Vor 75 Jahren grub Dr. Willi Görich auf der Frankenberger Burg - Erster Teil

Spuren der Karolingerzeit?

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Letzte Spuren der Grabung: Der Nordhang des Frankenberger Burgplatzes ist in den letzten Jahren völlig zugewachsen, sodass man diese 1936 freigelegten Mauerreste schon sehr genau suchen muss. 

Frankenberg. Man muss schon sehr genau am Nordrand des Frankenberger Burgplatzes suchen, um im Gestrüpp an dem zur Eder hin abfallenden Hang, unweit der zur Bergstraße führenden Treppe, einen letzten Mauerstumpf zu entdecken, der möglicherweise noch aus der Karolingerzeit stammen könnte.

Vor 75 Jahren, im August 1936, wollte der verdienstvolle Fachmann für hessische Straßen und Burgen, Dr. Willi Görich (1907-1991), endlich bei einer Grabung untersuchen, ob Wigand Gerstenberg recht hatte, als er behauptete, Frankenberg sei eine Gründung des Frankenkönigs Theoderich aus dem Jahr 520, der auf der Burg über dem Ederknie eine Kemenate errichtet haben soll.

Die Lokalzeitung berichtete damals: „Das Institut für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau hat auf unserem Burgplatz mit seinen Forschungsarbeiten begonnen. Ein Stück der Mauerreste der mittelalterlichen Burg ist schon freigelegt, doch will man vordringen bis in den gewachsenen Boden, um hier auf ältere Mauerreste aus der Karolingerzeit zu stoßen.“

Erdarbeiter für die Grabung auf dem Burgplatz waren, wie Helmut Wissemann in seiner Chronik berichtete, den archäologischen Fachleuten „vom Arbeitsamt zugewiesen worden“. An einen der Helfer, Otto Knöß, erinnert noch ein kleines Mauerstück mit der Einritzung „OK 1936“.

Es war nicht die einzige archäologische Untersuchung einer Burg, die Dr. Görich 1936 vornahm: Der Leiter der Frankenberger Grabung erforschte im selben Jahr auch das alte Gronauer Schloss bei Krofdorf-Gleiberg und führte den Marburger Zweigverein für hessische Geschichte und Landeskunde bei einer Exkursion dorthin.

1926 in Frankfurt geboren, studierte Willi Görich in Herford/Westfalen und Marburg, wo er mit seinem Lehrer Prof. Edmund Stengel Vorarbeiten für einen „Historischen Atlas von Hessen“ leistete. „Straße, Burg und Stadt in der Landschaft Oberhessen von der Frühzeit bis zur Auflösung des alten Reiches“ lautete sein Dissertationsthema.

Bei seinen Studien zur Verkehrs-, Siedlungs- und Stadtgeschichte verband Dr. Görich seine Archivstudien immer ganz eng mit Geländearbeit und Archäologie.

Touren- und Wanderwart

Er war Touren- und Wanderwart, aber auch Vorsitzender des Geschichtsvereins in Marburg. Als der Heimatbund für Kurhessen und Waldeck 1961 ein Handbuch für den Kreis Frankenberg herausgab, lieferte Dr. Görich auch einen kurzen Geschichtsabriss des damaligen Landkreises Frankenberg mit seinen großen Fernwegen und Burgsitzen.

Quelle: HNA

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