Selbsthilfegruppe Schwerhörigkeit in Holzhausen

Weitere Hörhilfe: Gerlinde Albath, Gründerin der Selbsthilfegruppe Schwerhörigkeit und Cochlea-Implantat in Holzhausen, zeigt eine Ringschleifenanlage. Das Kabel wird im Kreis gelegt, die Hörgeräte auf die gleiche Frequenz gestellt und so Ansprachen ins Mikro direkt auf das Hörgerät geleitet.

Holzhausen - Holzhausen. Gerlinde Albath aus Holzhausen leitet die einzige Selbsthilfegruppe zum Thema Schwerhörigkeit in Waldeck-Frankenberg und ist selbst Cochlea-Implantat-Trägerin.

„Sie müssen sofort mit Hörgeräten versorgt werden, ansonsten sind Sie mit 40 Jahren taub.“ Die Diagnose des Ohrenarztes war ein Schock für Gerlinde Albath. Während der Ausbildung zur Erzieherin hatte ihr ein Arzt bereits bescheinigt, dass sie schlecht höre, „er hat jedoch keine Dringlichkeit verdeutlicht“, sagt Albath, die 2014 die Selbsthilfegruppe Schwerhörigkeit und Cochlea-Implantat gegründet hat.

Erst zehn Jahre später, im Alter von 30 Jahren, als sie die Jugendlichen nicht mehr verstehen kann, geht sie noch mal zum Ohrenarzt und erhält die niederschmetternde Diagnose. Mit mindestens fünf verschiedenen Hörgeräten (alle sechs Jahre hat man aufgrund der voranschreitenden Technik Anspruch auf ein neues Gerät) kann die 59-Jährige ihre Hörschwäche bis 2012 ausgleichen, dann hört sie hohe Töne gar nicht mehr. „Dumpfe Töne, wie eine zuschlagende Tür, höre ich, um morgens pünktlich aufzuwachen benötige ich aber einen Spezialwecker mit grellem Blinklicht und einem Vibrationskissen.“

Seit zwei Jahren ist Albath mit sogenannten Cochlea-Implantaten ausgestattet und hört wieder 95 Prozent. „Es ist wie Weihnachten für mich, eben ein ganz anderes Lebensgefühl, ich habe noch nie so viel gehört wie jetzt.“ Früher habe sie Zischlaute nie gehört und „Vogelzwitschern war mir vollkommen unbekannt“, erklärt Albath. Nun könnte sie stundenlang auf Balkon oder Terrasse sitzen und dem Konzert zuhören. „Mein Mann hat mich natürlich schon früh darauf hingewiesen, aber was man nicht kennt, vermisst man nicht.“ Verschlechtern kann sich ihr Gehör mit den Implantaten nicht mehr. „Sollte ich mein Resthörvermögen verlieren, werden die Elektroden einfach darauf eingestellt.“

Von den 30 Mitgliedern zwischen 40 und 87 Jahren tragen vier ein Cochlea-Implantat. Dabei werden operativ Elektroden in die Hörschnecke (Cochlea) eingeführt. Über einen Magneten ist das Implantat mit einer Audioprozessor-Einheit hinter dem Ohr verbunden. Viele Taubstumme hören so wieder.

Die Gruppe ist für alle offen, es wird kein Beitrag erhoben. Sie trifft sich dienstags einmal im Monat. Das nächste Treffen ist am 20. Oktober ab 18 Uhr im Begegnungszentrum in Holzhausen, Hainstraße 18.

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Quelle: HNA

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