VW Caddy stand ein Jahr auf der Straße

Stadt Rosenthal versteigerte Auto für 1350 Euro

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Fahrzeug unterm Hammer: Bürgermeister Hans Waßmuth mit dem VW Caddy, den die Stadt Rosenthal versteigerte.

Rosenthal. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Stadt Rosenthal etwas versteigert: ein Auto, das auf einer Straße abgestellt worden war.

Knapp ein Jahr, schätzte der Bürgermeister, habe der VW Caddy Am Dammrasen gestanden. „Zwar darf jeder sein Fahrzeug auf öffentlichem Grund abstellen, doch dafür muss es im fahrbereiten Zustand sein“, erläuterte Waßmuth. Das war der Caddy nicht, da sein Eigentümer ihn abgemeldet hatte. Der war der Stadt bekannt: „Wir haben ihn mehrfach aufgefordert, sein Auto wieder anzumelden und wegzufahren“, sagte der Bürgermeister. Doch vergebens, der Caddy blieb stehen.

Also war die Stadt Rosenthal dazu verpflichtet, das Auto sicherzustellen. Nachdem ein weiteres Jahr verstrichen war, ohne dass es von seinem Eigentümer abgeholt wurde, entschied sich die Stadt dazu, den Caddy zu versteigern (siehe Hintergrund). „Das macht etwa die Stadt Kassel auch so“, erklärte Melanie Koch von der Stadt Rosenthal.

500 Euro legte die Stadt als Mindestgebot fest, obwohl eine Wertermittlung einen höheren vierstelligen Betrag ergeben hatte. „Wir hatten die Befürchtung, dass sich gar keine Interessenten für das Auto finden würden, da so viele Daten ungewiss sind“, sagte Koch. Denn da weder Fahrzeugpapiere noch Schlüssel vorlagen, habe nicht festgestellt werden können, ob der Caddy noch fährt.

Doch die Befürchtungen der Stadt erwiesen sich als unbegründet: Fünf Interessenten waren zur Versteigerung erschienen und verfielen schnell in einen Bieterwettbewerb. Nach nur 15 abgegebenen Geboten stand der neue Eigentümer fest: Für 1350 Euro wechselte der Caddy den Besitzer.

Seine Entscheidung begründete der Käufer, der anonym bleiben möchte, mit den drohenden Diesel-Fahrverboten: Bisher habe er einen alten Diesel gefahren. Den Caddy, der mit Benzin betankt wird, wollte er als Absicherung. „Die Versteigerung war die Gelegenheit, günstig an ein Auto zu kommen“, so der Käufer.

Um seine Errungenschaft in Gebrauch nehmen zu können, muss der neue Eigentümer den Caddy jetzt abschleppen und dessen Schlösser austauschen lassen. Auf Grundlage von Ersatzpapieren, die durch die Wertermittlung entstanden sind, stellt der TÜV dann neue Papiere aus.

In die Stadtkasse fließt der Erlös aus der Versteigerung nicht, jedenfalls fürs erste. Zunächst zieht die Stadt von dem Betrag ihre Kosten für das Abschleppen, die Verwaltungsgebühr und die Platzmiete ab. „Den Rest müssen wir drei Jahre lang für den ehemaligen Eigentümer verwahren“, erläuterte Waßmuth. Holt er das Geld nicht innerhalb dieser Frist ab, geht es an die Stadt.

Keine drei Jahre, sondern drei Werktage, gewährte die Stadt dem neuen Eigentümer, um das Auto abzuholen. Ansonsten wäre sein Anspruch erloschen, ohne dass er sein Geld zurückbekommen hätte. 

Das sind die rechtlichen Grundlagen 

Die Stadt Rosenthal berief sich bei der Versteigerung des VW Caddy auf zwei Rechtsvorschriften: Gemäß des Hessischen Gesetzes über öffentliche Sicherheit und Ordnung (§ 42) ist die Verwertung einer sichergestellten Sache in fünf Fällen zulässig: Wenn erstens deren Verderb oder Wertminderung droht oder es zweitens mit hohen Kosten verbunden wäre, die Sache zu erhalten, zu pflegen und zu verwahren. Außerdem, wenn das Verwahren die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden würden. Eine Sache darf ferner verwertet werden, wenn sie nicht innerhalb eines Jahres an den Eigentümer übergeben werden kann, ohne dass eine erneute Sicherstellung droht. Holt dieser sein Eigentum nicht innerhalb einer Frist ab, so wie es in Rosenthal der Fall war, kann es ebenfalls verwertet werden. Nach dem Bürgerlichem Gesetzbuch (§ 979) können die Behörden von Bund, Ländern und Gemeinden an sie abgelieferte Sachen öffentlich versteigern lassen. Auch eine „allgemein zugängliche Versteigerung im Internet“ ist dabei möglich.

Quelle: HNA

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