere Bäder als das in Frankenberg“, weiß der Geschäftsführer, wobei ein Erlebnisbad aufgrund der Konkurrenz in der Region auch politisch nicht gewollt gewesen sei, erinnert er an die Diskussionen vor fünf, sechs Jahren innerhalb der Stadtverordnetenversammlung. Doch auch so kostete die Sanierung und Erweiterung des Hallenbades etwa 3,5 Millionen Euro. Fertigstellung war im Dezember 2007.

Noch dramatischer sieht laut Schleiter die Bilanz aus, „wenn man die Frühschwimmer abzieht“. Vor allem in den Übergangsphasen würden bis auf die Stammgäste fast keine Schwimmer das Bad besuchen. „Das ist sowohl zum Ende der Hallenbad- als auch zum Ende der Freibadsaison so.“ Und ein Parallelbetrieb ist technisch nicht möglich: es gibt nur eine Filteranlage. Dies sei auch der Grund, warum keine Jahreskarte für das „Wohlfühl-Resort Frankenberg“ angeboten werde. „Wir haben nun mal Schließungszeiten und nicht das ganze Jahr über geöffnet.“

Happy-Hour-Tarife geplant

Die Ausweitung der Wertkarten ist nur ein Anreiz, mit dem die Stadtwerke und die Stadt künftig mehr Besucher in die Bäder locken wollen. Geplant sind Happy-Hour-Tarife „für die Stunden, in denen wenig los ist, vermutlich zum Abend hin“. Außerdem hat Schleiter mit Heß neue Tarife für Familien vereinbart. Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern ist eine Ersparnis von zwei Euro geplant. „Dafür, dass Frankenberg immer mit dem Slogan ,Familienstadt mit Zukunft‘ wirbt, sind die Preise alles andere als familienfreundlich“, findet Gaby Winter. „Vielleicht sollte man sich darüber mal Gedanken machen.“

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