Damit die Jungpflanzen nicht verdursten

So geht das Gießen im Wald: Unternehmer und Forstamt Frankenberg entwickelten Bewässerungssystem

Kooperation: Lohnunternehmer Mario Waßmuth (2. von links) und der Frankenberger Forstamtsleiter Andreas Schmitt (rechts) arbeiten beim Bewässern von frisch gepflanzten Setzlingen im Wald mit dem Maschinenring Waldeck-Frankenberg zusammen, hier vertreten durch Matthias Münch (links) und Fritz Schäfer, dem Kreis- und Landesvorsitzenden des Maschinenrings.
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Kooperation: Lohnunternehmer Mario Waßmuth (2. von links) und der Frankenberger Forstamtsleiter Andreas Schmitt (rechts) arbeiten beim Bewässern von frisch gepflanzten Setzlingen im Wald mit dem Maschinenring Waldeck-Frankenberg zusammen, hier vertreten durch Matthias Münch (links) und Fritz Schäfer, dem Kreis- und Landesvorsitzenden des Maschinenrings.

Der landwirtschaftliche  Lohnunternehmer Mario Waßmuth und der Frankenberger Forstamtsleiter Andreas Schmitt haben ein Bewässerungssystem entwickelt und als Patent angemeldet: Es macht das Gießen von Jungpflanzen auch auf unwegsamen Waldgelände möglich.

Nach einem Versuch des Forstamts Frankenberg, im extrem trockenen April Jungpflanzen im Wald zu bewässern, waren alle Beteiligten frustriert: Das Beregnen großer Pflanzflächen mit Wasser aus einem Güllewagen hatte sich als viel zu aufwendig erwiesen und erreichte nur wenige Bereiche am Wegrand. Viele der 200 000 Bäumchen, die das Forstamt in diesem Jahr gepflanzt hatte, waren da schon vertrocknet. Wie sollte man noch einige retten? Dafür ist nun eine Lösung gefunden.

Im April hatte Forstamtsleiter Andreas Schmitt von einem gescheiterten „Verzweiflungsversuch“ gesprochen. Klar war damals, die Pflanzen müssen einzeln begossen werden. Doch wie? Wegen Corona kam eine große Gießaktion, bei der Ehrenamtliche und Feuerwehrleute mit Gießkannen, Schläuchen oder Rückenspritzen die Pflanzen hätten retten können, nicht in Frage.

Von dem Verzweiflungsversuch las Mario Waßmuth, der zwischen Frankenberg und der Burgwaldkaserne ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen betreibt, in der HNA und hatte eine Idee, wie man die Jungpflanzen auch in unwegsamen Waldarealen punktgenau bewässern kann. Der 37-Jährige schlug sie Forstamtsleiter Schmitt vor, der sofort zustimmte – und los ging es.

In nur zwei Tagen arbeitete Waßmuth, der Metallbauer ist, zusammen mit allen seinen neun Mitarbeiter an dem neuen Bewässerungssystem. Sie schweißten ein Gestell, hängten es an einen großen Schlepper an und beluden es mit zwei Wassercontainern. „Dann haben wir Pumpe und Schläuche montiert und immer wieder ausprobiert, bis in welche Distanz diese noch Wasser transportieren“, schildert Waßmuth. Bis ein Uhr nachts arbeitete das Team. Dann war das erste Bewässerungssystem fertig.

Fünf Liter pro Pflanze: David Vial von der Firma Waßmuth bewässert mit Schlauch und Lanze einen Setzling.

Zusammen mit Andreas Schmitt und weiteren Mitarbeitern des Forstamts wurde es ausprobiert und weiterentwickelt, bis „eine absolut zielführende Lösung“, wie der Forstamtsleiter es formulierte, gefunden wurde: Der Schlepper fährt mit den Containern auf Rückewegen weit in den Wald zu den Anpflanzungen. Aus den je 2000 Liter fassenden Behältern können mittels 45 Meter langen Schläuchen die Jungpflanzen direkt begossen werden. Die Schläuche werden dazu rechts und links des Treckers in den Wald gezogen. Stück für Stück fährt der Trecker dann weiter. So kann auch in relativ unwegsamen Gelände gegossen werden. An der Lanze ist ein Durchflusszähler angebracht: Pro Pflanze werden nach Erkenntnissen des Forstes fünf Liter gebraucht – also viel weniger Wasser, als bei einer Beregnung der kompletten Flächen.

