Organspende

Stephan verschenkt Herz und Niere

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Marion Schmidt mit Tochter Jennifer Schmidt und Stephan Kunze

Frankenberg/Marburg - Jennifer Schmidt ist seit ihrer Kindheit nierenkrank. Mit 24 Jahren hat sie nun eine Spenderniere bekommen. Ihr Freund Stephan Kunze hat ihr nicht nur seine Niere geschenkt, sondern auch sein Herz und ein Leben ohne Dialyse.

Die Dialyse gehörte bisher zu Jennifer Schmidts Leben. Drei Mal in der Woche musste die Frankenbergerin nach Marburg an die Uniklinik und ihr Blut reinigen lassen. Das dauerte jedes Mal fünf Stunden. Ihre Nieren funktionieren bereits seit ihrer Kindheit nicht mehr. „Das hat nicht nur an Jennifer und mir gezehrt, sondern an der ganzen Familie“, erzählt ihr Lebensgefährte Stephan Kunze. Deshalb hat er sich vor zweieinhalb Jahren entschieden, seiner Liebsten eine seiner eigenen Nieren zu spenden. Es folgten viele Kämpfe und Untersuchungen, bis die Marburger Ärzte in der vergangenen Woche operierten.

Jennifer Schmidt hat in den 24 Jahren ihres Lebens schon viel gekämpft - und ihre Familie mit ihr. Seit ihrem siebten Lebensjahr musste die Frankenbergerin ihr Blut waschen lassen. „Mit zehn Jahren hat sie ein Spenderorgan bekommen“, erzählt ihr Vater Dirk Schmidt. Die Niere musste allerdings nach 48 Stunden wieder entfernt werden, Jennifers Körper nahm sie nicht an. 1999 bekam die heute 24-Jährige ihre zweite Spenderniere - zunächst mit Erfolg. Zehn Jahre hat das Organ in Jennifers Körper gearbeitet, bis es plötzlich abgestoßen wurde. „Das ließ sich auch mit Medikamenten nicht rückgängig machen“, erzählt ihr Vater.

In den vergangenen vier Jahren bedeutete das für Jennifer, dass sie wieder an die Dialyse musste. „Wenige Stunden nach der Dialyse sind die ersten Giftstoffe aber wieder im Körper“, erzählt Dirk Schmidt. Mit der Blutwäsche könnten nur einige Jahre überbrückt werden. „40 wäre sie so bestimmt nicht geworden“, glaubt er. Die neue Niere ist für seine Tochter lebensnotwendig. „Aber Deutschland ist ziemlich spenderfaul“, bedauert Dirk Schmidt. Vater, Mutter, Onkel und Tanten haben sich also vor zweieinhalb in der Hoffnung testen lassen, dass sie Jennifer Schmidt helfen können. Allerdings passte keine der getesteten Nieren.

Stephan Kunze war damals gerade ein halbes Jahr mit Jennifer Schmidt zusammen, als er sich testen ließ, obwohl er nie darum gebeten wurde. „Mir war klar, dass es die Frau ist, mit der ich meine Zukunft verbringen möchte“, sagt der 22-Jährige. „Ansonsten hätte ich es nicht gemacht.“ Die Familie sei von der Spendenbereitschaft überrascht worden. Kurz darauf war das Ergebnis da und die Ärzte sind laut Dirk Schmidt erstaunt gewesen über die passenden Werte. „Das war ein Sechser im Lotto“, sagt Stephan Kunze.

Mehr als zwei Jahre lang musste Kunze unter Beweis stellen, dass er sich des Risikos voll bewusst ist und seine Niere aus freien Stücken hergibt. Vor einigen Monaten gab es dann endlich grünes Licht: „Die Erleichterung war bei uns allen riesengroß. Nach jahrelangen Kämpfen hat es endlich geklappt“, sagt Kunze.

Die Operation war vor einer Woche - und bisher scheint die Niere so gut zu passen, wie die Testwerte es hoffen ließen. Bisher gibt es keine Abstoßungsreaktionen, Jennifer Schmidt liegt nicht mehr auf der Intensivstation und fühlt sich gut: „Ich habe mich schnell erholt und die Ärzte sind sehr zufrieden“, sagt sie. „So stellen sie sich eine Lebendspende vor.“

Stephan Kunze wünscht sich, dass noch mehr Menschen eine Chance auf ihr Leben geschenkt wird. „Es ist wichtig, dass Organe gespendet werden. Ich würde allen empfehlen, Organspender zu werden.“ Damit meint der junge Frankenberger nicht unbedingt die Lebendspende, sondern vor allem die Organspende nach dem Tod.

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