Ersatzeltern

Familie aus Schreufa zieht junge Waschbären in der Küche groß

Ersatzeltern: (von links) Fabian, Gert-Jürgen und Mia Schwaner aus Schreufa kümmern sich um die kleinen Waschbären.
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Ersatzeltern: (von links) Fabian, Gert-Jürgen und Mia Schwaner aus Schreufa kümmern sich um die kleinen Waschbären.

Sie heißen Jim, Sam und Bonny und halten ihre Ersatzeltern ganz schön auf Trab: Eine Schreufaer Familie hat drei verwaiste Waschbärjunge in einem Kellerschacht an ihrem Wohnhaus gefunden und kümmert sich jetzt um die wenige Wochen alten Jungtiere.

Frankenberg - „Anfangs haben wir sie im Zwei-bis-Drei-Stunden-Rhythmus gefüttert“, berichtet Antje Kapler. Inzwischen reiche es, alle drei bis vier Stunden Futter zu geben. „Nachts schlafen sie zum Glück schon durch“, sagt die Schreufaerin und ergänzt: „Das wäre auf Dauer auch ganz schön anstrengend geworden.“

Schon fast stubenrein

Um die drei Jungtiere unterscheiden zu können, hat die Familie sie mit verschiedenfarbigen weichen Fleecehalsbändchen ausgestattet. „So bekommt jeder dieselbe Futterration“, erklärt Tochter Annika Kapler. Untergebracht sind die Findlinge in einem Welpenkäfig in der Küche. „Sie sind schon fast stubenrein“, sagt Antje Kapler, die den Tieren beigebracht hat, ein Katzenklo zu benutzen. Als Gert-Jürgen Schwaner, der Vater von Antje Kapler, vor zwei Wochen im Garten „komische Schreie“ gehört hat, konnte er sich zunächst gar nicht erklären, von wem und auch von wo die Laute stammten. Mithilfe seiner weiteren Enkeltochter Mia war die Geräuschquelle schnell ausgemacht: Die Töne kamen aus dem Kellerschacht. Bei näherem Hinsehen entdeckte die Familie die hilflosen Jungtiere. Pflegesohn Fabian gelang es, in den schmalen Schacht hinunterzusteigen und die Waschbären herauszuholen.

Wohin mit den Tieren?

„Von dem Muttertier fehlte jede Spur“, sagt Gert-Jürgen Schwaner. Er habe jedoch aus dem Dorf gehört, dass zur gleichen Zeit ein ausgewachsener Waschbär im Ort gefangen worden sei und vermutet, dass das die Bärin gewesen ist. „So etwas geht natürlich gar nicht“, kritisiert er. Zumal sich jeder denken, könne, dass Waschbären im Frühjahr Junge zu versorgen haben. Währenddessen werden die drei Jungtiere jeden Tag unternehmungslustiger und erkunden – unter Aufsicht – den Garten der Familie. „Am liebsten haben sie offenbar Füße, denn darauf laufen sie immer zu“, sagt Annika Kapler. „Ich finde es erstaunlich, wie schnell sie uns Menschen als Mutterersatz angenommen haben“, sagt ihre Mutter Antje. Außerdem freut sie sich über die große Hilfsbereitschaft: Nachbarn und Bekannte haben ihnen Fläschchen, den Käfig und sogar Futterspenden gebracht. Eine Frage ist aber derzeit noch ungelöst: Wohin mit den Tieren? „Behalten können wir sie nicht“, stellt Antje Kapler klar. Einfach aussetzen sei verboten. „Am besten wäre, wenn sie in einem Tierpark unterkommen könnten. Bis dahin würden wir sie weiter versorgen und wenn nötig auch die Kastrationskosten übernehmen“, sagt Antje Kapler.

Frankenbergs Revierleiter Fabian Krämer rät grundsätzlich davon ab, vermeintlich verwaiste Wildtiere bzw. deren Jungen aufzunehmen. „Oftmals sind die Jungtiere nicht verwaist, sondern die Elterntiere sind zur Nahrungsbeschaffung unterwegs und würden in Kürze zu den Jungtieren zurückkehren, was sie in Gegenwart von Menschen aber nicht tun“, sagt er.

Das sagt ein Förster...

„Waschbären unterliegen als Wild dem Jagdrecht, das in Paragraf 1, Absatz 4, des Bundesjagdgesetzes ausführt: Die Jagdausübung erstreckt sich auf das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild.“ Somit sei das Fangen von Waschbären durch jedermann ohne Jagdausübungsberechtigung Jagdwilderei.

„Auf dem eigenen Grund und Boden darf man auch ohne Jagdschein die Fangjagd ausüben, allerdings muss die fallenstellende Person dazu einen Fangjagdlehrgang mit Nachweis absolviert haben und darf nur zulässige Fallen verwenden“, so Krämer. Bei Benutzung von Lebendfallen dürfe das Erlegen der gefangenen Tiere nur durch eine berechtigte Person erfolgen. Das Fangen und Töten von zur Aufzucht benötigten Elterntieren ist nicht zulässig und stellt im Falle des Tötens einen Straftatbestand dar (§22 (4) Bundesjagdgesetz).

„Waschbären privat zu halten ist nicht ohne weiteres zulässig. Es ist jedoch absolut davon abzuraten, da Waschbären Überträger zahlreicher ernst zu nehmender Krankheiten sind, sich nicht wirklich zähmen lassen und große Schäden anrichten können, wenn sie größer geworden sind“, sagt Fabian Krämer.

Wildpark kann Tiere nicht aufnehmen

Der Wildpark in Frankenberg kann die Waschbärjungen nicht aufnehmen. Dies teilte Stadt-Pressesprecher Florian Held auf HNA-Anfrage mit. „Es gibt leider keine Möglichkeit, die Tiere im Wildpark unterzubringen. Das gilt offenbar für die meisten Parks im Bundesgebiet. Der Deutsche Wildgehegeverband mit seiner Geschäftsstelle im Tierpark Sababurg wäre noch eine mögliche Anlaufadresse“, sagt Held. Aussetzen sei keine Option, da mache man sich strafbar. „So hart es klingen mag, aber die Alternativen sind ansonsten die Tiere zu behalten oder von einem Fachmann (Förster etc.) töten zu lassen“, sagt Held. 

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