Frankenberg

Soldat tappt in „Diebesfalle“

- Frankenberg (gru/jos). Wegen versuchten Diebstahls musste sich ein 40-jähriger Berufssoldat aus Fritzlar am Donnerstag vor dem Frankenberger Amtsgericht verantworten.

Laut Anklage war der spielsüchtige und hoch verschuldete Oberleutnant im Juli vorigen Jahres in eine so genannte Diebesfalle getappt. Die „Falle“ war ein mit 20 Euro bestückter Briefumschlag mit Sichtfenster, durch welches das darin enthaltene Geld deutlich zu erkennen war. Der Umschlag war als Spende gekennzeichnet und lag offen auf dem Schreibtisch eines Offiziers in der Frankenberger Burgwaldkaserne. „Damit er nicht weg kommt“ Weil der Umschlag bereits mehrere Tage auf dem Schreibtische gelegen habe, habe er ihn an sich genommen, gestand der Angeklagte vor Gericht – „damit er nicht weg kommt“. Seiner Aussage nach wollte er das Geld später dem Oberstabsfeldwebel zukommen lassen, der zu dieser Zeit aber bei einem Lehrgang gewesen sei. – Die Staatsanwaltschaft warf dem Oberleutnant allerdings vor, dass er die 20 Euro in Wirklichkeit stehlen wollte. Laut Anklage hat der 40-Jährige das Geld an sich genommen und den Umschlag in den Papierkorb geworfen. Später wollte der Oberleutnant seine Tankrechnung mit dem Geld aus dem „Spendenumschlag“ bezahlen. Erst dabei bemerkte der Mann, dass es sich um präparierte Scheine handelte – denn seine Hände hatten sich verfärbt. Mit den Worten „Jetzt habt ihr mich erwischt“ soll der Oberleutnant laut Anklage schließlich in der Kaserne den versuchten Diebstahl zugegeben haben.Auch vor Gericht bestätigte der mittlerweile in Fritzlar stationierte Soldat die Geschehnisse wie von der Staatsanwaltschaft geschildert, beteuerte aber, er habe das Geld zurückgeben wollen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft schlug dem Angeklagten schließlich ein „Geschäft“ vor: Gegen die Zahlung von 300 Euro an das Soldatenhilfswerk werde er das Strafverfahren vorläufig einstellen. Damit war auch die Richterin Andrea Hülshorst einverstanden. Der Angeklagte willigte daraufhin sofort ein. Kinder würden leiden Der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte, dass der Soldat prinzipiell hätte verurteilt werden müssen, da er als Oberleutnant in einer gehobenen Position bei der Bundeswehr beschäftigt sei. Letztlich seien bei einer Verurteilung allerdings die drei Kinder des Angeklagten die eigentlichen Leidtragenden. Denn bei einer Verurteilung müsse der Soldat mit seiner Entlassung aus dem Dienst rechnen. Und dann könne er wohl keinen Unterhalt mehr für die drei Kinder leisten. Sie haben zwei verschiedene Mütter, die beide getrennt von dem Angeklagten leben.Der Staatsanwalt riet dem Oberleutnant angesichts seiner Situation dringend dazu, eine Schuldnerberatung aufzusuchen und seine Spielsucht durch eine psychologische Behandlung in den Griff zu bekommen.

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