Arbeitsgruppen legen Dorferneuerungskonzept vor

Mit sechs Projekten in die Erneuerung

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Frankenberg-Geismar/Dörnholzhausen - Ein Dorftreff für Dörnholzhausen, ein echter Mittelpunkt für Geismar, eine neue Konzeption für Schule und Kindergarten, eine Möglichkeit zum Grundstückstausch und mehr: Es gibt viele Ideen für die Zukunft der beiden Dörfer.

Die Einwohner von Geismar und Dörnholzhausen, aber auch Bernd Wecker vom federführenden Planungsbüro Bioline haben sich mächtig ins Zeug gelegt: Nicht einmal sechs Monate sind vergangen von der Auftaktveranstaltung zur Dorferneuerung der beiden Dörfer bis zur Präsentation der Ergebnisse am Dienstagabend. „Nach fünf Sitzungen wird es spannend“, sagte Geismars Ortsvorsteher Klaus-Peter Stein zur Begrüßung im Dorfgemeinschaftshaus – Wecker stellte die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen vor. Die Entwicklungs-Strategie für die Erneuerung stellte er unter das Motto „Gemeinschaft stärken, Infrastruktur erhalten, Zukunft sichern“ – das steht auch auf dem Konzept, das er am Freitag an Bauamtsleiter Karsten Dittmar überreicht. Wecker erläuterte, dass bei allen Überlegungen beide Dörfer wie eines behandelt worden seien – „denn es ist ja im Prinzip ein Dorf mit einer Außensiedlung“, sagte er. „Die Projekte haben überörtlichen Charakter und wirken auf beide Dörfer – direkt oder indirekt“, erläuterte der Planer. Zunächst gibt es sechs kleinere Projekte oder Aufgaben, die nicht direkt in die Dorferneuerung eingebunden sind, die eventuell über andere Fördertöpfe, durch Geld der Stadt oder durch Eigeninitiative umgesetzt werden könnten. Dies sind: ? die Anbindung des Zechsteinpfads an das Geismarer Heimatmuseum, ? die Verbesserung der Verkehrsführung an der Dörnholzhäuser Bushaltestelle, eventuell mit dem Bau eines kleinen Bushäuschens, ? die Schaffung von sicheren Querungen der Bundesstraße 252 in Geismar, ? die Verbesserung der Zusammenarbeit von Vereinen, eventuell durch die Schaffung einer Vereinsgemeinschaft, ? der Ausbau des Internets in Dörnholzhausen und ? die Präsentation der Dörfer im Internet. Rund 790?000 Euro Kosten für die größten Vorhaben Ebenfalls sechs Projekte haben die vier Arbeitsgruppen entworfen. Sie haben nach den derzeitigen Schätzungen von Wecker einen Gesamtumfang von rund 790?000 Euro. Der Eigenanteil der Stadt Frankenberg liegt bei gut 292?000 Euro. Diese Summen sind allerdings noch nicht festgeschrieben, betonte Bernd Wecker. Bei einigen Projekten ist die maximal mögliche Summe von 300?000 Euro angesetzt worden. Andere liegen deutlich darunter – und könnten noch aufgestockt werden. Neben der Genehmigung durch die kreditgebende WI-Bank muss das Gesamtkonzept von der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet werden – sowie der Eigenanteil für jedes einzelne Projekt, sobald die Umsetzung ansteht. Dafür haben die Stadt und ihre beiden Stadtteile acht Jahre Zeit. Alle Projekte folgen dem Motto „Stärkung der Mitte“: Wecker und die Arbeitsgruppen wollen die Dorfkerne attraktiver und belebter machen: ? Kirchplatz Geismar: Der Platz rund um die Kirche soll so gestaltet werden, dass Jung und Alt zusammenkommen kann. Dafür sind eine Teilöffnung der Grundstücksmauer und die Schaffung von Sitzstufen vorgesehen. Die untere Ebene soll umgestaltet werden, um „Platzcharakter“ zu schaffen. Die Schaffung einer Tagespflegeeinrichtung wird angedacht. Das Gebiet soll gestalterisch mit Museum, Backhaus und Gemeindehaus verbunden, der Spielplatz aufgewertet werden. Hinzu kommen Beschilderung und Mobiliar. ? Dorftreff Dörnholzhausen: Eine zu gründende, rechtsfeste Organisation, etwa eine Genossenschaft, soll zwei Scheunen im Ortskern erstehen. Eine der beiden soll abgerissen, eine ausgebaut werden. Es soll ein „multifunktionaler Dorftreff“ entstehen zum Feiern, Verweilen und mehr. Geplant sind ein Anbau als Eingangsbereich, ein Einbau eines Jugendraumes, den die Dorfjugend separat nutzen kann, sowie möglicherweise – außerhalb