Letzte Pilgerwanderung des Dekanats Biedenkopf

Spiritualität und Natur

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Durchs Edertal führte die erste Pilgerwanderung am 29. April 2006. Die Teilnehmer besuchten die Kirchen in Rennertehausen, Allendorf, Battenfeld. Battenberg, Berghofen und Laisa.

Allendorf-Osterfeld - Der Lebensweg gleicht einer Wanderung. Wer pilgert, findet Zeit für Besinnung, schöpft neue Kraft aus dem Glauben. Seit 2006 haben Joachim Strauch und Walter Sellmann Pilgerwanderungen durchs Dekanat angeboten. Am Samstag findet der letzte Marsch statt.

Joachim Strauch hatte Walter Sellmann damals schnell von der Idee der Wanderungen überzeugt. „Pilgern wurde damals gerade zu einem neuen Trend, nicht nur bei Katholoken, sondern auch bei evangelischen Christen“, erinnert sich Strauch, der das Osterfelder Lebenshaus leitet und auch Bildungsreferent des Dekanats Biedenkopf ist.

Sellmann war damals Vorsitzender des Gebirgs- und Wandervereins Oberes Edertal. Gemeinsam haben sie die Touren zwischen Hesborn und Elmshausen ausgearbeitet: Zwei pro Jahr, jeweils etwa 13 bis 14 Kilometer lang. Die Wanderung am Samstag ist die 20. - ein guter Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen, sagt Joachim Strauch. „Schritt für Schritt - Pilgern im Dekanat Biedenkopf“, so haben die beiden damals die Wanderreihegenannt.

Jede Etappe führte zu vier bis fünf Kirchen, die besichtigt wurden und in denen auch Gelegenheit gegeben wurde zum Innehalten. „Es sind nicht ausschließlich regelmäßige Kirchgänger, die teilnehmen“, sagt Walter Sellmann. Wer Spiritualität sucht, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, findet sie beim Pilgern - auch direkt vor der Haustür. „Es ist etwas anderes als nur pure Wanderlust“, erklärt Strauch. „Es kommt darauf an, dass man den Weg und das Leben miteinander verbindet. Das ist das Spirituelle.“

Während der Wanderung und bei den Andachten in den Kirchen am Wegesrand gab es deshalb immer kleine Meditationen und Geschichten, die zum Pilgern passen. Zu Beginn wurde vor der ersten Kirche das Lied „Tut mir auf die schöne Pforte“ gesungen. Manch einer fand auf dem Weg näher zum Glauben. „Es ist die Verbindung zwischen Bibel und Wandern, zwischen Spiritualität und Landschaft, die den Reiz aus macht“, sagt Sellmann. „Und ich habe Kirchen gesehen, die ich sonst nie kennengelernt hätte.“

Auf dem Weg blieg Zeit für Begegnungen und Gespräche, ebenso beim gemeinsamen Kaffeetrinken, dass sich an die Abendmahlsfeier am Ende jeder Wanderung anschloss. Joachim Strauch war jedoch etwas anderes wichtig. „Wir kennen Kirchen nur als Orte, in denen was passiert, in denen der Pfarrer predigt, der Organist spielt und die Gemeinde singt“, sagt er. „Wir haben die Kirche aber auch als Raum des Schweigens entdeckt und als Raststätten auf unserem Lebensweg.“

Die erste Wanderung im Jahr 2006 begann zum Beispiel an der Rennertehäuser Kirche und führte Nach Laisa. Immer mit dabei war ein Holzkreuz, das Walter Sellmann jeweils neu schmückte. Gemeinsam mit Joachim Strauch hat er die Routen festgelegt. „Wir sind jede Strecke vorher mindestens einmal abgelaufen“, sagt er.

Zwischen 40 und 70 Wanderer waren jeweils dabei und ließen sich auch von schlechtem Wetter nicht schrecken. Nach und nach wurden alle Gotteshäuser des Dekanats auf beiden Seiten der Sackpfeife erkundet. 2009 wurde mit Biedenkopf die letzte Kirche abgehakt. „Viele wünschten sich, dass die Wanderungen fortgeführt werden“, sagt Joachim Strauch. Deshalb ging es damals zu Zielen kurz hinter der Dekanatsgrenzen. Joachim Strauch freute der Erfolg: „Unser ursprünglicher Entschluss war, dass wir notfalls auch zu zweit los laufen. Doch das mussten wir nie.“

Rund 1000 Teilnehmer sind bei bislang 19 Touren unterwegs gewesen. Joachim Strauch hat in der Zwischenzeit auch andere Pilgerwanderungen mitorganisiert: Er gehörte zur Leitungsgruppe der hessischen ökumenischen Pilgerwege. Die im Edertal entwickelte Idee des Pilgerns innerhalb von Dekanaten wurde auch in anderen Regionen übernommen worden. Joachim Strauch geht im nächsten Jahr in den Ruhestand. Das Pilgern will er nicht aufgeben und möglicherweise auch noch mal Touren leiten. Die regelmäßigen Wanderungen im Eder- und Lahntal werden aber der Vergangenheit angehören: „Es ist der richtige Zeitpunkt für eine Zäsur“, sagt Strauch, der seit 22 Jahren das Lebenshaus leitet. (da)

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