Landeskirche Kurhessen-Waldeck nimmt mit Ordination in Frankenberg neue Seelsorger in ihren Dienst

„Sie haben Bestimmungsort erreicht“

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Eva Jerrentrup, Prälatin Marita Natt und Dr. Manuel Goldmann ordinierten die 15 Pfarrer gruppenweise – vorn rechts: die neue Seelsorgerin für Frankenberg und Schreufa, Emilie Weinreich.

Frankenberg - Studium, Vikariat und zwei große Examen haben sie hinter sich - nach ihrer gestrigen Ordination treten 15 neue Pfarrer ihren Dienst an.

„Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht.“ Diesen Satz des Navigationsgeräts griff Prälatin Marita Natt aus Kassel gestern in ihrer Predigt auf. Den Satz habe die „Festgemeinde“ im Auto gehört, die am Vormittag aus allen Ecken der evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck zum Ordinationsgottesdienst in der Lieb-frauenkirche zusammengekommen war. Er gelte aber auch für die 15 neuen Pfarrer, die zum 1. November ihren Dienst in ihren ersten Gemeinden antreten.

„Ein Glücksgefühl durchströmt uns alle“, sagte die Prälatin und bezog Eltern, Lebenspartner, Kinder, Freunde und Ausbilder mit ein, die in der voll besetzten Kirche saßen. Aber das gelte besonders für die neuen Pfarrer: „Sie haben es geschafft“, sagte Natt: „Stolz bin ich, dass ich neun Frauen und sechs Männer segnen und mit der Versehung ihrer Pfarrstellen beauftragen kann“, sagt sie. Aber was erwarte die Gemeinde von ihnen? Und was Gott?

Der Dienst der Pfarrer umspanne die ganze Welt, sagte Natt. Sie sollten wie „Salzkörnchen und Lichtfunken“ sein, das wirke nachhaltiger als manche glaubten. Die Pfarrer sollten das Evangelium „rein predigen“ und die Sakramente geben. „Das wird eine spannende Herausforderung sein“, erklärte die Prälatin. Sie sollten ihren Glauben „mutig bekennen“, rücksichtsvoll vorgehen und eine wenn nötig mahnende, ermutigende und Augen öffnende Seelsorge betreiben.

Und was erwarte Gott von ihnen? Natt verwies auf Martin Luthers zentrale Erkenntnis, dass Gott ihm als Sünder gnädig sei. Aber Gott erwarte, dass Glaubensinhalte bekannt seien: die „zehn Gebote“, die Bergpredigt, Jesu Gebot der Liebe.

Aber es gebe eine Kluft zwischen dem Denken Gottes und der Menschen, erläuterte sie. Menschen dächten eher ans Äußerliche, „aber Gott sieht das Herz an“, ihm gehe es um die Lebenseinstellung. Er erwarte deshalb keine Strafe oder große Opfergaben. Stattdessen verwies die Prälatin auf den Propheten Micha aus dem Alten Testament, der in Kapitel 6 als Gottes Forderung postuliert: „Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Gott“.

Natt formulierte es zeitgemäßer: „Rechtes tun, die Güte lieben und besonnen mitgehen mit Gott“. Den neuen Pfarrern rief sie zu: „Diesen Dreiklang lege ich Ihnen ans Herz.“ Mit ihm sollten sie „mit Lust und Liebe ins Amt einsteigen“. Und sie sollten dabei bedenken: „Gott misst an der Grundeinstellung, nicht am Erfolg.“

Es sei richtig, dass die Kirche die Anwaltschaft für die Gerechtigkeit übernehme und sie im täglichen Miteinander wolle, betonte Natt. Sie rief auf, die „Freundlichkeit zu lieben“. Und beim Mitgehen mit Gott sei Vertrauen in ihn gefragt. „Gott fordert, aber er lässt uns nicht allein.“ Er gehe mit. „Ich hoffe, dass Sie mit Gottes Hilfe Ihr Ziel erreichen und dass Sie immer die Orientierung behalten“, sagte sie. Wenn die neuen Pfarrer die von Micha vorgegebenen Ziele in ihr Navi eingäben, dann heiße es: „Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht.“

Der Frankenberger Pfarrer Christoph Holland-Letz wünschte in seinem Gebet zu Beginn, dass die 15 neuen Kollegen ihren Dienst „fröhlich“ und mit klaren Worten versähen und dass sie „den Menschen zugewandt“ lebten. Er hoffe, dass sie sich im Amt „nicht zu Einzelkämpfern entwickeln“.

