Kuchen auf dem Acker 

Sechs Familien ernten in Bromskirchen als Erzeugergemeinschaft ihre Kartoffeln

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Kostbares Gut: Die Kartoffelernte fiel in Bromskirchen  in diesem Jahr so knapp aus, dass besonders sorgfältig gelesen und eingesackt wurde. Im Bild von links Dr. Hans Machemer, Inge Mankel, Wolfgang Mankel und Jürgen Helduser

Sie nennen sich „Grenzgänger“: Hoch über Bromskirchen an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen erntete eine seit 2003 bestehende Erzeugergemeinschaft aus sechs Familien ihre Kartoffeln.

Stunden auf knochentrockner Erde, Kartoffeln in feinem Staub und immer wieder Steine - dann die schöne weiße Leinendecke auf dem Holztisch, Strohballen als Sitzgelegenheit, weiter Blick auf Bromskirchen. „Das Ackerfrühstück ist bei unserer Kartoffelernte immer der krönende Abschluss“, sagt Inge Mankel, während sie Kannen, Tassen, Kuchenblech und Brot aus dem Korb holt. Sechs Familien aus Bromskirchen feiern die Kartoffellese auf ihrem Acker, auch wenn in diesem Jahr der Ertrag wegen des trockenen Sommers eher mager ausfällt. Kleine Knollen, wenig Säcke.

Trotzdem ist die Stimmung gut. „Bei einem Schützenfest entstand bei uns 2003 in froher Runde die Idee, in einer ‚Erzeugergemeinschaft’ unsere eigenen Bio-Kartoffeln selber anzubauen“, erzählt Rosemarie Steuber. „Wir haben keinen Verein gegründet“, betont sie ausdrücklich, „aber unsere Gruppe hat sich zu einer echten Weggemeinschaft entwickelt.“ Sechs Ehepaare im Alter zwischen 64 und 84 Jahren gehören zu dieser „Kartoffel-Erzeuger-Gemeinschaft“, „KEG“, wie sie sich mehr scherzhaft nennen.

Alljährlich pflanzen sie im Frühsommer ihre Setzkartoffeln, hacken in den kommenden Wochen das Feld, und wer Zeit hat, sammelt Kartoffelkäfer ein. „Es gab in diesem Jahr extrem viele“, berichtet Dr. Hans Machemer, der Biologe in der Gruppe. Im Frühjahr haben sie sich für die in Deutschland sehr beliebte Kartoffelsorte „Cilena“ entschieden. Aber trotz aller Mühe: Angesichts des Mangels an Regen während der letzten Monate konnten in den vergangenen Tagen nur etwa zehn Säcke voll geerntet werden.

Früher halfen immer noch Kinder und Enkel beim Kartoffellesen mit. Aber nun sind die befreundeten Ehepaare eher unter sich. „Wir werden immer älter, die Kinder sind fast alle weg, da haben wir uns im Alltag gegenseitig Unterstützung zugesagt“, erzählen sie. Da werden Fahrten zum Einkaufen oder zum Arzt angeboten, man „tauscht“ gegenseitig Zeit. Sie treffen sich im Verein „Historisches und kulturelles Bromskirchen“ oder machen mit bei dem Bürgerhilfe-Verein „Wir für uns“. Deren Gründer Burkhard Zeunert, pensionierter Pfarrer, gehört auch zu ihrer Gruppe. „Wir sehen das Leben in all seinen Altersstufen als ein reiches Geschenk mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten an“, sagt er.

Während es zum Kartoffelacker-Frühstück nach Kuchen, Brot und roter Wurst für jeden noch einen Bromskirchener Kräuterschnaps gibt, berichten die Ehepaare, dass sie sich zu runden Geburtstagen grundsätzlich gemeinsame Fahrten schenken. Sie zählen ihre schönsten Ziele zwischen Lüneburger Heide, Trier und Würzburg auf. „Aber die Highlights kommen erst noch“, meint Rosemarie Steuber lachend. Und sie freut sich jetzt schon auf das nächste Picknick, „bei dem Inge wieder die schöne weiße Leinendecke auflegt“.

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