Zum Verschnaufen bleibt keine Zeit

Soldat für zwei Minuten: HNA-Volontär robbt durch die Kaserne

+
Auf die Zähne beißen: In der Drahtgasse reibt sich HNA-Volontär Florian Künemund – in Jogginghose und Pullover – beim Robben über den Boden Knie und Ellbogen auf. Zum Aufgeben bringt ihn das aber nicht.

Frankenberg. In der Frankenberger Burgwaldkaserne überwinden Soldaten Hindernisse und robben über den Boden. HNA-Volontär Florian Künemund stellte sich der Herausforderung. Wie erfolgreich er war, lesen Sie hier. 

Mein Herz rast. Knie und Ellbogen schmerzen. Ich spüre fast jeden Muskel in Ober- und Unterkörper. Und doch macht es Spaß, sich für die Dauer von 2:26 Minuten zu fühlen wie ein Soldat. So lange benötige ich, HNA-Volontär Florian Künemund, um den Hindernisparcours in der Frankenberger Burgwaldkaserne zu absolvieren.

Nach dem gemeinsamen Gang entlang der rund 200 Meter langen Bahn und der Erklärung der zwölf Hindernisse durch Stabsfeldwebel Michael Brendel bekomme ich einen Helm und Handschuhe angezogen. Danach geht’s los.

Die ersten beiden Hindernisse bereiten keine Probleme. Einen kleinen Erdwall und einen Stützbalken überspringe ich ohne Mühe. Auf das Sprunggerüst klettere ich über einige Sprossen, doch dann erfahre ich, was es heißt, sich auf dem Parcours selbst überwinden zu müssen. Denn oben angelangt, geht es nur mit einem Sprung aus knapp drei Metern Höhe weiter. „Zögern darf man nicht“, sagt Brendel. Also riskiere ich den Absprung.

Zeit zum Verschnaufen habe ich nicht. „Es ist die schnelle Abfolge von verschiedenen Anstrengungen, die die Schwierigkeit ausmacht“, sagt der Stabsfeldwebel. Die Palisadenreihen verlangen Koordination, der Doppelquerbalken bringt mich nicht an meine Grenzen.

Geschafft: Gar nicht so leicht ist es, sich ohne Hilfsmittel über die zwei Meter hohe Holzwand zu schwingen.

Doch dann kommt sie: die Wand. Zwei Meter hoch ist das berüchtigte Hindernis und muss ohne Hilfsmittel, Stufen oder Griffe überwunden werden. „Wie soll das gehen?“, frage ich mich. Glücklicherweise zeigt mir Brendel beim Probedurchlauf die richtige Technik. Dort wende ich sie erst beim zweiten Versuch richtig an. Im „Wertungsdurchlauf“ schaffe ich es prompt. Aber nur mit aller Kraft und vollem Risiko ist es möglich, ein Bein im Sprung gegen die Wand zu stemmen und sich mit den Händen an der Oberkante festzuklammern, um das andere Bein hin-überzuschwingen. Den Rest meines Körpers ziehe ich nach. Arme und Beine wirken schwerer. Ich atme schneller.

Doch erst die Hälfte ist geschafft. Gut, dass ich als Kreisligafußballer zumindest ein bisschen Kondition habe. Nach einer weiteren Sprungübung stellt mich der Schwebebalken über eine Grube vor eine ganz neue Herausforderung: Ballance im hohen Pulsbereich finden. Gar nicht so leicht. Nur in langsamem Tempo - aus Angst vor dem Absturz - erreiche ich die andere Seite.

Dann wird es schmerzhaft. In der Drahtgasse muss ich unter Seilen entlang robben, ohne hängen zu bleiben. Jetzt wird mir die Kleidungswahl von Jogginghose und Kapuzensweatshirt zum Verhängnis. Knie und Ellbogen werden durch die Reibung auf dem Boden in Mitleidenschaft gezogen. „Das ziehst du jetzt trotzdem durch“, rede ich mir ein.

„Jetzt nochmal alles rausholen“, ruft Michael Brendel von der Seite. Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen. Eine Übung, bei der zwischen einzelnen markierten Feldern hin und her gesprungen werden muss, ist wieder einfacher zu bewältigen. Ebenso wie zwei Erdgruben, in die ich rein- und wieder rausspringen muss. In meinem Zustand geht das aber doch an die Substanz. Danach lege ich mich auf den Boden und atme durch. Ich habe Schmerzen, bin erschöpft, aber auch stolz auf mich und um eine Erfahrung reicher.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare