Bürgerinitiative Bachwiesen in Röddenau

Sorge vor Hochwasser im Neubaugebiet

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Die Einwände von 73 Anwohnern und Mitgliedern der „Bürgerinitiative Bachwiesen“ gegen das Röddenauer Neubaugebiet nahm Bürgermeister Rüdiger Heß gestern entgegen (oben). Die Initiative weist mit Bildern von überfluteter Wiese und überfluteter Straße auf die Gefahr von Hochwasser hin (rechts).Fotos: gl/pr

Frankenberg - Hochwasser und starkes Verkehrsaufkommen befürchtet die "Bürgerinitiative Bachwiesen", wenn das geplante Neubaugebiet kommen sollte. 73 Einsprüche überreichte sie deshalb gestern an den Bürgermeister.

Der Protest in Röddenau ist heftig: 320 Unterschriften fanden sich in kürzester Zeit gegen das geplante Neubaugebiet Bachwiesen, dass das Parlament im Frühling beschlossen hatte. 73 Einwände gab es bislang gegen den Beschluss - weitere sollen folgen. Die Beschwerden von Anliegern und Mitgliedern der „Bürgerinitiative Bachwiesen“ übergab diese gestern an Bürgermeister Rüdiger Heß, der versprach, sie an die zuständigen Stellen weiterzuleiten.

Der Rathauschef wertete es als Zeichen gelebter Demokratie, dass sich so viele Menschen engagierten. Es sei „wichtig und notwendig“, wenn die Probleme mit dem Baugebiet bekannt würden. Zugleich schätzte er die Chancen eines Erfolgs der Bürgerinitiative gering ein: Gerade diese Woche habe es Kontakt mit den zuständigen Fachbehörden gegeben, die die Stadt in ihrem Vorgehen bestärkten.

Dabei sieht die Bürgerinitiative viele Gründe, warum das Gebiet verhindert, mindestens aber auf 10 bis 15 Häuser beschränkt werden müsse - geplant sind bis zu 47 Bauplätze. „Viele sind zu uns gekommen und haben uns von schlaflosen Nächten erzählt“, sagt Monika Güttinger, eine von fünf gleichberechtigten Sprechern der Initiative. Die häufigste Sorge: Hochwasser. Seit Jahrhunderten sei das Gebiet als Überschwemmungsgebiet bekannt. Mit Fotos verschiedener Jahrgänge, mit Berichten von Anwohnern des potenziellen Neubaugebiets wie des Goldbachs wollen die Mitglieder belegen, wie gewöhnlich Hochwasser am Röddenauer Ortsrand, direkt neben dem Kreisel, sei. Die Befürchtung ist, dass sich die ohnehin schwierige Situation weiter verschärft: Die Initiative rechnet mit 3,5 Hektar zusätzlich versiegelter Fläche. Zudem würden mögliche Unterkellerungen den Grundwasserspiegel weiter steigen lassen. „Dabei kommt das Grundwasser nach schneereichen Wintern schon von selbst aus dem Boden“, sagt Güttinger. Zugleich warnen sie mögliche Bauherren vor einem Totalschaden und sagen: „Röddenau soll nicht Röderau werden“. Der Ort Röderau wurde nach der Wende in die Elbauen gebaut und musste nach dem Hochwasser 2002 komplett abgerissen werden - mit 80 Häusern, Bäckerei, Autohaus.

Doch es gibt weitere Punkte, von denen der Verkehr wohl am schwersten wiegt: Bei einem Ausbau der bisherigen Feldwege fürchten nicht nur die direkten Anwohner, dass Röddenau als Abkürzung genutzt werden könnte, um von der Bundesstraße nach Somplar, Hallenberg, Bromskirchen zu kommen.

Wie bei den meisten Bauprojekten, gegen die sich Widerstand regt, machen die Mitglieder der Initiative auch Umweltbedenken geltend: Sie bezweifeln die städtischen Gutachten, diese seien zu einem falschen Zeitpunkt ausgeführt worden. Ein eigenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass mindestens zehn schützenswerte Pflanzenarten in dem Gebiet vorkommen. „Dann wäre es eine schützenswerte Fläche nach Bundesnaturschutzgesetz“, sagt Güttinger. Der Schmetterling „Dunkler Ameisenbläuling“, der in den Bachwiesen vorkommt, ist zudem laut Gutachten beinahe unmöglich umzusiedeln.

Schließlich kritisiert die Initiative das Stadthaus: Bislang sei die Akteneinsicht weitgehend verwehrt worden, Antworten auf Anfragen blieben aus. Doch die Mitglieder sind entschlossen, den Bau zu verhindern.

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