„Es soll eine Anschubbewässerung für Jungpflanzen sein, damit diese Feinwurzeln ausbilden können“, sagt Schmitt. Setzlinge sollen in trockenen Zeiten möglichst nur einmal gegossen werden, bis sie genug Wurzeln ausgebildet haben, um sich mehr Wasser aus dem Boden zu ziehen. Das Gießwasser kommt aus dem Schönungsteich der Frankenberger Kläranlage. „Trinkwasser wird nicht verwendet“, sagt Schmitt. Auch die Entnahme von Oberflächenwasser sei denkbar. „Wir arbeiten an einem Genehmigungsverfahren.“

Dass das neue Bewässerungssystem funktioniert, habe die Praxis beweisen. Denn die begossenen Pflanzen wurden markiert, so dass man später nachvollziehen konnte, wie viele so überlebt haben. „Es sind 60 bis 70 Prozent“, sagt der Forstamtsleiter.

Allerdings kam das neue System etwas zu spät. Denn zuvor waren aufgrund der extremen Trockenheit schon zirka 20 bis 22 Prozent der in Setzlinge abgestorben. „Aber es steht uns bei kommenden Pflanzungen zur Verfügung. Vielleicht wird es schon im Herbst wieder gebraucht“, sagt Schmitt.

Ein großer Vorteil des neuen System ist laut Waßmuth und Schmitt, dass mit relativ wenig Wasser und Arbeitsstunden auskomme, das Gießen der Jungpflanzen also wirtschaftlich vertretbar sei.

Die Wiederaufforstung der aufgrund von Borkenkäfer und Trockenheit brachliegenden Waldflächen werde enorme Summen verschlingen, blickt der Forstamtsleiter sorgenvoll in die Zukunft.

Patent für das neue System angemedelt

Für das neue Bewässerungssystem haben Lohnunternehmer Mario Waßmuth und Forstamtsleiter Andreas Schmitt für Hessen-Forst ein bundesweites Patent angemeldet.

Geplant ist, dass die Firma Waßmuth die Bewässerungssysteme herstellt und weitervermietet, vielleicht auch verkauft. Mit im Boot ist der Maschinenring Waldeck-Frankenberg. Waßmuths Lohnunternehmen arbeitet für diesen Zusammenschluss von Landwirten und erledigt auch über den Maschinenring Arbeiten für den Forst.

Vorsitzender Fritz Schäfer (Basdorf) sieht in dem neuen System Potenzial für neue Aufträge. „Unser Landkreis besteht schließlich über 50 Prozent aus Wald“, sagte er bei der Vorstellung der Erfindung im Wald bei Somplar.

Gedacht ist auch, das Bewässerungssystem anderen Maschinenringen anzubieten. Da Schäfer auch Vorsitzender des Maschinenrings Hessen ist, kann er so auch zum Bekanntwerden der Technik fürs Gießen im Wald beitragen. Generell wollen der Forstamtsleiter, die Vertreter des Maschinenrings und Unternehmer Waßmuth, ihre Zusammenarbeit noch verstärken. Es gebe viele Anknüpfungspunkte, zum Beispiel beim Wegebau.

Bisher haben Waßmuth und der Forstamtsleiter ein bundesweites Patent für das neue System angemeldet. Es auf ganz Europa auszudehnen, wäre zu teuer geworden. Eventuelle Einnahmen gehen an das Unternehmen und an Hessen-Forst.

„Doch ums Geld ging es bei der Entwicklung gar nicht. Ich wollte einfach, dass wir ein System bekommen, mit dem wir die Jungpflanzen und unseren Wald schützen können“, sagt Waßmuth. Er ergänzt: „Unsere Unternehmen ist bekannt dafür, den Kunden neue und kostensparende Lösungen anzubieten.“

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