Heß verlängert umstrittene Regelung

Sperrstunde bleibt bis 2017

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Frankenberg - Die Zahlen der Polizei sind eindeutig – ihre Bewertung aber geht in unterschiedliche Richtungen: Seit Verlängerung der Sperrzeit haben nächtliche Straftaten in Frankenberg abgenommen.

Weniger Sachbeschädigungen, weniger Körperverletzungen: Die Kriminalstatistik der Polizei spricht in Bezug auf die Sperrstunde eine eindeutige Sprache, die Pressesprecher Volker König mit einem Satz zusammenfasst: „Die Einführung hat sich gelohnt“. Ein Jahr ist es her, dass Bürgermeister Rüdiger Hess die Sperrzeit um zwei Stunden verlängerte und das Feiern – von genehmigten Ausnahmen abgesehen – nurmehr bis 3 Uhr gestattete.Was weiterhin bestehen bleibt, ist der unterschiedliche Blick auf das Nachtleben. Polizei und Bürgermeister sprechen von einem Erfolg, die Jugendorganisationen der Parteien fordern klärende Gespräch (siehe Kasten) und Discotheken-Betreiber Benjamin Battefeld sieht die meisten seiner Befürchtungen bestätigt. Er berichtete von Massenschlägereien, demolierten Autos und dem stetig größer werdenden Problem des „Vorglühens“: „Wir weisen jetzt 40 Prozent mehr Gäste schon an der Tür ab, als vor Einführung der Sperrstunde – weil sie zu betrunken sind“, sagt er.

Weniger „Rohheitsdelikte“

Die Daten der Polizei sagen etwas anderes. „Rohheitsdelikte“ – also Körperverletzungen, Raub, Straßenkriminalität und Straftaten gegen die persönliche Freiheit – gab es 2013 genau 60. Im Jahr zuvor waren es 84. Dabei gilt die verlängerte Sperrstunde erst ab dem 1. April 2013. Deutlich sind auch die Körperverletzungen und Sachbeschädigungen zurückgegangen (siehe Grafik). Aussagekräftig sind die Vergleichswerte der drei Monate ohne zu den neun Monaten mit verlängerter Sperrstunde: Die Körperverletzungen im sperrzeitrelevanten Bereich von 3 bis 6 Uhr lagen von Januar bis März bei sechs – in den übrigen Monaten kamen 13 weitere hinzu. Gefährliche Körperverletzungen wurden in diesem nächtlichen Zeitraum bis Ende März zwei verzeichnet – in den neun folgenden Monaten nur drei weitere.Daher soll auch zukünftig in Frankenberg die Sperrzeitverlängerung weiter gelten. Die neue Verordnung, die im Februar diesen Jahres veröffentlicht wurde, tritt heutein Kraft und hat Gültigkeit bis Ende 2017. „Aufgrund der vorliegenden Zahlen ist auch nach Ablauf des Probejahres keine andere Entscheidung möglich“, bilanziert der Rathauschef. (gl)

Die Stellungnahme der Jugendverbände und die Sorgen des Diskotheken-Betreibers lesen Sie in der Frankenberger Zeitung vom Dienstag, 1. April.

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