Die Ordination der neuen Seelsorger übernahm die Prälatin Natt, dabei assistierten ihr der Direktor des Hofgeismarer Predigerseminares, Dr. Manuel Goldmann, und die stellvertretende Vorsitzende des Frankenberger Kirchenvorstands, Eva Jerrentrup. Zum Amt des Pfarrers gehöre es, im Vertrauen auf Gott und sein Wort zuzuhören, zu beten und zu predigen, zu taufen und das Abendmahl auszugeben, sagte Dr. Goldmann. Pfarrer sollten die Menschen zu einem christlichen Leben bewegen und sie motivieren, sich für die Diakonie einzusetzen.

Eva Jerrentrup rief die neuen Pfarrer auf, gemeinsam mit der Gemeinde ihren Auftrag zu erfüllen, dazu sollten sie sich allen Gruppen zuwenden, die sollten für Versöhnung und für die Einheit eintreten und sich der Kranken und Schwachen annehmen. Dann fänden sie auch das Vertrauen der Gemeinde.

Bei den Fürbitten auch für die neuen Pfarrer wirkten der katholische Seelsorger Frankenbergs, Pater Norbert Rasim, Küster Wilfried Koch, die Hofgeismarer Studienleiterin Pfarrerin Christiane Luckhardt, Vikarsmentor Pfarrer Wilhelm Laakmann und Prof. José Hernandéz Martìnez aus der südspanischen Stadt Granada mit.

Den musikalischen Part übernahmen die Frankenberger Kantorei und das Göttinger Barock-Orchester, die passend zur Ordination auch die eindrucksvolle Kantate „Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken“ von Dietrich Buxtehude erklingen ließen. Die Leitung hatte Kantor Daniel Gàrdonyi, der auch die Böttner-Orgel spielte.

Unter den Besuchern waren auch Probst Helmut Wöllenstein aus Marburg, Landrat Dr. Reinhard Kubat und Bürgermeister Rüdiger Heß. Nach dem Gottesdienst gab es einen Empfang in der Ederberglandhalle.

Die 15 neuen Pfarrer und ihre Stellen

Als Pfarrer im Probedienst treten die gestern ordinierten Vikare zum 1. November ihre neuen Stellen im Gebiet der Landeskirche an: Katharina Bärenfänger: Dienst einer Pfarrerin im Ehrenamt. Jonathan Bergau: Pfarrstelle in Oedelsheim, Kirchenkreis Hofgeismar.J ohannes Böttner: Pfarrstelle in Niedenstein, Kirchenkreis Fritzlar. Christian Brandt: Pfarrstelle in Floh, Kirchenkreis Schmalkalden. Marie Eisenbach: Pfarrstelle in Wallroth, Kirchenkreis Schlüchtern, im Rahmen einer gemeinsamen Versorgung. Stefan Eisenbach: Pfarrstelle in Wallroth, Kirchenkreis Schlüchtern, im Rahmen einer gemeinsamen Versorgung. Elisabeth Krause-Vilmar: besonderer Dienst am Hans-von-Soden-Institut der Marburger Uni. Dirk Kroker: Pfarrstelle in Alheim, Kirchenkreis Rotenburg. Thomas Lux: Pfarrstelle in Röllshausen-Nausis, Kirchenkreis Ziegenhain. Julia Niedling: Pfarrstelle in der Kirchengemeinde „Am Dreienberg“ in Friedewald, Kirchenkreis Hersfeld. Anna-Maria Plischke: besonderer Dienst am Pädagogisch-Theologischen-Institut in Kassel. Katrin Schindehütte: besonderer Dienst am Hans-von-Soden-Institut. Emilie Weinreich übernimmt wie am Samstag berichtet die fünfte Pfarrstelle in Frankenberg, sie betreut Schreufa. Annika-Christine Weisheit: nach Mutterschutz landeskirchliche Pfarrstelle. Daniela Wieners: dreiviertel Pfarrstelle in Altengronau-Neuengronau, Kirchenkreis Schlüchtern.

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