Hatzfelder Chöre und das Ensemble Oni Wytars begeisterten mit alter Musik

Singend auf der Pilgerreise

Mit dem Dudelsack: Peter Rabanser setzte zur 300-jährigen Rindt-Orgel eigene Pfeifen-Kontraste.

Hatzfeld. Es war ein Brückenschlag zwischen Kulturen, eine ungewöhnliche, begeisternde Zeitreise durch Epochen, in denen sich Menschen als Pilger singend zwischen Orient und Okzident auf den Weg machten. Das Konzert, zu dem sich die in der Hatzfelder Chorgemeinschaft zusammengeschlossenen Chöre mit Uwe Gerike und das europaweit bekannte Ensemble für alte Musik „Oni Wytars“ mit Marco Ambrosini am Sonntag in der Emmaus-Kapelle vereinten, geriet zu einem weiteren Markstein in der Erfolgsgeschichte der Hatzfelder Emmaus-Konzerte.

Galt es doch zunächst einen Neubeginn zu feiern: Nach fast zweijähriger Renovierung erklang in der voll besetzten romanischen Basilika erstmals wieder konzertante Musik. Grund zur Freude für Bürgermeister Uwe Ermisch, der unter den Gästen auch Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab begrüßte und ihm für die fachliche und finanzielle Hilfe der Denkmalpflege des Landes Hessen dankte. Konzertorganisator Axel Marburg richtete in einer kurzen Abendandacht den Blick der Zuhörer auf den Sinn des Pilgerns und das Bild des Morgensterns hin, der den drei Weisen den Weg zur Krippe wies.

Der kernige Klang der 300-jährigen Rindt-Orgel, der Ricardo Delfino auch später bei „Bel fiore danza“ noch einmal südländische Triller-Ornamentik entlockte, eröffnete den Konzertabend. Mit Lichtern zogen die Sänger der Chorgemeinschaft Hatzfeld ein, passten sich mühelos dem Herzschlag der Lieder aus der Zeit der Pilger und Wallfahrer in lateinischer Sprache an, jubilierten zu Trommel, Fidel- und Harfenklang bei „Venite a laudare“ aus dem 13. Jahrhundert.

Klangbilder des Mittelalters

Einen besonderen Reiz machte die Kreation aparter, neuer Klangbilder mit Hilfe der mittelalterlichen Instrumente aus, etwa die Begleitung des Bach-Kantatensatzes „Jesus bleibet meine Freude“ durch Marco Ambrosini und Jule Bauer mit ihren Schlüsselfideln, die in die Schlussakkorde der Orgel gemischten Bordunklänge des Dudelsacks (Peter Rabanser), das antiphonische Musizieren von Chören und Solostimmen in den mittelalterlichen Laudes, ein wunderbar gesangliches „Alta trinità beata“ mit Fidel-Zwischenspielen oder die herb-schöne Harmonik von „La rosa“ aus den sephardischen Romanzen.

Aber auch vertraute Klänge europäischer Weihnacht waren zu hören: das Hatzfelder „Chörchen“ mit dem von einem Flötenquintett illustrierten Praetorius-Choral „Es ist ein Ros’ entsprungen“, der Männerchor Hatzfeld mit dem Trommellied von Wolfgang Lüderitz (Tiefe Trommel: Katharina Dustmann) und die gesamte Chorgemeinschaft mit „Oh Freude über Freude“ im modernen Satz von Norbert Feibel. Zum Schluss konnten alle mit einstimmen in den Chor „In dulci jubilo“, wahlweise deutsch oder lateinisch.

Das Hatzfelder Publikum war am Ende stolz auf seine Chorsänger, die sich unter dem Einfluss des Profi-Ensembles Oni Wytars zu Höchstleistungen motivieren ließen und dabei - ähnlich wie bereits vor zwei Jahren schon einmal - auch für andere Menschen neue Klangwelten erschlossen. Es gab lang anhaltenden, stehenden Beifall.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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