Marburger Bahnhof von „Allianz pro Schiene“ ausgezeichnet

Stille Alltagsschönheit

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Herausgeputzt: Das Eingangsportal des renovierten Bahnhofs von Marburg. Foto: Andreas Arnold

Marburg - Im mittelhessischen Marburg steht der „Bahnhof des Jahres 2015“.

Der Lobby-Verein Allianz pro Schiene wählte diesen sowie zwei Stationen der Oberweißbacher Bergbahn in Thüringen als kundenfreundlichste Bahnhöfe Deutschlands aus.

Den neobarocken Bahnhof der Universitätsstadt Marburg habe ein Umbau und ein neuer, großzügiger Vorplatz zu einer „hellen, stillen Alltagsschönheit verwandelt“, teilte die Jury aus sechs Vertretern von Verkehrsclubs und Fahrgastverbänden gestern in Berlin mit. Vor der Sanierung sei der Bahnhof ein dunkler, vom Verkehr umbrauster Ort gewesen. Nun kämen hier Fußgänger, Radfahrer, Busreisende und Autofahrer gleichberechtigt zum Zug. Die Jury lobte außerdem die „mustergültig“ gelöste Barrierefreiheit, gerade für Sehbehinderte.

30 Millionen Euro für Modernisierung

In der Allianz pro Schiene sind 22 Organisationen zusammengeschlossen, darunter Naturschutz-, Umwelt-, Verkehrs- und Verbraucherverbände. Der Titel „Bahnhof des Jahres“ wird seit 2004 vergeben. Bahnfahrer können Vorschläge machen. Anhand einer Checkliste besichtigt die Jury einige Bahnhöfe und nimmt etwa das Ambiente, die Anbindung oder Serviceleistungen in Augenschein.

Der hessische Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Thomas Kraft, sieht in Sachen Barrierefreiheit an Bahnhöfen noch Nachholbedarf im Land: „Von Barrierefreiheit sind wir noch weit entfernt.“ Teilweise verhinderten selbst nach Umbauten Lücken zwischen Bahnsteig und Zug stufenloses Einsteigen.

Ein Wermutstropfen sei auch in Marburg, dass das Fernzug-Gleis etwas zu niedrig sei. Der Bahnhof in der Uni-Stadt zählt täglich im Schnitt 11000 Reisende und 160 Züge. Die denkmalgeschützte Empfangshalle wurde 1909 eingeweiht. 2011 begann die Modernisierung, insgesamt wurden nach Angaben der Stadt 30 Millionen Euro investiert. Das Gebäude gehört teils der Deutschen Bahn, teils einer Wohnungsbaugesellschaft - im Obergeschoss gibt es unter anderem Wohnungen und ein Hostel.

In den vergangenen Jahre erhielten auch andere hessische Bahnhöfe die Auszeichnung des Vereins Allianz pro Schiene: Hünfeld (2014), Oberursel (2013) sowie Darmstadt (2010). (lhe)

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