Burgwald/Frankenau

Auf den Spuren der Hugenotten

- Burgwald/Frankenau (gl). Im nächsten Jahr sollen Wiesenfeld und Louisendorf komplett an den europäischen Hugenotten- und Waldenserwanderpfad angeschlossen sein. „Erlebnisräume“ sollen dort die Geschichte der Glaubensflüchtlinge verdeutlichen.

Vor über 300 Jahren setzte von Frankreich ausgehend eine riesige Flüchtlingswelle ein: Das Edikt von Nantes, das den dortigen Protestanten Religionsfreiheit gewährte, wurde 1685 von König Ludwig XIV aufgehoben. Hugenotten und Waldenser begannen eine ausdauernde Wanderung, die sie durch Italien und die Schweiz bis ins überwiegend evangelische Deutschland führte. Nordhessen wurde eines ihrer wichtigsten Siedlungsgebiete, Bad Karlshafen bildete den Endpunkt vieler Wanderungen. Aber auch in der näheren Umgebung finden sich bedeutende Siedlungsspuren. Die Kolonien Schwabendorf, Hertingshausen und Todenhausen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Frankenauer Stadtteil Louisendorf sowie der Burgwalder Gemeindeteil Wiesenfeld sind Dörfer, die von Hugenotten besiedelt oder aber stark geprägt wurden. Der europäische Hugenotten- und Waldenserwanderpfand führt von den Ursprungsgebieten der Hugenotten und Waldenser bis in die Zielgebiete. Im Rhein-Main-Gebiet findet an diesem Wochenende die Eröffnung des dortigen Teilabschnitts statt (FZ berichtete). Auch im Burgwald sind die Anstrengungen auf den Wegen weit gediehen. Die Dörfer Wiesenfeld und Louisendorf liegen nicht direkt an der Wanderroute, die in Hessen durch Neu-Isenburg und Frankfurt, Marburg bis nach Karlshafen führt. Daher sind die Dörfer über Wegeschleifen angeschlossen. Die Wege als solche sind weitestgehend markiert. Besonders im südlichen Burgwald hat sich dabei die aktive Gemeinde aus Rauschenberg-Schwabendorf um Gerhard Badouin hervorgetan, die bis zum Christenberg bei Münchhausen das Zeichen des Pfades an Bäume, Pfähle und Tafeln gemalt hat, damit Interessierte sicher auf den Spuren der Flüchtlinge wan-dern können. Um den Tourismus weiter zu fördern, hat die „Projektgruppe Hugenotten“ eine Marketingstudie erarbeiten lassen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich Schleifen zu den Dörfern nur lohnen würden, wenn entlang des Weges sogenannte „Erleb- nisräume“ entwickelt werden. In Wiesenfeld etwa bilden dessen Mittelpunkt die Johanniterkirche und die Hugenottenstube, in Louisendorf sind dies die Kirche und die Schulscheune. Zusätzlich sollen den Wanderern vor allem Informationen geboten werden. In Schwabendorf bei Marburg etwa plant der örtliche Verein eine interaktive Informationstafel – digital und somit auch für jüngere Menschen von Interesse. Für alle Stationen sind Hinweistafeln in Deutsch, Französisch und Englisch geplant, dazu Baumelbänke, Eingangsportale, sogenannte Orte der Stille. Die Projektgruppe hat daher in Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern und den jeweiligen Bürgermeistern eine grobe Finanzplanung erstellt. „Es wurden aber bereits Kürzungen vorgenommen, und nach weiteren Einsparungsmöglichkeiten wird gesucht“, erklärt Stefan Schulte, Regionalmanager der „Region Burgwald-Ederbergland“. Zudem befinde er sich im Gespräch mit einem möglichen Sponsor, auch Privatpersonen und örtliche Vereine könnten sich beteiligen und die Erlebnisräume so durch eigenes Engagement oder eine Spende aufwerten helfen.Entstehen soll eine für Wanderer wie für Radfahrer, für Geschichtsliebhaber und Nachfahren von Hugenotten spannende Mischung aus Naturerlebnis und französisch-deutscher Geschichte, die von den Ursprungsgebieten der Hugenotten bis nördlich Kassel führen soll und die Besucher auf dem Weg der Flüchtlinge begleitet.

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