Nils Kronemeyer hat Arbeit als Hotel-Direktor aufgenommen · Aus Stadtweinkeller wird Alt-Frankenberg

„Sonne“: Neuer Hotel-Direktor und neue Idee

+

Frankenberg - Mit viel Herzblut will sich der neue Direktor des Hotels „Die Sonne Frankenberg“ in die Arbeit stürzen. Als erstes Ziel hat sich Nils Kronemeyer gesetzt, „die Seele des Hauses kennenzulernen“, um im zweiten Schritt neue 
Ideen zu entwickeln.

Erst am Montag hat der 35-Jährige seine Arbeit im Hotel am Frankenberger Rathaus aufgenommen. Wohl fühlt er sich dennoch schon. Und dies hat auch mit Kontrast zu tun. „Es ist schön, einfach mal wieder spontan ins Auto zu steigen und loszufahren.“ Dass er diese Selbstverständlichkeit als Besonderheit darstellt, liegt an dem Ort seiner letzten Arbeitsstelle. Kronemeyer war Hotel-Direktor auf Helgoland – auf der Nordseeinsel ist sowohl Auto- als auch Fahrradfahren verboten. Der Eingewöhnungsprozess wird deshalb auch noch ein paar Tage dauern. Denn die Unterschiede zum Frankenberger Land sind vielfältig, verdeutlicht er. Helgoland hat etwas mehr als 1300 Einwohner, Frankenberg fast 19 000 Bürger. In der Stadt gibt es Metzger und etliche Supermärkte. Auf der Insel nur einen Tante-Emma-Laden. Beruflich muss er sich jedoch weniger umstellen. Er sei ein Kind der Privathotellerie, erläutert Kronemeyer und berichtet von seinen Stationen. Ein Hotel war in Besitz eines Bauunternehmers, ein anderes gehörte einem Reeder. Nun ist er in der „Sonne“, dem Haus von Martin Viessmann. Und diese inhabergeführten Hotel böten immer „größere Herausforderungen und Möglichkeiten als Häuser der großen Ketten“.

Die „Sonne Frankenberg“ sei ihm bereits ein Begriff gewesen, Geschäftsführer Gerhard Pohl kannte er jedoch nicht – obwohl der ebenfalls über Jahre in norddeutschen Hotels gewirkt hat. Pohl leitete Häuser auf Sylt. „Ich habe mich sehr gefreut, Nils Kronemeyer für uns gewinnen zu können“, spart der Geschäftsführer nicht mit Vorschusslorbeeren für seinen leitenden Mitarbeiter. Denn Kronemeyer erfülle exakt das Profil, das er für die Nachfolge von Hotel-Direktorin Kerstin Scholl gesucht habe: eine Person, die die Rolle „des Gastgebers“ in der „Sonne“ übernehme. Und dies traut Pohl dem neuen Direktor zu: „Er hat die fachliche Qualifikation.“

Weitere Duftmarken setzen

Gelernt hat Kronemeyer seinen Beruf von der Pieke auf. Nach Abi und Zivildienst ließ er sich in Niedersachsen zum Hotelfachmann ausbilden, arbeitete danach auf Borkum und schlug dann den Weg ein, um seinem Traum Schritt für Schritt näherzukommen. „Es war immer mein Wunsch und Bestreben, als Hotel-Direktor arbeiten 
zu dürfen.“ Nach diversen Stationen übernahm er auf Helgoland
das exklusive Designhotel „Atoll Ocean Resort“. Zum 1. Januar ist dieser „touristische Leuchtturm“ der Insel verschwunden. Das Energie-Unternehmen WindMW aus Bremerhaven hat das Hotel für das nächste Jahrzehnt reserviert. Die 50 Zimmer stehen fortan nur noch den Mitarbeitern und Gästen des Windparkbetreibers zur Verfügung. Kronemeyer entschied sich mit seiner Lebensgefährtin für den zehnten Umzug im zehnten Jahr. Auch sie ist vom Fach und verstärkt das „Sonne“-Team.

Haus, Mitarbeiter, Gegebenheiten, all dies will Kronemeyer behutsam kennenlernen, „ohne alles besser machen zu wollen“. „Das Hotel ist ein tolles Objekt, dem man die Pflege der vergangenen Jahre auch ansieht.“ In der „Sonne“ sei sehr gute Arbeit geleistet worden. Diese gelte es weiterzuführen. „Gemeinsam wollen wir das Hotel und den Standort Frankenberg weiter nach vorne bringen“, erklärt der 35-Jährige. Und die Ausgangslage bewertet er als ausgezeichnet: Die sportlichen und kulturellen Möglichkeiten in der Region, der Wellnessbereich des Hotels, die mit dem Michelin-Stern dekorierte Küche des Hotels, „all das ist perfekt“. Die neue Aufgabe verstehe er als Glück und Chance, „weitere Duftmarken zu setzen“. Die „Sonne“ solle mit „den tollsten Häusern Deutschlands in einem Atemzug genannt werden“.

Wirtshaus für die Region

Für die strategische Ausrichtung des Hauses bleibt weiter Geschäftsführer Gerhard Pohl verantwortlich, der bereits akribisch an einem neuen Projekt arbeitet. Aus dem Stadtweinkeller soll Ende des Frühjahrs das Alt-Frankenberg werden. Nach dem Vorbild des Alt-Battenberg, das wie die „Sonne“ der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg gehört, möchte Pohl regionale und bodenständige Angebote etablieren. „Das Alt-Frankenberg soll vom regionalen Publikum stark angenommen werden“, skizziert er seine Vorstellungen. Der Eingang ist vom Untermarkt aus möglich, niemand muss durch das Hotel, um das Angebot zu nutzen. Der Geschäftsführer hofft, durch ein solches Wirts- und Gasthaus die „Hemmschwelle, das Angebot zu nutzen“, beim Publikum noch weiter zu senken. In Battenberg werde mit diesem Konzept jedenfalls gut gefahren.

Von Rouven Raatz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare