Annemarie Ruhwedel erinnert sich: Neuanfang des TSV Frankenau nach dem Krieg

Seit 65 Jahren im Verein

Hatte ihre Ausweise gut aufbewahrt: TSV-Mitglied Annemarie Ruhwedel mit ihren Erinnerungsstücken. Fotos: Camrath

Frankenau. Heute vor 65 Jahren gab es beim TSV Frankenau einen Neuanfang nach dem Krieg. „Es war der 2. April 1946“, erinnert sich Annemarie Ruhwedel. „Da trafen sich die alten Mitglieder im Hessischen Hof, um einen Neuanfang im Vereinsleben zu starten.“

Während des Zweiten Weltkriegs hatte es keine sportlichen Aktivitäten gegeben. Viele Mitglieder verloren ihr Leben und kehrten nicht in die Heimat zurück. Und einige Männer warteten noch auf ihre Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft.

Nun wollte man den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Viele jungen Leute warteten schon ungeduldig darauf, Mitglied zu werden. Ruhwedel erzählt: „Ich habe versucht, herauszufinden, welche Unterlagen es von damals noch gibt.“ Ein Protokoll von diesem Tag konnte sie jedoch nicht finden.

Eines weiß sie jedoch genau: „Mein späterer Mann Karl und ich – wir waren dabei.“ 17 Jahre alt waren sie und bekamen Mitgliedskarten mit den Nummern 54 (Karl) und 89 (Annemarie). Die Ausweise werden noch immer in Ehren gehalten.

Vor dem Krieg sei Frankenau eine Hochburg des Faustballs in Hessen gewesen, erzählt Ruhwedel. Auch habe es einige gute Geräteturner und Leichtathleten gegeben. Während der ersten Kriegsjahre wurden in der Schule weiterhin Schülerwettkämpfe veranstaltet. Die zehn Besten durften dann am Kreissportfest in Frankenberg teilnehmen. Ruhwedel machte 1939 ihr Reichssportabzeichen. Da war sie zehn Jahre alt.

Nach dem Krieg freuten sich alle auf den Neuanfang, erinnert sich Ruhwedel: „Es gab noch keinen Fußball in Frankenau. Das änderte sich aber sofort.“ Aus dem Sudetenland vertriebene Familien hatten ein neues Zuhause in Frankenau gefunden und brachten gute Fußballtalente mit. Schon standen zwei Mannschaften in den Startlöchern. „Für uns Mädchen gab es zunächst erstmal Stabübungen“, erzählt sie.

1948 folgte dann Frauenhandball. Auch Männerhandball, Tischtennis, und Frauen-Gymnastik kamen dazu, und Faustball und Geräteturnen wurden wieder eingeführt. Irgendwann wurde der alte Sportplatz zu klein. Da kein Geld zur Verfügung stand, musste jedes Mitglied mit Hacke und Schippe antreten.

Die Männer arbeiteten 100, die Frauen 50 Stunden – daran kann sich Ruhwedel auch heute noch gut erinnern.

Von Jörgen Camrath

Quelle: HNA

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