Frankenberger Fußgängerzone soll umgestaltet werden

"Signal zur Wiederbelebung der Stadt"

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Das neue Pflaster in der Frankenberger Fußgängerzone soll auch bei schlechtem Wetter gut zu begehen sein.

Frankenberg - Viele Anlieger müssen mit fünfstelligen Beiträgen rechnen, sollten die Parlamentarier ein neues Pflaster für die Fußgängerzone beschließen.

Billig wird der Umbau der Fußgängerzone zu einer ansprechenden und vor allem sicher und leicht zu begehenden Flaniermeile nicht. Das steht fest, seit die Stadt den Anliegern am Dienstagabend während einer nicht-öffentlichen Sitzungen ihre Pläne präsentierte. Rund 2,3 Millionen Euro müssen die Kommune und die Anlieger wohl in die Hand nehmen – davon den größten Teil die Eigentümer der Häuser in der Neustädter Straße und der Ritterstraße.

„Es gab während der Sitzung eine insgesamt positive Stimmung“, berichtete Bürgermeister Rüdiger Heß im Nachgang der Versammlung auf Anfrage der Frankenberger Zeitung. Selbstverständlich sei es, das von den rund 75 betroffenen Anliegern nicht jeder für den Umbau der Fußgängerzone sei. Vielfach seien Fragen nach Alternativen aufgekommen. Nach Informationen der Heimatzeitung wollten einige Anlieger etwa wissen, ob denn das bestehende Pflaster nicht einfach abgeschliffen und neu verlegt oder auch einfach nur umgedreht werden könne. Ihnen erteilte die Stadt eine Absage. „Es gab aber auch viele Anregungen, die das Planungsbüro noch mit aufgenommen hat“, berichtete Heß. Die Stadtverordneten, von denen viele den Termin wahrnahmen, bekommen folglich nicht die gleichen Pläne zur Abstimmung vorgelegt, wie am Dienstagabend die Anlieger.

Wie die aussehen, erläuterte Bauamtsleiter Karsten Dittmar. Grundsätzlich soll in dem Bereich vom Café Nostalgie in der Ritterstraße bis hinunter zum Thonet-Platz, wo die Erneuerung der Bahnhofstraße endete, ein einheitliches Bild geschaffen werden. „Wir wollen zwei Sorten von Pflaster verwenden“, erklärte Dittmar: Nahe an den Häusern soll demnach ein Quarzit-Gestein verlegt werden. In der Mitte weicht dies gestocktem Granit. Oftmals, erklärte Dittmar, werde Granit nur gesägt. Dadurch entstünde aber eine sehr glatte Oberfläche, die für eine Fußgängerzone wenig geeignet sei. Durch die Stockung werde diese Oberfläche angeraut. „Das ist gut bei schönen wie bei schlechtem Wetter“, erklärte er. Das Aufrauen sorge für einen auch bei Feuchtigkeit oder Frost sicheren Bodenbelag.

Wichtig für viele Eigentümer: Das Planungsbüro PLF habe in seinen Berechnungen die unterschiedlichen Höhen der Eingänge so gut wie möglich berücksichtigt. „Wir kriegen wohl 80 bis 90 Prozent der Zugänge barrierefrei hin“, sagte Dittmar erfreut. Insgesamt würde das Niveau der Straße wohl etwas angehoben, das Gefälle ausgeglichen. Es soll künftig zwischen 2,5 und 3,5 Prozent liegen – bei Rampen gilt ein Anstieg von maximal sechs Prozent als behindertengerecht.

Bürgermeister Rüdiger Heß berichtete zudem, dass die Planungen auch eine optische Aufwertung der Fußgängerzone vorsehen. So sind neben dem Wappen der Stadt zwölf weitere Intarsien vorgesehen, die die Verbundenheit mit den Stadtteilen ausdrücken sollen. Die Pläne des federführenden Büros PLF, das auch den Bahnhof plant, sehen zudem Inseln mit Sitzmöglichkeiten und Begrünung vor. Ein Grund zur Freude, auch bei den Kaufleuten: „Eine sehr gelungene Umsetzung unserer Wünsche“, lobte die Pläne der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, André Kreisz. In den Details gäbe es noch Abstimmungsbedarf, doch „die große Richtung stimmt“. Diese Erkenntnis hat sich laut Heß bei den meisten Teilnehmern durchgesetzt: „Viele Anlieger verstehen, dass mit der Fußgängerzone nichts Positives passiert, wenn wir das jetzt nicht angehen“, sagte der Rathauschef nach der Anliegerversammlung erleichtert.

80 Euro je Quadratmeter

Er gestand jedoch – auch mit Blick auf andere Projekte wie den Bahnhofsumbau – ebenfalls ein: „Was wir in Frankenberg finanziell in die Hand nehmen wollen, das ist schon massiv“. Von den Kosten für die Fußgängerzone aber muss die Kommune nicht einmal die Hälfte tragen. Die vorgesehenen 2,3 Millionen Euro teilen sich in zwei Blöcke auf. Der deutlich größere ist die Neustädter Straße: Die Sanierung in diesem Bereich schlägt laut Karsten Dittmar mit knapp 1,84 Millionen Euro zu Buche. Weil es sich um eine Anliegerstraße handelt – der weitaus größte Teil des Verkehrs findet wegen der angesiedelten Geschäfte statt – müssen diese auch 75 Prozent zahlen, also etwa 1,38 Millionen Euro. Die teilen sich etwa 60 Anlieger – einige sind Eigentümer nur eines schmalen Häuschens, andere Teil einer Eigentümergemeinschaft, die nächsten Vermieter mehrerer Immobilien oder Besitzer größerer Fronten. Gemittelt kommen in der Neustädter Straße knapp 23000 Euro auf jeden Anlieger zu. „Kosten werden immer kontrovers diskutiert“, berichtet Kreisz aus der Kaufmannschaft. Doch: „Wir haben viele ‚Nichtmitglieder‘ die sich als Eigentümer unterstützend angeboten haben und die Maßnahme positiv sehen“.

Einfacher haben es die Hauseigentümer da in der Ritterstraße. Ihre Immobilien werden nicht nur optisch Teil der Fußgängerzone. Sie müssen auch weniger zahlen. Auf 460000 Euro belaufen sich die Kosten für den Ausbau laut Dittmar in diesem Bereich – aufgeteilt auf rund 15 Anlieger. Die allerdings müssen nicht drei Viertel, sondern nur die Hälfte der Kosten selbst tragen. Den Rest zahlt die Stadt, da es sich um eine sogenannte Erschließungsstraße handelt. Ebenfalls gemittelt läge der Anliegerbeitrag in der unteren Ritterstraße bei deutlich geringeren 15400 Euro. „Wir haben auch über Ratenzahlungen gesprochen“, berichtet Bürgermeister Rüdiger Heß von der Anliegerversammlung.

Kreisz indes betont, dass der „Gesamtrahmen“ bei den Planungen eingehalten worden sei. Die Kaufleute hätten sich stets für die Sanierung eingesetzt – aber eben auch für eine „maßvolle“ Herangehensweise. Die Mitglieder würden die anstehenden Arbeiten nicht als simple Verschönerung werten: „Wir sehen in dieser Investition ein wichtiges und deutliches Signal zur Wiederbelebung der Innenstadt“, sagt er unterstützend.

Eine Kröte allerdings müssen die Kaufleute schlucken: Anders als gewünscht ist eine Fertigstellung der gesamten Fußgängerzone noch vor Halloween 2014 laut Bauamtsleiter Karsten Dittmar wohl kaum umzusetzen.

Von Malte Glotz

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