Frankenberger Großkunstwerk wird 20

Stelenmensch "lebt" mit Lücken weiter

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Arbeiten an Denkmälern für verschwundene Stelen (von links): Künstler Hubert Schmitt aus Köln, die Zerspanungsmechaniker-Auszubildenden Konstantin Becker, Michael Untied und Eugen Schneider, BFHI-Leiter Werner Rühl, Inga Gerke von Ernst Stahl- und Treppenbau, Bürgermeister Rüdiger Heß und die Künstlerin Reta Reinl.

Frankenberg - Ein Gesamtkunstwerk wird 20 Jahre alt - und wäre beinahe vergessen worden. Doch Stadt, Künstler und das Berufsförderungswerk für Handwerk und Industrie wollen die Erinnerung an den Stelenmenschen wieder auffrischen.

Versteckt, vergessen, verschmäht rottet so manches Kunstwerk im öffentlichen Raum vor sich hin. Andere haben sich so in das Stadtbild eingeprägt, dass sie kaum mehr wahrgenommen werden. Und doch bilden alle diese Werke zusammen etwas Besonderes - den Frankenberger Stelenmenschen. Der wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Und das soll gefeiert werden. Beinahe wäre auch dieser runde Geburtstag in Vergessenheit geraden. Auf Initiative der Frankenberger Zeitung hat sich jedoch Reta Reinl, die 1994 das Frankenberger Kunstfestival maßgeblich mit organisierte, des Gesamtkunstwerkes angenommen. Gemeinsam mit der Stadt wurde ein kleines Programm entwickelt. Es enthält Führungen, Projekte mit Künstlern, mit dem Jugendhaus sowie einen Empfang für alle 24 Erschaffer des Kunstwerkes am 29. Juni in der historischen Rathausschirn.

Die Stelen sollen zuvor regelrecht aufpoliert werden. Defekte Teile sollen getauscht, frische Farbe aufgebracht werden. Doch da viele Stelen inzwischen nicht mehr oder nur noch in Bruchteilen stehen, hat der Kölner Künstler Hubert Schmitt mit Auszubildenden des Berufsförderungswerks für Handwerk und Industrie (BFHI)und dessen Leiter Werner Rühl ein weithin sichtbares „Denkmal“ entworfen.

Es soll überall dort aufgestellt werden, wo eine Stele unwiederbringlich verloren ist. Es zeigt den Stelenmenschen und auf einer Infotafel ein Bild des Kunstwerkes, dessen Platzhalter es ist. „Wir haben 19 Stück hergestellt“, verrät Schmitt. 14 bis 16 würden in den nächsten Wochen bereits aufgestellt - so groß war in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Schwund. Der Rest der Denkmäler ist auf Vorrat produziert - denn durch Bauarbeiten, Witterung oder Verkehrsunfälle kann immer mal wieder eine noch stehende Stele verschwinden.

„Kunst an sich ist natürlich auch etwas Vergängliches“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Dennoch fände er es gut, wenn mit den Denkmälern der verschwundenen Stelen gedacht werde, der Stelenmensch also komplett bleibe. „Der Geburtstag ist es wert, etwas zu tun“, sagt er. Ausdrücklich dankte er dem BFHI, das sich rasch bereiterklärt habe auszuhelfen.

Schmitt entwarf einen Vorschlag, wie an die Stelen gedacht werden soll. Am Mittwoch reiste er aus Nordrhein-Westfalen an, um mit Werner Rühl und den drei Auszubildenden Konstantin Becker, Michael Untied und Eugen Schneider an den metallischen Denkmälern zu arbeiten.

Sie wirken wie Fahnenmasten, dynamisch verbogen, an denen sich der Stelenmensch freudig emporschwingt. Meterhoch, sollen sie weithin sichtbar sein. Und auch sie sind Kunst: Sie setzen Patina an, Rost: „Anders als am Auto wollen wir den Rost“, sagt Schmitt. Und vielleicht ist das genau die richtige Erinnerung an Kunstwerke, die nicht mehr sind.

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