Frankenberg

Von „Sommerfrischlern“ und Aberglaube

- Frankenbegr (gi). Der „Frankenberger Heimatkalender“ für das Jahr 2010 hat seine Leser in Stadt und Land diesmal auf eine lange Geduldsprobe gestellt. Endlich liegt aber nun das beliebte Heimatjahrbuch auf dem Tisch.

Der Frankenberger Heimatkalender erscheint bereits im 28. Jahrgang und umfasst diesmal rund 170 Seiten mit interessantem Lesestoff wie Heimatgeschichte mit zahlreichen historischen Bildern, Anekdoten aus der Heimat, aktualisiertem Orts- und Behördenverzeichnis, noch übersichtlicher und farbiger. Das Titelblatt zeigt das Rosenthaler Fachwerkrathaus, gebaut in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zum Inhalt des „FHK“: „Bruno Schramm, ein Maler unserer Heimat“. Er malte das Titelbild zum Buch „Unser Rathaus“ und wirkte 18 Jahre – von 1946 bis 1964 – im Frankenberger Land. Der gebürtige Berliner, Jahrgang 1903, tat sich auch als Werbegrafiker hervor. Rektor i. R. Karl-Hermann Völker aus Wiesenfeld beschreibt den Lebensweg dieses künstlerischen Zeitgenossen. „Sommerfrischler in Dodenau“. Am Bahnhof wurden sie in den 1950er-Jahren abgeholt, und per Bollerwagen ging es zu den „Beherbergungsbetrieben“. Dodenau, im reizvollen oberen Edertal gelegen, hatte den Fremdenverkehr entdeckt. In den 1970er-Jahren wurden jährlich bis zu 45 000 Übernachtungen gezählt. Ein reich illustrierter Bericht von Reiner Gasse aus Battenfeld und Adolf Leng aus Dodenau. „Ein Kommen und Gehen in der Natur“. Der Naturfotograf Gerhard Kalden aus Frankenberg zeigt auf, welche Tier- und Pflanzenarten in den zurückliegenden Jahrzehnten bei uns verschwunden oder aber zurückgekehrt sind. Beispielsweise wächst die herausragende Orchidee „Frauenschuh“ im Kreisgebiet nicht mehr. Zurückgekehrt sind indes Schwarz- und Weißstorch und der Wanderfalke. „Rosenthal und Gemünden im Jahr 1780“. Archivar Armin Sieburg aus Marburg stellt einen interessanten Städtevergleich an, den er aus alten Steuerkatastern erforscht hat. In Gemünden – damals 923 Einwohner – arbeiteten 53 Knechte und 46 Mägde, in Rosenthal – damals 702 Einwohner – waren es 30 Knechte und 41 Mägde. Sowohl die Rosenthaler als auch Gemündener waren von allen Kriegslasten befreit. „Bennighausen – Spuren einer Wüstung“. Heute ist von dem „verschwundenen Dorf“ nur noch der Kirchenstumpf zu sehen. Rektor i. R. Walter Sellmann aus Allendorf (Eder) hegt und pflegt diesen viel besuchten Ort im tiefen Wald zwischen Osterfeld und Rennertehausen. Bennighausen wird erstmals 1312 urkundlich erwähnt. Die Wüstwerdung liegt zwischen 1485 und 1502. Ursache: „Brand und Fehde“. „Aberglaube im Jahr 1762 in Bottendorf“ – ein Bericht des Historikers Dr. Ulrich Stöhr aus Bottendorf. Wir erfahren, dass sich damals Emanuel Heckrod, Johannes Finger sowie Susanne, die Tochter des Henrich Roese, ferner Jakob Mantel und die Ehefrau des Johannes Benner verleiten ließen, mittels abergläubischer Praktiken „Schätze und Reichthümer“ zu bekommen. Dahinter steckte die geheimnisvolle Weibsperson Anna Catharina Crämerin. „Die Sache mit dem Spucknapf“ sowie die Anekdoten „Die Brille“ und „Die Forelle“ stammen aus der Feder des Schmittlotheimer Heimatforschers Walter Zarges. Es geht um Kurioses. „Land unter“ im Frankenberger Land. Die Historikerin Anita Lorenz aus Oberorke berichtet über das katastrophale Hochwasser im Februar 1909. Der Viermündener Pfarrer Paul Ramdohr war Augenzeuge dieser Katastrophe. Heftiger Schneefall, einsetzende Schneeschmelze und ausgiebiger Regen waren Ursachen dafür, dass nicht nur die Eder, sondern auch die Nebenflüsse Nuhne, Orke und Itter über ihre Ufer traten. „Jämmerlich erwürget, elendig verhungert“, der verheerende Dreißigjährige Krieg suchte auch das Dorf Löhlbach heim. Anhand alter Kirchenrechnungen belegt der Historiker Dr. Horst Hecker aus Haubern das Ausmaß der Plünderungen, die sich um das Jahr 1624 zugetragen haben. Ab 1628 wurde das Frankenberger Land immer wieder von Seuchezügen heimgesucht, die von Soldaten eingeschleppt worden waren. „Eine Afrikanerin wird bei uns heimisch“. Der Naturfotograf Gerhard Kalden aus Frankenberg berichtet in einem weiteren bebilderten Aufsatz über Nilgänse, die seit Sommer 2000 im Landkreis Waldeck-Frankenberg erfolgreich brüten. Beobachtet wird die „Afrikanerin“ bereits seit 1996 in unseren Gewässern. Schnee und Eis scheinen Nilgänsen nichts auszumachen. Im Niltal ist es in der Regel doppelt so warm wie bei uns. „Die Veltensmühle bei Schmittlotheim“. Über das Schicksal der alten Mühle des Wappenschmieds Peter Mitze berichtet der Heimatforscher Walter Zarges aus Schmittlotheim. Die Schmiedetradition am Lorfebach geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das alte Mühlengebäude wurde 1993 abgebrochen. Hier lebte Anfang des 19. Jahrhunderts der Müllermeister Valentin Trachte mit seinen 16 Kindern. „Schluss mit der Leibeigenschaft“ im Amt Battenberg. Rektor i. R. Eckhard Guntermann hat in einem Aufsatz die Auswirkungen und praktische Umsetzung bis zur Ablösung der Fronden im Jahr 1826 untersucht. 1774 gab es noch über 731 Leibeigene im Amt Battenberg, das 6000 Einwohner zählte. „Das Sportjahr 2008/09“ von Sportjournalist Dirk Schäfer lässt noch einmal sportliche Höhepunkte lebendig werden. Aber es geht dabei auch um Krisen und „Hürden“, die im wahrsten Sinne des Wortes überwunden werden mussten. „Von Jahr zu Jahr“, die 28. Jahres­chronik im Frankenberger Heimatkalender stammt, wie seit eh und je, aus der Feder des verantwortlichen FHK-Redakteurs Horst Giebel. Die Chronik hat den Heimatkalender zum begehrten Sammelobjekt wachsen lassen.Der „Frankenberger Heimatkalender 2010“ ist im Buchhandel und in der Geschäftsstelle der Frankenberger Zeitung zum Preis von 6,40 Euro erhältlich.

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