Rückblick auf 50 Jahre Allendorfer Schule

"Stätte moderner, fortschrittlicher Bildung"

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Blick in die Geschichte: Der frühere Rektor Walter Sellmann blickte mit Anita Knolle in die Geschichte der Allendorfer Schule. Sellmann zeigte mit zahlreichen Dias, wie das Schulleben früher aussah.Foto: Mark Adel

Allendorf (Eder) - In den 60er Jahren wurde eine Dorfschule nach der anderen geschlossen. Bildung veränderte sich. In einem bebilderten Vortrag zur Geschichte der Allendorfer "Schule am Goldberg" blickten Rektor i.R. Walter Sellmann und die stellvertretende Schulleiterin Anita Knolle auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurück.

Vor 50 Jahren, im August 1965, war die Mittelpunktschule eröffnet worden. 2004 wurde sie in „Grundschule am Burgberg“ unbenannt. Mit zahlreichen historischen Fotos blickten Walter Sellmann und Anita Knolle in der Aula in die Schulgeschichte.

Sellmann kennt den Wandel in den 60er Jahren: Der gebürtige Rennertehäuser hat selbst als Lehrer einer einklassigen Dorfschule in Moischeid begonnen. Er unternahm mit seinen Moischeider Schülern schon 1960 Fahrten zur Burg Hessenstein. „Gewaschen haben wir uns an der Eder.“

Doch der gesellschaftliche Wandel hatte Einfluss auf das Schulleben. Auf der einen Seite waren die kleinen Dorfschulen fest ins Gemeindeleben integriert. „Schule funktionierte.“ Doch wollten immer weniger Lehrer aufs Land, und eine Reform des Bildungssystems war auch politisch gewollt - schließlich gab es damals weder Turnhallen noch Physikräume. „Doch es gab Widerstand und Wehmut, als die Schulen in den 60er Jahren aufgegeben wurden.“ So schlossen sich noch vor der Gebietsreform die Gemeinden Allendorf, Rennertehausen, Battenfeld und Bromskirchen zusammen, um eine gemeinsamen Schulverbund zu gründen. „Eine Stätte moderner, fortschrittlicher Bildung“, las Anita Knolle aus der Urkunde zur Grundsteinlegung.

Der waren kontroverse Diskussionen um den Standort vorausgegangen. So hätten die Rennertehäuser die Schule lieber im Tal gehabt, erinnerte Sellmann. Auch Jahrzehnte später war die Allendorfer Schule Teil politischer Debatten: Noch bis vor wenigen Jahren wurde ein Realschulzweig gefordert. „Es gab kontroverse Diskussionen, letztlich fanden wir keine politische Mehrheit“, berichtete Walter Sellmann.

Der gebürtige Bromskirchener Eckhard Guntermann gehörte zu den ersten Lehrern der neuen Schule und erinnerte sich am Mittwochabend an die Anfänge. Die ersten Neuntklässler seien sauer gewesen, „denn sie mussten ja ein Jahr länger zur Schule gehen.“ Das Schuljahr begann damals noch zu Ostern, im Sommer sei die Grundschule umgezogen, berichtete seine Kollegin Erika Klammer. Das alte Schulgebäude befand sich auf dem Grundstück der heutigen Gemeindeverwaltung, der Name Schulstraße erinnert noch daran. Als weiterer Zeitzeuge erinnerte Rudi Herguth an sportliche Erfolge und die Begeisterung der Kinder für die Leichtathletik.

Im August 1965 wurde die neue Schule eröffnet, 1967 folgte die Turnhalle. 1968 entstanden in einem zweiten Bauabschnitt weitere Klassenräume und die Aula. 1970 zogen die Grundschüler aus Battenfeld und Rennertehausen ein, vier Jahre später noch die Kinder aus Haine. In jener Zeit - im Schuljahr 1970/71 - erreichte die Schülerzahl auch ihren Höchststand mit 554 Schülern.

Mit dem Wachstum der Viessmann-Werke veränderten sich auch die Anforderungen an die Lehrer. Immer mehr Gastarbeiter kaman in die Industriegemeinde. Die Integration der Kinder gewann an Bedeutung. In manchen Klassen habe der Ausländer-Anteil bis zu 40 Prozent betragen, berichtete Walter Sellmann. Anfang der 90er Jahre kam dieses Thema erneut auf, als viele Russlanddeutsche in die Region kamen. Die Schule begegnete diesen Veränderungen unter anderem mit einem Projekt „Ost/West“.

Weitere Meilensteine: 1988 finanzierten Eltern den ersten Computer, 1990 nahmen Allendorfer Schüler am Kinderfest von Bundeskanzler Helmut Kohl in Bonn teil. Im gleichen Jahr nahm die Allendorfer Shcule Kontakt zu einer Schule in Niederzimmern bei Weimar auf. Viele gegenseitige Besuche von Lehrern und Schülern folgten.

Anita Knolle erinnerte an die grundlegende Sanierung in den Jahren 2000 bis 2003 zurück. Die Schule veränderte sich weiter und passte sich veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten an: So wurde 2008 das offene Ganztagsangebot ins Leben gerufen. Das Angebot der Schulbücherei wurde ausgeweitet, und die Zusammenarbeit der Allendorfer Kindertagesstätten und der Schule am Goldberg intensiviert. 2012 kam dann das - lange vorhersehbare - „Aus“ für den Hauptschulzweig. Viele Projekte prägen das Schulleben. Oft geht es dabei auch um das Miteinander verschiedener Kulturen.

2014 bekam die Schule mit Christina Specht eine neue Leiterin. Bislang letzter Meilenstein: Das große Fest zum Jubiläum. Es beginnt am Samstag um 11 Uhr auf dem Schulhof.

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