Frankenberg

Singen ist gratis, Liederzettel kosten

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- Frankenberg (mba). Die Gema fordert Kindergärten in ganz Deutschland zum Abschluss von Lizenzverträgen für Musik auf. Auch Kindertagesstätten im Frankenberger Land haben Post von der Gesellschaft bekommen.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz Gema, sorgte nach Weihnachten für ein „Aufreger-Thema“ ersten Ranges: „Kitas sollen fürs Singen zahlen“ war eine Überschrift bei Spiegel-Online, „Gema fordert von Kitas Kinderlieder-Gebühr“ schrieb Bild und mit „Schöner die Kassen nie klingeln“ gab die Süddeutsche Zeitung der Sache einen Anschein von Weihnachtsbescherung. „Die Gema will Kindergärten künftig Gebühren abluchsen“, schrieb der Autor der Süddeutschen weiter. Was auch immer die Gema bezweckte: Unter Image-Gesichtspunkten war das ganze ein Desaster.

Die Gema, eine Art „Patentamt“ für Musikstücke, das für die Wahrung von Urheberrechten zuständig ist, hatte nach eigenen Angaben 36 000 Kindergärten im ganzen Bundesgebiet angeschrieben und aufgefordert – oder nach eigener Aussage: ihnen angeboten –, Lizenzverträge für das Vervielfältigen von urheberrechtlich geschützten Notenblättern abzuschließen. Auch Kindertagesstätten im Frankenberger Land bekamen Post von der Gema.

Das Angebot der Gema: Bis zu 500 kopierte Liederzettel kosten 56 Euro Jahreslizenz, für kirchliche und kommunale Kindergärten gibt es einen Rabatt: 44,80 Euro. Die Gema handelt in der Angelegenheit im Auftrag der „Verwertungsgesellschaft Musikedition“ (VG Musikedition). Die VG nimmt als staatlich anerkannte Treuhänderin im Auftrag ihrer Mitglieder, darunter Verlage, Komponisten, Textdichter und Herausgeber, zahlreiche Urheberrechte und Vergütungsansprüche wahr. Die VG stand hinter dem „Lizenzangebot“ an die Kindergärten – doch der Zorn richtete sich vor allem auf die Gema.

Die mediale Öffentlichkeit war über das Ansinnen der Gema empört, in den heimischen Kitas sorgte das Schreiben für Verwunderung. Einigen Erzieherinnen war gar nicht bewusst, dass Noten von modernen Kinderliedern unter das Urheberrecht fallen. Das Urheberrecht endet erst 70 Jahre nach dem Tod des oder der Urheber. Ältere, traditionelle Lieder fallen also nicht unter das Urheberrecht.

Die Gema war wegen des öffentlichen Unmuts, der ihr entgegenschlug, in den folgenden Tage darum bemüht, die Sache gerade zu rücken. „Oftmals irreführend wurde berichtet, die Gema wolle für das Singen von urheberrechtlich geschützten Weihnachtsliedern hohe Tantiemen verlangen oder das Singen gar verbieten“, erklärte die Gesellschaft auf ihrer Internetseite. „Grundsätzlich besteht in Deutschland nach dem Urheberrecht ein Kopierverbot für Werke der Musik. Dies umfasst auch das Kopieren von Noten, die zum Bildungszweck in vorschulischen Einrichtungen wie etwa Kindergärten genutzt werden“, teilt die Gema auf ihrer Internetseite mit. Das Singen selbst sei „natürlich vergütungsfrei erlaubt.“Die drei Tagestätten der Stadt Frankenberg werden nach derzeitigem Stand keine Lizenzen erwerben, teilte Sprecher Wolfgang Danzeglocke mit.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 7. Januar

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