des Programms – der Anbau einer Feuerwehrgarage. „Der Reiz ist, einen möglichen Leerstand zu vermeiden, eine Schrottimmobilie zu beseitigen und die Dorfgemeinschaft zu stärken“, sagte Wecker. Finanziert werden sollen die laufenden Kosten durch die Erzeugung von erneuerbaren Energien – wie in Dörnholzhausen auf fast jedem Dach üblich. ? Infrastruktur Geismar: Um den Kirchplatz in Geismar soll ein „Gürtel“ aus Unternehmen und Betrieben entstehen. Dazu ist vorgesehen, Freiflächen und Gebäude in eine Art Kataster aufzunehmen. Für ansässige Betriebe – Gewerbe, Nachversorgung, Gastronomie – sollen Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Ebenso sollen Szenarien für eine Neuansiedlung entworfen werden. Zudem stehen die Prüfung und gegebenenfalls Verbesserung der Verkehrsanbindung an. ? Dorfkneipe Geismar: Das Dorfgemeinschaftshaus mit der Kneipe soll im Außenbereich aufgewertet werden. Dazu soll insbesondere die Fläche vor dem Haus, also die Parkfläche, verändert werden. „Man sieht nur Parkplätze, das ist schade“, sagte Bernd Wecker über das Gebäude, in dem die Veranstaltung stattfand. Der Plan sieht vor, die Stellplätze weiter in Richtung Dorfzentrum zu ziehen. Zugleich sollen Fußgänger über einen Bürgersteig das Dorfgemeinschaftshaus besser erreichen können. Die jetzigen Parkplätze sollen zum Freisitz umgestaltet werden. „Es gibt dem Haus mehr Nutzungsmöglichkeiten, wenn auch Veranstaltungen im Freien möglich sind“, erläuterte Wecker. Die bestehende, kleine Freifläche vor dem Eingang könnte zum Biergarten werden. Hinzu kommen Pflanzen, Windschutz, Mobiliar. Zwei Projekte ?mit Pilotcharakter ? Schule und Kindergarten: Ein Projekt mit Pilotcharakter für die Region ist an Schule und Kindergarten angedacht. Es geht dabei insbesondere um die Arbeit an einem pädagogischen Gesamtkonzept. Die Grundschule und der Kindergarten könnten demnach inhaltlich deutlich näher aneinanderrücken: „Die Klientel ist fließend“, sagte Wecker. Die Sondersituation der Lage begünstige das: Beide Einrichtungen sind faktisch Nachbarn. Unterstrichen werden könnte das Projekt mit einer Verbindung der Außenbereiche. Ebenso soll der Sportplatz besser angebunden werden. Wecker bezeichnete diese Idee als eine, die künftig für Neubürger entscheidend sein könnte. „Das müssen sich aber die Träger gemeinschaftlich überlegen und es auch wollen“, sagte der Planer mit Blick auf den Landkreis und die Stadt Frankenberg. Wecker erklärte, dass es ähnliche Konzepte bereits gebe: „Da kann man viel übernehmen und es an die Situation hier im Dorf anpassen“, sagte er. Besonders bei der Gestaltung der Außenanlage sei aber auch die Hilfe der Eltern gefragt. ? Tausch von Grundstücken: „Das ist eine nicht ausgegorene Geschichte“, sagte Bernd Wecker über eine Idee, die besonders Eigentümern von Grundstücken in den Dorfkernen zugute kommen soll. Im Rahmen der Dorferneuerung dürfen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden. Wecker und Bauamtsleiter Karsten Dittmar stellten die Idee vor, dass Eigentümer Grundstücke im Dorfkern gegen neues Bauland am Dorfrand tauschen können sollen. Die Stadt tritt dabei als Tauschpartner auf. Sobald ein neuer Eigentümer das Grundstück im Dorfkern nutzt, darf auch auf dem Land am Ortsrand gebaut werden. „Viele bedenken die Demografie – aber bis jetzt tut noch keiner etwas dagegen“, sagte Karsten Dittmar. Dieses Konzept biete Entwicklungsmöglichkeiten für Dörfer außerhalb von Neubaugebieten. Noch allerdings, stellten Wecker, Dittmar als auch Mitglieder der Arbeitsgruppen fest, widerspreche das Konzept allem, was in der Bauleitplanung üblich sei. Es müssten Expertisen des Bauamts, des Kreises wie des Regierungspräsidiums eingeholt werden, um eine Machbarkeit nachzuweisen. Im Anschluss an die Präsentation wurde der „Arbeitskreis Dorferneuerung“ ins Leben gerufen (siehe Kasten). Er ist in den nächsten Jahren insbesondere für die Präsentation und Organisation der Umsetzung des Konzeptes zuständig.

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