Kohlenmeiler bei Dodenhausen in Betrieb

Mit Stachel, Steigbaum und Füllstange

In einer „Holz-Kette“ wandert ein Stück Buchenholz nach dem anderen in den Schacht, (v. l.) Bertfried Stremme, Rolf Schneider, Manfred Wickert, Ludwig Hofmeister und der Vorsitzende Volker Geise.Fotos: Gerlinde Himmelmann

Haina-Dodenhausen - Wie ein schwarzes Iglu ragt der Kohlenmeiler im windgeschützten „Kummerwäldchen“ gut vier Meter in die Höhe. Eine Leiter - der Steigbaum - lehnt an derSeitenwand, oben neben der Öffnung ragt eine blaue Glockenblume aus einem Grassoden in die Höhe. In einiger Entfernung glüht ein Holzfeuer im Steinkreis und Werner Otto schlägt mit einer selbstgebauten Klopfe letzte lose Erdstellen fest.

Zahlreiche Mitglieder haben sich am Freitagnachmittag um den Kohlenmeiler versammelt, um dem Vorsitzenden Volker Geise beim Entfachen behilflich zu sein oder auch um dem historischen Schauspiel zuzusehen.

Einen Kohlenmeiler anzulegen bedarf langer Planung. „Wir haben schon im Januar damit begonnen. In einem gemeinsamen Waldeinsatz haben wir etwa 25 Raummeter Holz gemacht“, informiert Mitglied Manfred Wickert.

Diese stehen jetzt verborgen unter einer Lage Silage und einer dicken Schicht Erde um einen Schacht. „In der Mitte steht der sogenannte Quandel, eine Art Schornstein, dieser wird mit Glut und trockenem Holz aufgefüllt und angezündet“, sagt Werner Otto.

Mit einem Blecheimer glühender Holzstücke erklimmt Volker Geise den Kegel, schüttet die Glut in den Schacht und verdichtet mit der Füllstange. Schon nach wenigen Minuten steigt weißer Rauch auf. „Jetzt werden wir den Meiler gut acht Tage lang bewachen, mit dem Stachel Luftlöcher öffnen oder schließen“, erklärt Werner Otto. „Danach wird die Erdschicht abgezogen und die Kohle kann langsam erkalten“.

Er beschreibt, wie im letzten Arbeitsgang die Kohlen auf einer langen Strecke Feldweg ausgebreitet, leicht befeuchtet, schließlich in Säcke gefüllt und verkauft würden. „Die Kohle besitzt dann nur noch ein Viertel des ursprünglichen Gewichts, hat aber wesentlich mehr Heizkraft, schließlich besteht sie dann aus reinem Kohlenstoff, genau wie Diamanten“ fügt er hinzu.

Auf eine lange Tradition geht die Köhlerei im Kellerwalddorf Dodenhausen zurück. Für Gewinnung von Eisen aus dem großen Eisenerzfeld „Haingrube“ in der Gemarkung war die Holzkohle unerlässlich. Die letzte Firma, die gewerbsmäßig Holzkohle herstellte, schloss Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Pforten. „Dieses Unternehmen hat die letzten Buchen von den Flächen verkohlt, auf denen sich heute der Edersee ausbreitet“, weiß Werner Otto zu berichten. „Mit einem gezielten Schuss haben die Amerikaner seinerzeit den letzten Meiler in Brand geschossen und damit eine Ära beendet“.

Vom 13. bis 27. Juni dauern die Meilertage des Heimat-und Geschichtsvereines in diesem Jahr, einen Dämmerschoppen wird es am Samstag, den 20. Juni am Meiler geben. (ghm)

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