Frankenberg.

Serieneinbrecher muss ins Gefängnis

- Frankenberg (mba). Ein arbeitsloser Münchhäuser wurde wegen schweren Diebstahls vom Frankenberger Amtsgericht verurteilt. Der 59-Jährige stand wegen sechs Einbrüchen zwischen September und November 2009 vor Gericht. Er gestand die Taten und gab finanzielle und psychische Probleme als Grund seines Handelns an. Das Urteil: ein Jahr und drei Monate Haft.

Der einschlägig vorbestrafte Mann räumte zu Beginn der Verhandlung die ihm zur Last gelegten Taten in vollem Umfang ein: Er war wegen insgesamt sechs Einbruchdiebstählen in Frankenberger Geschäften angeklagt. In einer Nacht war er in die Filiale eines Schnellrestaurants in der Ruhrstraße, in ein Floristikgeschäft und in ein Café beim Schwimmbad eingebrochen. Während er im Schnellrestaurant keine Beute gemacht hatte, entwendete er im Floristikgeschäft rund 70 Euro Bargeld, im Café eine Geldtasche mit 100 Euro. Ein Versuch, in die Ederberglandhalle zu gelangen, war gescheitert, bei zwei weiteren Einbrüchen machte der Mann keine Beute. Der Münchhäuser hat ein langes Vorstrafenregister: 1995 war er das erste Mal wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt worden. 1997 beging er Unfallflucht und wurde dafür verurteilt. Wegen Betruges in fünf Fällen erhielt er im Jahr 2000 eine Bewährungsstrafe, eine Weitere im Jahr darauf wegen eines Wohnungseinbruchs. 2005 wurde er wegen schweren Diebstahls erneut zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Zuletzt 2009 – nicht einmal einen Monat vor den jetzt verhandelten Einbrüchen in Frankenberg – hatte ihn das Marburger Amtsgericht wegen Diebstahls zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Da er voll geständig war, musste sich das Gericht nicht lange mit den Tatvorwürfen beschäftigen. Richterin Andrea Hülshorst befasste sich allerdings eingehend mit der Persönlichkeit des Mannes und seinen finanziellen und psychischen Problemen, die er als Erklärung für sein Handeln vorbrachte. Als konkreten Grund für die Einbrüche nannte der arbeitslose 59-Jährige seine finanziellen Sorgen: eine Kontopfändung und Forderungen einer Energiegesellschaft sowie einen Schuldenberg von 20 000 Euro, der aus seiner früheren Tätigkeit als selbständiger Versicherungsverkäufer resultiere. Als tieferliegende Ursache seines gesetzwidrigen Verhaltens verwies er auf psychische Probleme und Depressionen, wegen der er sich nach seiner vorhergehenden Verurteilung auch in psychotherapeutische Behandlung begeben hatte. Richterin Hülshorst las aus einem Abschlussgutachten des behandelnden Therapeuten vor. Dieser diagnostizierte bei dem Mann eine schwere Depressionen und Anzeichen einer Psychose. Der Patient leide unter Schlafstörungen und Existenzängsten. Er neige zu Kurzschlusshandlungen, die Verbrechen seien Verzweiflungstaten gewesen, um seine finanziellen Probleme zu lösen. Außerdem spreche der Mann nicht mit anderen über seine Sorgen und Nöte. Die Therapie war nach fünf Monaten beendet worden, aus Sicht des Therapeuten erfolgreich: Er halte künftige Einbrüche für ausgeschlossen, schrieb er in seinem Bericht. Kurze Zeit später beging der Münchhäuser die nun verhandelten Taten. Am Ende der Verhandlung forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung. Der Schuld des Mannes sei eindeutig erwiesen, da er die Taten gestanden hat. Es stelle sich allein die Frage nach der Strafzumessung, sagte der Staatsanwalt: Während das Geständnis positiv wiege, sprächen das lange Vorstrafenregister und die Tatsache, dass die jüngsten Einbrüche unter laufender Bewährung begangen worden sind, gegen eine erneute Bewährungsstrafe. Weiter müsse die hohe Rückfallgeschwindigkeit berücksichtigt werden: Die „Tinte auf dem Urteil“ sei „noch nicht trocken gewesen“, drückte es der Staatsanwalt aus. Er sah keinen Grund für eine günstige Sozialprognose. Der Angeklagte zeige ein fortgesetzt „rechtsfeindliches Verhalten“, die vorhergehenden Verurteilungen seien ihm keine Warnung gewesen. Richterin Hülshorst schloss sich der Forderung des Staatsanwaltes in vollem Umfang an. Die Vorstrafen seien eine schwere Hypothek, sagte Hülshorst zum Angeklagten. Die Aussetzung einer Haftstrafe zur Bewährung sei nur bis zu einer Dauer der Haftzeit von einem Jahr möglich. Außerdem habe sie nicht die begründete Erwartung, dass der Verurteilte keine weiteren Straftaten begehen werde – die ist eine Voraussetzung für eine Bewährung. Das Urteil wird in einer Woche rechtskräftig, wenn der Angeklagte keinen Einspruch einlegt.

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