50 Jahre Hotel Ederblick

Im Sonderzug zum Urlaub in Dodenau

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Hans-Joachim Pitz vor dem Hotel Ederblick in Dodenau. Er hat das Hotel viele Jahre geführt und schon beim Bau ab 1957 geholfen. Die Idee, eine Pension außerhalb Dodenaus zu bauen, hatte sein Vater Hermann Pitz senior.Foto: Mark Adel

Battenberg-Dodenau - Der Blick ins Edertal verleiht dem Hotel den Namen: Seit 50 Jahren besteht der Familienbetrieb. Seniorchef Hans-Joachim Pitz hat in dieser Zeit auch den Wandel im Tourismus erlebt.

Urlauber, die zwei oder drei Wochen bleiben, „die gibt‘s heute nicht mehr“, sagt Hans-Joachim Pitz. Heute sind es vor allem Naturfreunde, Wanderer oder Radler, die im Luftkurort für zwei bis drei Tage Erholung suchen - und Monteure, die Aufträge in der Region haben und im Hotel schlafen.

Sein Vater Hermann Pitz senior hatte in den 50er Jahren die Idee, eine Pension außerhalb des Dorfs zu bauen. 1954 kaufte er das Grundstück von der Gemeinde. Die Familie lebte mitten in Dodenau in der Auestraße. Hermann Pitz arbeitete als Maler und Anstreicher. Der Tourismus war damals noch eine zarte Knospe, die gerade zu blühen begann. 1955 wurde der Verkehrsverein gegründet, der den Bau des Hotels befürwortete.

1957 begann die Familie mit dem Bau und setzte die Fundamente. 1958 war der Rohbau fertig, das Dach konnte gedeckt werden. Baufirmen wurden mit Ausnahme von Zimmermännern nicht hinzugezogen - die Familie schulterte das Projekt alleine. Das Holz für die Zimmerarbeiten wurde aus dem eigenen Wald mit dem Schlepper zur Baustelle gefahren.

Hermann Pitz senior setzte beim Hausbau vor allem auf die Arbeitskraft seiner vier Söhne Manfred, Hermann, Hans-Joachim und Peter. Unterstützt wurden sie auch von ihrer Schwester Irene Schmidt, geborene Pitz. Weil im Sommer wegen der Landwirtschaft nur wenig Zeit war, werkelten die jungen Männer vor allem in Herbst und Winter auf der Baustelle.

Im Frühjahr 1962 mussten sie dann Sonderschichten einlegen: Vater Hermann hatte ein Vertrag mit einem Essener Reiseunternehmen geschlossen - und der galt ab April 1962. Es klappte: „Der Vater hat uns immer angetrieben“, erinnert sich Hans-Joachim Pitz. „Wir haben fast Tag und Nacht arbeiten müssen.“ Doch der Hausbau war nicht der einzige Kraftakt. Die Zufahrt wurde erst 1961 gebaut, nachdem sie im Zuge der Flurbereinigung an die Familie gegangen war. Die Stromleitung musste vom Dorf aus gelegt werden, die Kosten übernahm Hermann Pitz sen. Das Trinkwasser kommt bis heute aus einer eigenen Quelle 350 Meter hinter dem Haus.

Am ersten Ostertag 1962 - es war der 22. April - wurde das Hotel feierlich im Kreise geladener Gäste eröffnet und einen Tag später der Öffentlichkeit übergeben. „Waldpension am Ederstand“ hieß das Haus damals noch, bekam aber schon 1963 den Namen „Ederblick“. Hans-Joachim Pitz führte den Betrieb zusammen mit seinem Bruder Hermann als Angestellte des Vaters, Hans-Joachim Pitz gab dafür 1963 den Arbeitsplatz bei der Firma Viessmann auf.

Die damals 50 Betten blieben selten leer. 1963 schloss die Familie einen Vertrag mit den Jaegerwerken in Wuppertal. „Die suchten ein Haus mit 50 Betten für ihre Betriebsangehörigen“, erinnert sich Hans-Joachim Pitz.

In Sonderzügen kamen die Arbeiter mit ihren Familien von Wuppertal nach Dodenau: „Alle 14 Tage brachte die Bahn 50 Urlauber und nahm 50 Gäste mit zurück nach Wuppertal“, erzählt Pitz.

Die Familie wusste die Gäste zu unterhalten: „Alle 14 Tage war bunter Abend, da sind die Dodenauer Gartenzwerge aufgetreten.“ Die Gruppe um Texter Helmut Schmidt war damals auch über die Dorfgrenzen hinaus populär. „Der Saal war voll“, sagt Hans-Joachim Pitz.

1970 endete die Zeit, dass die Arbeiter aus Wuppertal bezahlten Urlaub in Dodenau machen konnten. „Kontakte bestehen noch heute“, erzählt Pitz.

1971 bis 1974 war das Haus voll mit französischen Viessmann-Mitarbeitern, die in Allendorf angelernt wurden. 1974 und 1975 verbrachten Mitarbeiter der Baunataler Lebenshilfe-Werkstätten Freizeiten im Hotel Ederblick.

Von 1976 bis 1986 schickte der Berliner Senat Familien aus der Großstadt zum Urlaub nach Dodenau. „In dieser Zeit ist der Spitzname ‚Immenhof‘ entstanden“, erinnert sich Hans-Joachim Pitz. Denn wie in den berühmten Filmen konnten die Gäste auch in Dodenau Zeit mit und auf Pferden verbringen. Die Familie hatte 1969 mit der Ponyzucht begonnen und 1972 einen Stall gebaut. Die Landwirtschaft war bis vor acht Jahren ein Hobby von Hans-Joachim Pitz.

Auch in den 80er Jahren sorgten bunte Abende für Unterhaltung. Die „Dodenauer Oberkrainer“ wurden in dieser Zeit gegründet, auch der Kinderchor trat häufig für Urlaubsgäste auf. Ab 1986 vermittelten eine Zeitung aus Wiesbaden, die Stadt Wiesbaden und der Rheingau-Taunus-Kreis regelmäßig Urlauber ins Hotel - bis 2002. „Es hat dann mit dem Fremdenverkehr nachgelassen“, sagt Hans-Joachim Pitz. Auch Ausflüge von Kegelclubs spielen seitdem fast keine Rolle mehr.

Doch die Lage Dodenaus lockt immer wieder Naturfreunde. „Seit 2009 sind es wieder mehr Gäste, Kurzurlaub wird oft in Dodenau gemacht“, sagt Hans-Joachim Pitz. Das Hotel liegt nahe am Ederauen-Radweg, am Wildgehege, am Freibad und an Wanderwegen. „Montags bis freitags übernachten hier Monteure, freitags bis sonntags Radler und Wanderer“, sagt Bettina Pitz, die sich seit 1993 um die Geschäfte kümmert. Vier Mitarbeiter sind heute im Hotel beschäftigt.

Der Betrieb hat sich im Lauf der Jahrzehnte gewandelt, wurde mehrfach umgebaut und erweitert: Die anfangs installierten Gemeinschaftstoiletten und -duschen in den Fluren wichen nach und nach, die Zimmer sind heute mit Dusche und WC ausgestattet. Die Pferdezucht hat die Familie aufgegeben. Drei Haflinger, ein Shetland-Pony und zwei Esel grasen aber noch auf den Wiesen neben dem Haus.

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