SS-Arzt Loderhose: Stadt Frankenberg will Vorwürfe prüfen

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Straßenschild am Sauren Morgen: Die Inschrift erwähnt nur die Nachkriegsjahre des Dr. Loderhose.

Frankenberg. Überrascht hat sich Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß angesichts des Berichts am 10. Oktober in der HNA über die NS-Vergangenheit von Dr. August Loderhose gezeigt.

Nach dem früheren SS-Arzt ist eine Straße in Frankenberg benannt. Der frühere Frankenberger Internist und Lungenfacharzt (1908-1982) war, wie Forschungen ergeben haben, nicht nur ein hoch dekoriertes, zugleich intern wegen „Charakterschwäche“ aktenkundiges Mitglied der Waffen-SS, sondern er war auch im NS-Konzentrationslager Sachsenhausen beteiligt, als an Häftlingen Menschenversuche mit Tuberkulose vorgenommen wurden.

In Frankenberg ist bekanntlich im Wohngebiet „Auf dem Umkreis“ eine Straße nach Dr. Loderhose benannt. Parallel zu den Enthüllungen zur Vergangenheit des Arztes wurde von dem untersuchenden Politologen die Forderung zur Umbenennung der „Dr.-Loderhose-Straße“ erhoben. Dafür wäre Frankenberger Stadtverordnetenversammlung zuständig, teilte Bürgermeister Rüdiger Heß nun mit.

„Es wäre sicher gut gewesen, der Stadtverwaltung oder dem Bürgermeister das belastende Material zur Verfügung zu stellen, damit eine Sichtung hätte stattfinden können“, sagte Heß, der den Vorgang sauber recherchiert und bewertet haben möchte. „Mir liegen dazu keine Unterlagen vor. Bevor ich eine Bewertung vornehme und in eine fachliche Diskussion eintrete, die dann von der Stadtverordnetenversammlung im Hinblick auf eine eventuelle Straßenumbenennung zu führen wäre, möchte ich zunächst das belastende Material persönlich sichten“, betonte Heß.

Der HNA liegen die Unterlagen in Kopie vor, die Dr. Loderhose belasten und dem Zeitungsbericht vom vergangenen Samstag zugrunde liegen. Sie sollen nun auch der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: HNA

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