Frost hält bremst Pollenflug aus

Mit der Sonne kommt der Blütenstaub

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Noch ist es trist und farblos im Frankenberger Land. Wer nicht gerade allergisch auf Weidenkätzchen ist, kann befreit aufatmen. Die Pollen von Birken und anderen Frühblühern werden Allergiker allerdings schon bald wieder plagen.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Noch können viele Allergiker befreit aufatmen und die frische Luft länger als gewohnt genießen: Der lange Frost hat den Pollenflug bisher verhindert. Einige milde und sonnige Tage können allerdings schnell für Schnupfnasen und gerötete Augen sorgen.

Schniefen, Niesen, tränende und juckende Augen, manchmal sogar Atemnot: Für etwa jeden fünften Deutschen hat der Frühling nicht nur positive Seiten. Denn mit der erblühenden Natur kommen auch die Pollen einher, die durch die Luft fliegen und Allergikern das Atmen schwer machen.

Noch lässt der Frühling allerdings auf sich warten und gibt den Allergikern noch ein bisschen Aufschub. „Voriges Jahr um die Zeit war die Birke schon sehr aktiv“, erklärt der Frankenberger Internist Dr. Wolfgang Grebe. „Durch den Frost lässt sie dieses Jahr bisher noch auf sich warten.“

Noch vor der Birke blühen etwa Hasel oder Erle. Bereits im Dezember können diese Bäume bei milden Temperaturen anfangen zu blühen. „Wir hatten auch schonmal Weihnachten bei 15 Grad und plötzlich saß meine Praxis voll mit Heuschnupfen-Patienten“, erinnert sich der Arzt. Normalerweise fallen den Allergikern Erle und Hasel im März am stärksten zur Last. Aber selbst diese Frühblüher lassen laut Grebe derzeit noch auf sich warten. „Das kann sich aber schnell ändern, wenn mal zwei Tage die Sonne scheint und die Temperaturen bei zehn Grad liegen“, schätzt der Mediziner.

Wenn der erste Blütenstaub in die Schleimhäute von Allergikern kommt, geht es schon los mit juckenden, roten Augen und einer laufenden Nase. „Mit Augentropfen und Nasenspray können Betroffene die Symptome lindern“, erklärt Grebe. Diese Mittel gibt es frei verkäuflich in der Apotheke. Außerdem können Allergiker mit Tabletten über die Phase kommen, in der die Pollen blühen, die ihnen das freie Atmen schwer machen. „Manche Menschen nehmen zwei Wochen Tabletten und dann sind sie wieder beschwerdefrei“, erklärt er. Einigen seiner Patienten helfe es schon, wenn sie im Winter beginnen, ihr Immunsystem zu stärken, indem sie auf ihre Ernährung achten. „Zink und Selen sind dabei beispielsweise wichtig.“

Wen es schlimmer erwischt hat, dem helfen Mediziner schonmal mit Cortison über die Allergie-Zeit. „Dann empfehle ich aber eine Desensibilisierung in der pollenfreien Zeit“, erklärt der Frankenberger Internist. Seit etwa vier Jahren gibt es eine neue Methode, bei der Patienten im Winter Tropfen nehmen. Diese enthalten die Wirkstoffe, auf die der Patient allergisch reagiert. Grebe erklärt, dass die Anzahl der Tropfen jeden Tag erhöht wird. „Dadurch kann der Patient eine Immunität entwickeln.“

„Früher war eine Allergie eher eine Ausnahme“, sagt Grebe. Heute treten schon im Kindesalter viel häufiger Allergien gegen Blüten, Tiere oder Hausstaubmilben auf, als noch vor einigen Jahren. Das könnte verschiedene Ursachen haben: Andere Hygienestandards oder veränderte Umweltfaktoren etwa. „Vielleicht wird unser Immunsystem schlechter“, nennt der Internist eine mögliche Erklärung. Dafür spreche auch, dass Menschen immer häufiger im Laufe ihres Lebens erst eine Allergie bekommen. „Die können sie auch wieder verlieren“, sagt Grebe. Allergien seien dynamisch - und individuell.

Deswegen empfiehlt Grebe, Allergien durch Ärzte abklären zu lassen. Die können ihrem Patienten eine individuelle Therapie zusammenstellen. Denn eine Allergie kommt nicht immer allein: „Es gibt Kreuzallergien“, erklärt der Internist. Oft unterschätzten Patienten, welche Wirkung eine Allergie gegen Blütenstaub auf die Ernährung haben kann. „Wer auf Gräser allergisch reagiert, der sollte auch aufpassen, wenn er Soja oder Nüsse isst.“ Birkenpollen hingegen müssen ebenfalls nicht nur eine schnupfende Nase hervorrufen - mit ihnen kann eine Allergie gegen Curry, Kiwi oder Äpfel kommen.

Einen Allergie-Test auf der Haut - den sogenannten Pricktest - können Patienten beim Hausarzt, Internisten oder Hautärzten machen lassen. Mit Bluttests und Provokationstest können laut Grebe ebenfalls Allergien getestet werden. Laut der Krankenkasse AOK gehen 90 Prozent aller Pollenallergien auf das Konto von Haselnuss, Erle und Birke, sowie Gräser, Roggen und Beifuß. Zehn Prozent der Allergiker reagieren auf Blütenstaub hunderter anderer Pflanzen. Dazu zählt etwa die Ambrosia-Pflanze. Sie war ursprünglich in Nordamerika heimisch und geht inzwischen immer mehr Allergikern in Deutschland auf die Nase.

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