Kommentar

Sportlerehrung darf kein Selbstzweck sein

- Nächstes Jahr würde die Stadt Frankenberg bereits zum 25. Mal ihre erfolgreichsten Sportler ehren – wenn sich das Parlament dazu entschließen sollte, diese Traditionsveranstaltung weiterzuführen.

Die Sportlerehrung hat deutlicher denn je gezeigt, dass sie in dieser Form keine Zukunft hat. Und das liegt an allen Beteiligten: an den Sportlern, an den Vereinen und an der Stadt.

Zunächst zu den eigentlichen Hauptdarstellern: Knapp die Hälfte der Sportler ist trotz einer Anmeldung der Ehrung ferngeblieben. Einige zogen vermutlich das Training der Urkundenübergabe vor. Dies ist sogar verständlich. Denn das unterschriebene Blatt Papier wird ja bekanntlich auch nachgereicht. Doch der Großteil dürfte schlicht und einfach keine Lust auf die Ehrung gehabt haben. Und auch das ist nicht weiter verwerflich. Im einen wie im anderen Fall hätte die Stadt aber zumindest eine Abmeldung erwarten dürfen. So 
 viel Disziplin muss man Sportlern abverlangen können.

Exakt an dieser Stelle rücken die Vereine in den Fokus. Sie melden ihre Sportler für die Ehrung an. Einige tun dies offensichtlich zum Selbstzweck: um als Verein in einem guten Licht dazustehen. Denn es gibt Sportler, die seit Jahren nominiert werden, sich aber noch nie eine Urkunde abgeholt haben. Eine Anregung: Vielleicht sollten die Clubs ihre Sportler vor der Anmeldung fragen, ob sie überhaupt Interesse an dieser Auszeichnung haben. Dies würde peinliche Momente ersparen: wenn reihenweise Sportler aus einzelnen Abteilungen unentschuldigt fehlen.Doch auch die Stadt ist nicht schuldlos am steigenden Desinteresse: Der jüngsten Ehrung hat es an jeglicher Atmosphäre gefehlt. Bürgermeister Rüdiger Heß moderierte im Gegensatz zu seinem Vorgänger wieder selber – und ließ keine Gelegenheit aus, auf eigene Bestleistungen in den verschiedenen Disziplinen zu verweisen. Dabei sollten doch eigentlich die Sportler im Mittelpunkt stehen: die Bezirks-, die Hessen-, die deutschen Meister. Mehr als ein Vorlesen der Leistungen und ein „Weiter so“ bei der Urkundenvergabe wurde nicht geboten. Das ist schade, denn mit Interviews oder Vorführungen hätte der Sportlerehrung ein würdiger Rahmen verliehen werden können.

Die Stadtverordneten sind in der Pflicht, jetzt über die Zukunft zu beraten. Denn eines ist wichtig: Die Veranstaltung darf nicht zum Selbstzweck organisiert werden. Aber auch die Vereine und die Sportler sollten sich in die Debatte einbringen. Wollen sie angesichts der „Ehrungsflut“ für besondere Leistungen überhaupt noch diese Art von Zusammenkunft? Immerhin wird ein deutscher Meister nicht nur bei den Titelkämpfen, sondern auch bei der Jahreshauptversammlung im Verein, der Sportlerehrung des Kreises und diversen anderen Ehrungsfeiern gewürdigt.Wichtig ist, dass Konsequenzen gezogen werden. Das sind Stadt, Vereine und Sportler vor allem denen schuldig, die sich Jahr für Jahr auf die Sportlerehrung der Stadt freuen – denn auch das gibt es.

Von Rouven Raatz

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