Frankenberger Amtsgericht

Sechs ähnliche Aussagen stehen gegen Wort der Freundin

Burgwald-Birkenbringhausen - Im November des vergangenen Jahres ist eine Party in Birkenbringhausen völlig aus dem Ruder gelaufen, das stand bereits am ersten Verhandlungstag im Juni vor dem Amtsgericht fest. Neue Details warfen gestern ein anderes Licht auf den Abend.

Zwölf Zeugen waren geladen, zehn wurden gestern Vormittag vor dem Amtsgericht gehört. Und während der Angeklagte sich zu den Vorwürfen gegen ihn weiter in Schweigen hüllt, möchte Richterin Andrea Hülshorst zusätzlich zu den zwei noch nicht gehörten Personen noch zwei weitere Zeugen laden. Der Prozess um eine eskalierte Party im Herbst des vergangenen Jahres in Birkenbringhausen soll am 14. September fortgesetzt werden.

Während des ersten Verhandlungstages im Juni war nur die Freundin des Angeklagten, eines Friedbergers mit Bromskirchener Wurzeln, zu Wort gekommen. Sie wiederholte gestern ihre Aussage aus dem Frühsommer: Im November war sie in Birkenbringhausen zu einer Party eingeladen. Sie habe irgendwann ihren Freund telefonisch gebeten, sie abzuholen. Als der eintraf seien zwei Herren oben ohne gewesen und hätten auch auf die Bitten des Freundes, sich zu bekleiden, nicht reagiert. Einer der teilweise Entkleideten hätte den Angeklagten verbal provoziert und schließlich geschubst. Der Angeklagte habe darauf mit einer Backpfeife und einem Faustschlag reagiert, bevor er zu Boden gegangen sei - bewusstlos für rund zwei Minuten. Die junge Frau habe daraufhin ihr Handy und die Jacke gesucht: Sie wollte die Party mit ihrem Freund und dessen Begleiter verlassen. Die seien zwischenzeitlich aber schon ohne sie gefahren. Zur Beruhigung habe sie sich dann im Bad eingeschlossen. Einige Zeit später seien Unbekannte vor der Haustür des Gastgebers aufgetaucht, hätten gegrölt und die Tür beschädigt - ihren Freund habe sie dort nicht gesehen. Auch von defekten Autos, von denen in der Anklage die Rede ist, wisse sie nichts.

Richterin Hülshorst hörte neben drei Beamten der Frankenberger Polizeistation auch sechs andere Partygäste - und deren Aussagen ähnelten einander, waren in den den wichtigen Details eindeutig gegensätzlich zu jener der Freundin.

Nach den Aussagen der gastgebenden Brüder, eines besuchenden Geschwister-Paares und zweier verletzter Personen gestaltete sich der Abend wie folgt: Der Angeklagte sei im Laufe des Abends auf der Party aufgetaucht - nach einem offensichtlichen Handykontakt zu seiner Freundin, aber ohne, dass diese den Wunsch geäußert habe, zu gehen. Tatsächlich habe der Angegriffene den Angeklagten wohl provoziert: „Deine Freundin steht auf meine Nippel“, habe er gesagt, gestand der Zeuge selbst. Und er sei oben herum unbekleidet gewesen. „Dann habe ich einen Schlag gespürt“, erinnerte er sich - der Angeklagte habe nicht mehr von ihm abgelassen. Einer der Zeugen erklärte, er habe dem Angeklagten dann „als Affekthandlung“ eine Flasche über den Kopf gezogen, die er vom Einschenken noch in der Hand gehabt habe. „Andere Leute“ hätten den Studenten schließlich von seinem Opfer gerissen, bevor er aus der Wohnung befördert wurde und fuhr. Wer diese „anderen Leute“ waren, ließ sich gestern nicht klären: Einige Zeugen erinnerten sich, den Störenfried selbst hinaus befördert zu haben, andere sagten, es sei der Begleiter des Angeklagten gewesen. Ein Zeuge erklärte, der Angeklagte sei von selbst gegangen.

Die Erinnerungen der sechs Zeugen stimmen zudem darin überein, dass eine Zeit der Ruhe eintrat, in der sich die Beteiligten sammelten, bevor der Angeklagte mit einer Gruppe von vier oder fünf bislang unbekannten Männern wieder vor der Haustür auftauchte. Es seien Drohungen gerufen worden: „Macht auf, oder wir machen euch alle tot“, habe es geheißen, sowie „Die Schlampe soll rauskommen“ - die Zeugen mutmaßten, dass damit die Freundin des Angeklagten gemeint gewesen sei. Der habe daraufhin Glasscheiben in der Haustür eingeschlagen - mit der Faust oder aber einer großen Grabkerze, darin waren sich die Zeugen nicht einig. Schließlich habe der Angeklagte drei Autos beschädigt, Beulen verursacht und Scheiben zertrümmert, bevor er abgezogen sei, berichtete ein Zeuge.

Warum die Freundin des Angeklagten anders aussagte, als die übrigen Partygäste, mutmaßte eine der Zeuginnen, bei der die junge Frau in der besagten Nacht auch übernachtet hatte: „Ich kann die Grundangst der Frau S. verstehen und warum sie nicht gegen ihren Freund aussagen will“, sagte die Zeugin. Sie habe mehrfach davon gehört, dass die Lebensgefährtin des Angeklagten geschlagen und ein- oder ausgesperrt werde. Diese Gerüchte bestätigten andere Zeugen - einige hatten zudem selbst Angst, ihre derzeitigen Adressen im Angesicht des Beklagten pflichtgemäß zu nennen. Als Arbeitskollegen hätten sie sich mit der Freundin über die Schläge unterhalten. Die aber erklärte: „Wenn er das machen würde, wäre ich nicht mehr mit ihm zusammen“.

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